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Die Uhr muss weg

Das Kunstwerk im früheren Waggonbau-Werk I soll diesen Sonnabend abgebaut werden. Es kostet einfach zu viel Geld.

© Pawel Sosnowski/80studio.net

Von Ingo Kramer

Am Mittwoch war sie ein letztes Mal Thema bei den Stadträten: Die Uhr im früheren Waggonbau-Werk I. Wolfgang Freudenberg (Bürger für Görlitz) stellte fest, dass das Kunstwerk, das als Teil der mittlerweile abgeschlossenen Ausstellung „Görlitzer Art“ noch da ist, nicht richtig funktioniert. Ob die Uhr mal wieder gestellt werden könne, wollte Freudenberg wissen.

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Nun erübrigt sich die Frage: Bereits am heutigen Sonnabend bauen die Breslauer Kunststudenten, die die Uhr geschaffen haben, ihr Kunstwerk ab. Darüber informiert Rathaus-Sprecherin Sylvia Otto: „Für das Industriegebäude werden aktuell Verkaufsverhandlungen geführt, sodass ein weiterer Verbleib der Kunstinstallation an der Fassade dauerhaft nicht mehr möglich ist.“

Noch-Eigentümer des Gebäudes ist die städtische Tochtergesellschaft Kommwohnen. Deren Geschäftsführer, Arne Myckert, erfährt erst durch den Anruf der SZ vom Abbau der Uhr: „Ich weiß davon nichts, mir hat die Uhr immer gut gefallen, sie bringt ja Leben rein.“ Allerdings habe sein Unternehmen nur den Platz zur Verfügung gestellt, sich aber inhaltlich nicht eingemischt. Dass es Verkaufsverhandlungen für das Gebäude gibt, bestätigt Myckert: „Wir sind da mittendrin.“ Näheres könne er nicht sagen. Die SZ hatte aber bereits im Juni berichtet, dass in dem Gebäude im Juni 2019 ein Rewe-Markt eröffnen soll.

Auch Baubürgermeister Michael Wieler bestätigt, dass der Abbau der Uhr nur indirekt mit den Verkaufsverhandlungen zu tun hat. Der Hauptgrund sei ein anderer: Die Uhr verursacht etwa 2 000 Euro Betriebskosten pro Jahr: „Wir müssen die Stromversorgung mieten, außerdem zahlen wir 60 bis 70 Euro für die monatliche Kontrolle durch einen Prüfingenieur.“ Während der Dauer der Ausstellung von April 2016 bis April 2017 kam dieses Geld aus Projektmitteln von „Görlitzer Art“, jetzt kommt es immer noch aus dortigen Restmitteln. Die gehen aber nun zur Neige. „Und aus dem städtischen Kulturhaushalt will ich nicht 2 000 Euro im Jahr für die Uhr verwenden“, sagt Wieler. Das sei einfach zu viel Geld. Würde das Gebäude dauerhaft leer bleiben, ließe sich vielleicht eine preiswertere Lösung suchen. Aber da es verkauft werden soll, sei das nicht sinnvoll. Insofern haben die Verkaufsverhandlungen schon ein bisschen was damit zu tun. Stadtrat Freudenbergs Frage dagegen sei nicht der Auslöser: „Der Abbau ist schon seit ein paar Wochen geplant“, bestätigt Wieler der SZ. Den Stadträten sagte er davon am Mittwoch allerdings noch nichts.

Dass die Uhr zuletzt wieder ungenau ging, bestätigt indes neben Wolfgang Freudenberg auch Stephanie Rikl vom Görlitzer Kulturservice: „Die Uhr ist GPS-gesteuert, voriges Jahr gab es damit auch schon mal Probleme.“ Allerdings laufe die Uhr nach einem von den Breslauer Künstlern selbst entworfenen Programm. Nur deren Programmierer könne die Uhr stellen. Immer, wenn sie nicht exakt läuft – und auch bei jeder Zeitumstellung im Frühling und Herbst – muss also extra jemand aus Breslau anreisen, um die Uhr zu stellen. Auch dieser Aufwand fällt jetzt weg.