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Die verschollene Bank

Rund 100 Jahre stand das Unikat am Wanderweg von Kreischa zum Wilisch. Nun ist es weg.

© Stephan Klingbeil

Von Stephan Klingbeil

Kreischa. Weg ist sie. Teile der rund einhundert Jahre alten Bank aus Gusseisen am verlängerten Pfarrweg in Kreischa waren schon im vergangenen Winter abmontiert. Inzwischen ist sie allerdings komplett verschwunden. Viele Jahrzehnte lang stand die schattige Sitzgelegenheit, die viele Einwohner nur unter dem Namen „Preuskers Ruh“ kennen, am Panoramaweg zwischen Kreischa und Hermsdorf am Wilisch.

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Viele Jahrzehnte lang stand die alte Bank, die viele Einwohner unter dem Namen „Preuskers Ruh“ kennen, am Panoramaweg zwischen Kreischa und Hermsdorf am Wilisch. Womöglich wurde ein Teil des Gestells gestohlen.
Viele Jahrzehnte lang stand die alte Bank, die viele Einwohner unter dem Namen „Preuskers Ruh“ kennen, am Panoramaweg zwischen Kreischa und Hermsdorf am Wilisch. Womöglich wurde ein Teil des Gestells gestohlen. © Stephan Klingbeil

Der Wanderweg ist beliebt. Der Ausblick ist schön, beim gegenüberliegenden „Schallbusch“ kann man sein Echo hören. Außerdem schlängelt sich nur ein paar Meter weiter der momentan allerdings ausgetrocknete kleine Bach am „Scheingraben“ durch den Forst, gleich an der alten Hindenburgbrücke. Viele Wanderer schätzen die Strecke – und auch die gusseiserne Bank am Eingang zum Wald: Zum Abkühlen, rasten und entspannen. Jetzt erinnert nur noch das versandete alte Betonfundament an das einstige Unikat.

Schon in der ersten Jahreshälfte fehlte ein Teil der alten Bank. Das hatte Gründe. Als das Sturmtief Herwart im vergangenen Oktober durch Sachsens Wälder fegte und allein der Kreischaer Feuerwehr an fast 30 Einsatzstellen zu schaffen machte, waren auch mehrere Bäume entlang des Panoramawegs beschädigt. So etwa auch ein Baum, der direkt an „Preuskers Ruh“ stand. Ein großer Ast hing dort herunter.

Der Kreischaer Gemeinderat Uwe Milde (FBK) aus dem Ortsteil Lungkwitz und weitere Helfer, die sich hin und wieder auf Anfrage der Kirchgemeinde um Holzernte und Beräumung im Wald der Kirche dort kümmern, entfernten infolge des Sturmtiefs auch jenen Ast. Doch das Vorhaben lief anders als erhofft – und der Ast stürzte versehentlich auf die Bank. Die ohnehin schon maroden Bretter der Sitzgelegenheit brachen. Und ein Teil des Bank-Gestells war hinüber.

„Da war für mich klar, dass ich das wieder repariere und das wieder in Ordnung bringe“, erklärt Milde. Der Chef eines Ingenieurbüros für Elektrotechnik ist auch Holzwärter. Im Januar entfernte der Lungkwitzer dann die nahezu 40 Kilogramm schwere gebrochene alte Bankhalterung aus Gusseisen. Er trennte dabei mit einem Trennschleifer die beiden Bolzen, mit denen das Gestell im Betonfundament befestigt waren. Während er die andere, unversehrte Bankhälfte zurückließ, nahm er das schwere Teil mit in seine Werkstatt.

Zusammen mit der Firma Kühne aus Kreischa wurde versucht, das kaputte Bankteil zu schweißen. Das klappte nicht. So wurden Schienen über der Bruchstelle montiert und ein spezieller Lack aufgetragen. Das Ergebnis lässt sich durchaus sehen. Der Belag sollte zudem mit robusten Lärchenholz wieder hergestellt werden. Vor wenigen Tagen fuhr er zurück in den Kirchenwald, und wollte die reparierten Teile befestigen. „Doch da war nichts mehr da“, wundert sich Milde noch immer. „Vielleicht hat sich jemande gedacht, er nimmt das doch schöne Gestellteil mit für den Eigengebrauch oder sichert es. Vielleicht wurde es aber auch gestohlen, um das Gusseisen zu Geld zu machen.“

Deshalb war er auch beim Schrotthändler. Die konnten ihm nicht weiterhelfen. Auch der Bauhof habe mit dem Verschwinden nichts zu tun gehabt.

„Egal, wer das Teil abmontiert hat, er muss extra über den Wanderweg in den Wald gefahren sein und einen Trennschleifer dabei gehabt haben“, so Milde. Adäquaten Ersatz für das gusseiserne Unikat zu finden, sei schwer. Er hofft nun darauf, dass sich der verschollene Gestellteil der Bank vielleicht doch wiederfindet oder dass es ein Wanderfreund vielleicht gesichert hat.

Wer etwas über das Verschwinden des Gestellteils von der alten Bank weiß, kann sich beim Bauhof der Gemeinde Kreischa melden unter 035206 21811.