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Die uns Mut machen will

Eva Menasse hält am Donnerstag die 4. Kamenzer Rede in der St. Annen Kirche. Sie warnt und sagt doch: „Fürchtet euch nicht!“ Wie geht das zusammen?

© Jürgen Bauer

Von Frank Oehl

Kamenz. Die in Wien geborene Schriftstellerin Eva Menasse ist im intellektuell-kreativen Diskurs in der Berliner Republik eine angesagte Größe. Und dies nicht nur, weil sie seit bald 15 Jahren an der Spree lebt und arbeitet. Sie hat sich einen Namen gemacht als gesellschaftlich engagierte Autorin, die das geschriebene, wie das gesprochene Wort gleichermaßen hoch hält. Im Oktober wird sie in der Paulskirche in Frankfurt am Main eine gewiss vielbeachtete Laudatio zur Verleihung des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels halten. „Diese Rede ist mir geradezu aus der Feder geflossen, weil sie für Margaret Atwood ist, eine meiner Lieblingsautorinnen. Der Text für die St. Annen Kirche ist mir deutlich schwerer gefallen.“ Das liegt am Gegenstand, der auch im besonderen Anspruch der Kamenzer „Kanzelreden“ begründet ist, wie die 47-Jährige weiß. „Ich habe alle bisherigen Reden gelesen und nehme deren Grundfrage auf: Was treibt mich derzeit am meisten um?“

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Das wird schon vom Titel her deutlich: „Fürchtet euch nicht! Versuch über unsere Ängste“. Dabei gehe es vor allem um eine Zeitdiagnostik, die auf durchaus heikle Entwicklungen verweist. „Auf der einen Seite fällt es uns immer schwerer, miteinander persönlich zu werden. Und auf der anderen Seite ist da dieses unglaubliche Gebrüll im Internet.“ Eva Menasse sieht eine „verunsicherte“ Gesellschaft, „die am Netz hängt“, während das Gespräch von Mensch zu Mensch auf der Strecke bleibe. Natürlich könne man die digitale Entwicklung nicht zurückdrehen, aber über die damit verbundenen Gefahren müsse man schon reden. Gewiss auch in Kamenz und bestimmt auch im Namen von Lessing. Weil der Geist der Aufklärung ja doch über allem stehe. „Wie kann ich durch die genaue Anschauung eines Problems im Diskurs mit anderen zu größerer Klarheit kommen?“ Diesem Prinzip sind die Kamenzer Reden von Anfang an unterworfen. Nach dem Vortrag an diesem Donnerstag ab 19 Uhr in der St. Annen Kirche gibt es zunächst wieder das Zwiegespräch mit dem Literaturexperten Michael Hametner, das schließlich in einem Austausch mit den Besuchern mündet. „Ich freue mich darauf. Ich diskutierte ausgesprochen gern mit Publikum“, sagt Eva Menasse. Sehr gern gibt sie übrigens auch Einblicke in ihr kreatives Instrumentarium, wenn es gewünscht wird. Besonders bemerkenswert ist in dieser Hinsicht ihr jüngstes Buch „Tiere für Fortgeschrittene“ mit acht Kurzgeschichten. Der Anlass für jede einzelne war eine Internet- oder Pressemeldung, die vorangestellt wird, und in der Tiere im Mittelpunkt stehen, aber natürlich nur in Beziehung zum Menschen und dessen Verhaltensweisen. Da geht es um Raupen, die sich ihr eigenes Grab schaufeln, Schafe, die ihre Wolle von selbst abwerfen oder Haie, die halluzinieren, weil die Sauerstoffanlage des Aquariums defekt ist. Die tragischen wie kuriosen Nachrichten haben Eva Menasse „angefixt“, wie sie selbst sagt, zu anrührenden Menschengeschichten. Die Besucher in der St. Annen Kirche können davon ausgehen, dass die Schriftstellerin gewiss ihre aktuelle Erscheinung zum Erwerb und zum Signieren dabei hat. Sie hat schon mehrere Preise für ihre Werke erhalten und war 2015 Stipendiatin der Villa Massimo in Rom.

Karten für die Veranstaltung am 21. September, 19 Uhr, in der St. Annen gibt es für 5 Euro in der Kamenz-Info.