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Die Umzugshelfer

Das Programm zur 950-Jahr-Feier von Freital-Pesterwitz steht. Höhepunkt ist der Festumzug – mit über 80 Bildern.

© Andreas Weihs

Von Dorit Oehme

Freital. Für eine „Ameise“ wird es sportlich. Der Multicar mit dem offenen Führerstand, der Fußlenkung und dem tierischen Spitznamen war für innerbetriebliche Fahrten bestimmt. Nun hat er eine große Runde durch Pesterwitz vor sich. Für den Festumzug zur 950-Jahr-Feier des ältesten und jüngsten Freitaler Stadtteiles wird der Kleintransporter mit Kohlköpfen beladen. „Sie müssen, wie früher, unbedingt noch ihren Wurzelstrunk haben“, sagt Lars Folde, Chef des Obst- und Weingutes Pesterwitz, der das Umzugskomitee mit Steffen Schütz leitet.

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Vom 7. bis 16. September feiert Pesterwitz seine eher indirekte Ersterwähnung aus dem Jahr 1068. Höhepunkt wird der Festumzug am Abschlusstag sein. „Er ist auf über 80 Schaubilder angewachsen. Jede Gruppe ist für ihr Bild verantwortlich“, betont Folde. Schütz, der auch Vizechef des Pesterwitzer Sportvereins ist, ergänzt: „Wir suchen noch sechs Ordner. Außerdem brauchen wir mehr Helfer und Spenden zur Gestaltung der Bilder.“ Zugpferde, Wagen, Kostüme – vieles sei schon arrangiert. „Wir haben etliche Glücksgriffe gemacht“, verrät Schütz. „Beim Alttraktorentreffen in Somsdorf wollen wir noch Technik gewinnen“, sagt Folde.

Der Festverein „950 Jahre Pesterwitz“ und die anderen Vereine und Institutionen des Ortes wirken am Gesamt-Event mit. „Damit alles leicht und locker über die Bühne geht, bereiten wir das Jubiläum detailliert vor“, sagt Tilo Harder, der Sprecher der Festdekade. Bisher sei viel theoretische Arbeit geleistet worden. Das Sicherheitskonzept mit der Stadt Freital, der Polizei, dem Deutschen Roten Kreuz und den öffentlichen Verkehrsbetrieben steht.

Ortschronist Eberhard Kammer habe schon die Festchronik druckfertig aktualisiert, sagt Tilo Harder. „Das Programm der Festwoche liegt Ende Mai auch für den Druck vor.“ Freitals Oberbürgermeister Uwe Rumberg ist Schirmherr der Dekade. Er eröffnet sie in der Sporthalle des Pesterwitzer SV. Danach ist außen ein buntes Programm mit Disco und Lagerfeuer geplant.

Mit Sportfest und Turnieren geht es an den Folgetagen weiter. „Sonst finden sie im Juni statt“, sagt Steffen Schütz. Beim Umzug sind alle Sektionen dabei, frühere Bergsteiger und Kletterer begleiten sie.

Bei der Baumpflanzaktion mit Schulkindern und Jugendlichen wird ein Zeichen für die Zukunft gesetzt. Dafür wurden Ess-Kastanien gewählt, der Baum des Jahres 2018. Mädchen und Jungen können in der Märchenscheune fünf Tage lang Pesterwitz nachbauen. Verantwortlich für die Aktion ist die Kirchgemeinde. In der St. Jakobuskirche wird bereits am 9. September der Festgottesdienst zur 950-Jahr-Feier mit Sachsens evangelischem Landesbischof Carsten Renzing gefeiert. Am gleichen Tag erklingt dort Bachs h-Moll-Messe mit dem Pesterwitzer Kammerchor.

Das alljährliche Herbst- und Weinfest prägt das zweite Festwochenende. „Für den Aufbau sucht der Kultur-Verein noch Helfer“, sagt Tilo Harder, der den Verein auch leitet. Im Schafstall Pesterwitz auf dem Niederen Hof ist am 8. September schon Tom Quaas mit einem Karl-Valentin-Programm zu Gast. „Ein reichliches Jahrhundert sind die Texte und Szenen alt – das möchte man nicht glauben“, heißt es im Begleittext.

Festbesucher können auch auf dem Geschichts-Rundgang durch den Ort Früheres neu sehen. Für den Umzug wird das Kastell Thorun nachempfunden, das sich um 1200 auf dem Burgwartsberg befand. Gespannt dürfen die Zuschauer auch sein, wie die indirekte Ersterwähnung von Pesterwitz auf der Löbtauer Urkunde von Heinrich IV. aus dem Jahr 1068 inszeniert wird. Genannt wird dort Land eines Gebietes an der Weißeritz – eine sogenannte Burgward, in deren Mittelpunkt eine Burg mit Schutz- und Lehnfunktion stand.

Pesterwitz wurde im Jahr 1311 als
Besterwiz urkundlich erstmals direkt erwähnt. Seit 1999 ist es ein Stadtteil von Freital. Petra Engelmann hat eine Hymne zum Ort geschrieben und intoniert, in der beide Identitäten Platz haben. Der Reiz liegt freilich in dem, was Pesterwitz ausmacht: die Menschen, die Lage, der Weinanbau. Im Festumzug bringt Bischof Benno um 1100 die ersten Reben aus Meißen. Für die große Runde durch Pesterwitz wird die Legende noch einmal wahr.

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