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„Die Unfälle auf der A 4 waren programmiert“

Die Wilsdruffer Spedition Wackler leidet unter der Dauerbaustelle. Deren Chef glaubt aber trotzdem an den Standort.

© Egbert Kamprath

Wilsdruff. Es vergeht keine Woche ohne Unfälle auf dem Autobahnabschnitt zwischen Wilsdruff und Dresden. Fast immer führen diese zu langen Staus. Davon betroffen sind nicht nur die Pendler, sondern auch viele Unternehmen der Region. Dazu gehört auch die Wilsdruffer Niederlassung der Spedition Wackler. Hier arbeitet Markus Hecker. Der 54-jährige Speditionskaufmann stammt aus dem Saarland, ist seit 1991 „Wahlsachse“ und seit 27 Jahren Leiter der Sachsen-Niederlassung von Wackler. Im SZ-Gespräch erklärt er, wie seine Firma mit den Staus umgeht, was diese für den Arbeitsablauf bedeuten und was die Firma in Zukunft vorhat.

Herr Hecker, vor einigen Tagen war ein Fahrzeug Ihrer Spedition in einen Unfall auf der A 4 verwickelt. Der Fahrer wurde schwer verletzt. Wie geht es ihm?

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Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt. Im wunderschönen Elbland kann man Genuss mit allen Sinnen erleben.

Das war ein sehr tragischer Unfall. Es grenzt an ein Wunder, dass der Fahrer überlebt hat. Er hatte sich sämtliche Gliedmaßen gebrochen, lag im künstlichen Koma. Inzwischen haben wir ihn im Krankenhaus besucht. Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er kann schon wieder lachen. Ich gehe davon aus, dass er keinen Lkw mehr steuern wird, weil er in einigen Monaten sowieso in den Ruhestand gehen wollte. Übrigens: Der Fahrer ist nicht direkt bei uns beschäftigt, sondern bei einer unserer Partnerfirmen, die für uns fahren. Wir selbst beschäftigen am Standort Wilsdruff keine Lkw-Fahrer und besitzen hier auch keine eigenen Lastfahrzeuge.

Ihre Spedition arbeitet im Gewerbegebiet Hühndorfer Höhe an der A 4. Von ihrem Verwaltungsgebäude können Sie auf diese Autobahn schauen. Was sagen Sie zur Situation auf dieser Straße?

Gefühlt gibt es da jeden Tag einen Unfall. Das wirkt sich sehr nachteilig auf unser Geschäft aus, aber auch auf die anderen Logistikunternehmen in unserer Nachbarschaft. Weil die Fahrer bei Unfällen in der Regel eine Stunde später als geplant auf unserem Hof einfahren, beeinträchtigt das unseren Arbeitsrhythmus. Denn bei uns wird die Fracht umgeladen. Wir sind eine Art Drehscheibe. Bei uns kommen Waren und Güter aus der ganzen EU und von den Hochseehäfen an. Hier werden sie umgeladen und in die Region gebracht. Waren und Güter aus der Region wiederum gehen von hier aus auf ihre Reise in andere Regionen, ins EU-Ausland und zu den Hochseehäfen. Wenn sich die Übergaben verzögern, führt das zu Überstunden und zu Frust bei unseren Mitarbeitern und den Kraftfahrern. Und weil bei Unfällen der Verkehr auf die Nebenstraßen ausweicht, schleichen sich Lkws und Autos durch die Ortschaften. Das nervt deren Bewohner. Ich kann das gut nachvollziehen, weil ich auch selbst betroffen bin. Das ist keine schöne Situation.

Wer ist Ihrer Meinung nach für die Staus verantwortlich?

