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Die Umleitung von der Umleitung

Wie die geänderte Verkehrsführung um die Löbauer Poststraße in eine Staufalle führt.

© Matthias Weber

Von Markus van Appeldorn

Löbau. Seit einigen Tagen hat die Stadt Löbau eine völlig neue Art der Verkehrsführung geschaffen: die Umleitung von der Umleitung. Ein gelb blinkendes Licht am Straßenrand der August-Bebel-Straße bedeutet den Verkehrsteilnehmern, dass sie nun nach links in die Pestalozzistraße abbiegen müssen, wollen sie zur Poststraße gelangen. Im morgendlichen und nachmittäglichen Berufsverkehr führt die neue Verkehrsführung über Pestalozzistraße, Wiedemuth und Maschinenhausstraße (siehe nebenstehende Skizze) nun geradewegs in eine Staufalle.

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Neuralgischer Punkt der neuen Umleitungsstrecke ist die Ampelkreuzung an der Einmündung der Sachsenstraße in die Poststraße. Aus der Sachsenstraße kommende Fahrzeuge dürfen nur noch nach rechts abbiegen. Besonders staukritisch wird das, wenn Busse oder Lkw hier abbiegen. Bei starkem Verkehrsaufkommen können diese nun nämlich regelmäßig wenige Meter weiter nicht nach links in die Umleitungsstrecke Maschinenhausstraße einbiegen. Der Grund: Die Straße ist von Fahrzeugen blockiert, die sich in der anderen Fahrtrichtung vor der Ampel an der Sachsenstraße stauen. Dort verhalten sich viele Autofahrer genauso uneinsichtig. Statt vor einer grünen Ampel zu warten, fahren viele in die Kreuzung ein und blockieren diese, dass auch niemand mehr abbiegen kann – so wächst innerhalb von Minuten der Stau auf beiden Seiten.

Die SZ hat der Stadt Löbau dieses Stau-Szenario geschildert. Stadtsprecherin Eva Mentele erklärte am Freitag, dass sie die Situation kenne, das zuständige Bauamt aber um eine Stellungnahme bitten werde. Der Grund für die jetzige Umleitungslösung ist eigentlich eine gute Nachricht. Die Bauarbeiten an der Poststraße sollten ursprünglich erst nach der Fertigstellung des neuen Kreisverkehrs am Neumarkt starten. Um sämtliche Bauvorhaben insgesamt zu beschleunigen und wieder für ungehinderten Verkehr in Löbau zu sorgen, wird nun aber parallel gebaut.

Eine gute Nachricht hat Stadtsprecherin Eva Mentele auch für die Anwohner der neuen Umleitungsstrecke: „Es ist nur ein einziger Anwohnerparkplatz deswegen weggefallen“, sagt sie. Lediglich während der Markierungsarbeiten zur Einrichtung der Umleitung hätten die Anwohner kurzfristig auf ein paar weitere Stellplätze verzichten müssen. Zusätzlich würde Anwohnern angeboten, ihr Fahrzeug in anderen Anwohnerparkzonen abstellen zu dürfen. Auch für jedermann nutzbare Parkflächen mussten reduziert werden. „Das betrifft drei öffentliche Stellplätze“, sagt Stadtsprecherin Eva Mentele.

Ein wenig überrumpelt fühlte sich Oberstudiendirektor Dietmar Stephan von der Einrichtung der neuen Umleitung. Stephan ist Schulleiter des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in der Pestalozzistraße. Die Umleitung führt nun in beiden Fahrtrichtungen an seiner Schule vorbei. „Uns hat niemand vorab davon informiert. Wir sind am Dienstag davon überrascht worden“, sagt er auf SZ-Nachfrage. Er habe per Aushang und einer Belehrung durch die Klassenlehrer alle Schüler über die erhöhte Gefahrensituation durch das nun hohe Verkehrsaufkommen informiert. Bis zu den Sommerferien muss er nun mit dieser Situation leben. Nach den Sommerferien soll die Umleitung bereits wieder aufgehoben sein.

Der Schulleiter lobt die Stadt für ihre Hilfe. „Die Stadt hat die Anfangsphase für uns gut begleitet. Da stand jeden Morgen die Ortspolizei und hat den Verkehr beobachtet“, sagt er. Stadtsprecherin Eva Mentele bestätigt den Einsatz der uniformierten Kräfte. „Solange das notwendig ist, helfen die Kollegen“, sagt sie. Der Einsatz werde aus personellen Gründen aber nicht für die gesamte Zeit der Umleitung aufrechterhalten werden können. Eva Mentele zieht aber eine vorerst positive Bilanz: „Wie man bisher beobachten konnte, nehmen die Verkehrsteilnehmer gegenseitig Rücksicht.“

Den Eindruck hat auch Schulleiter Dietmar Stephan – jedenfalls bei hohem Verkehrsaufkommen. „Dann fahren die Autos hier alle in einem sehr gemäßigten Tempo“, sagt er. Er wünscht sich allerdings, dass auch bei geringem Verkehrsaufkommen die Geschwindigkeit an der Pestalozzistraße kontrolliert wird. „Da kann man jetzt ja das ganze Stück von der Maschinenhausstraße bis zur Ampel an der August-Bebel-Straße überblicken“, sagt der Schulleiter. Er fürchtet, dass dieses Szenario manche zum Rasen auf der sonst wenig befahrenen Straße veranlasst. „Vielleicht könnte man hier eine Zone 30 für die Zeit der Umleitung einrichten“, schlägt er vor.