Der Bund. Er ist für den Straßenbau und seine Finanzierung zuständig. Es war logisch, dass nach der Osterweiterung der Europäischen Union die Märkte zusammenwachsen und damit der Verkehr zunehmen wird. Und das geschah ganz massiv in den letzten zwei, drei Jahren. Und es ist klar, dass so eine stark befahrene Straße wie die A 4 immer wieder repariert werden muss. Dass es bei einer Baustelle, die fast ein Jahr dauert und bei der Tempo 60 vorgeschrieben ist, zu Unfällen kommt, war doch vorprogrammiert.

Haben Sie versucht, Einfluss auf die Politik zu nehmen?

Wir selbst nicht. Aber unser Bürgermeister und der Landrat haben schon zeitig versucht, die Verantwortlichen beim Bund darauf hinzuweisen. Auch Minister Wöller kennt das Anliegen, die A 4 achtspurig zwischen den Dreiecken Nossen und Dresden-Nord auszubauen. Doch leider hat man das beim Bund anders gesehen, denn zwischenzeitlich war der achtspurige Ausbau kein Thema mehr. Jetzt ist er im Bundesverkehrswegeplan. Doch nach unserer Erfahrung wird es sehr lange dauern, bis dieser Ausbau realisiert wird. Ich rechne damit, dass bis dahin 15 bis 20 Jahren vergehen werden. Dann bin ich schon in Rente.

Haben Sie errechnet, wie sich die letzten Staus auf der A 4 und der A 17 finanziell auf Ihre Firma ausgewirkt haben?

Nein, das haben wir nicht.

Die Lage auf der Autobahn wird nicht besser werden. Sehen Sie Alternativen?

Nein. Wir müssen das durchstehen. Eine Verlagerung der Transporte auf die Schiene oder die Wasserschifffahrt ist für uns keine Option. Damit wären wir nicht so flexibel. Und die Verlegung der Spedition an einen anderen Ort ist auch kein Thema. Von Nossen aus zum Beispiel ist die Situation auch nicht besser. Außerdem sind in den Standort Wilsdruff in den letzten zehn Jahren über 20 Millionen Euro geflossen. So etwas gibt man nicht so leichtfertig auf. Viele unserer Kunden in Westpolen schätzen unseren Standort. Sie wollen eine Anbindung an ein deutsches Logistiknetz, welches nah an Polen und Tschechien grenzt. In diesen Ländern sind die Produktionskosten immer noch niedriger als in Deutschland.

Wie läuft Ihr Geschäft?

Trotz aller Probleme sind wir zufrieden. Deshalb planen wir eine zweite Erweiterung in Wilsdruff. Wir wollen ein 17 000 Quadratmeter großes Gefahrgutlager errichten. Dort wollen wir für unsere Kunden aus der chemischen Industrie tätig werden.

Gefahrgut klingt gefährlich. Was werden Sie dort lagern?

Das geht mit Spraydosen los. Weil der Inhalt als leicht entzündlich eingestuft wird, gelten die Dosen als gefährlich. Wir wollen aber auch Chemikalien lagern.

Wann soll der Bau beginnen?

Wir warten noch auf die Baugenehmigung. Liegt diese vor, wollen wir mit dem Tiefbau beginnen. Unser Plan ist, die Halle im Sommer 2019 einzuweihen. Das wird aber nur funktionieren, wenn das Wetter mitspielt, das heißt, wenn es keinen allzu langen Winter gibt.

Schaffen Sie damit auch Arbeitsplätze?

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Der Wilsdruffer Wackler-Niederlassungsleiter Markus Hecker sagt, wie die Spedition bisher durch die Krise kam. Und er hat auch eine Prognose.

Ja. Wenn die Halle steht, wollen wir unser Personal aufstocken. Zurzeit beschäftigen wir 220 Mitarbeiter am Standort Wilsdruff. Mit der Erweiterung wollen wir zwischen 30 und 40 neue Leute einstellen. Wir hoffen, dass wir die finden. Denn der Speditionsbranche geht es wie anderen Branchen. Wir finden schwer Nachwuchs, sowohl für die Arbeit im Lager als auch im kaufmännischen Bereich.

Das Gespräch führte Maik Brückner.