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Die wahre Helfe-Elfe

Kinderbuchautor Michael Oertel stellte in Großenhain das zweite Abenteuer der Elfe Magda vor. Namenspatin ist seine behinderte Tochter.

© Anne Hübschmann

Von Jörg Richter

Großenhain. Große Abwechslung für die Erstklässler der 1. Grundschule. Heute müssen sie nicht die Schulbank drücken und stillsitzen. Heute dürfen sie auch mal zappeln, wackeln und Süßigkeiten naschen. Ihre Klassenleiterinnen haben den Unterricht in die Karl-Preusker-Bibliothek verlegt. Ganz zur Freude der Kinder, die nichts weiter zu tun brauchen, als ein Märchen anzuhören.

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Das wird von dessen Erfinder Michael Oertel vorgelesen. Wann hat man schon mal die Gelegenheit, einem echten Märchenmacher zu lauschen? Zuhause sind es entweder Mama oder Papa, die Geschichten von Rittern, Prinzessinnen und Zwergen erzählen. Hier also der Buchautor höchstpersönlich.

Oertel hat sich die Geschichten von der Helfe-Elfe Magda ausgedacht. In Großenhain präsentiert der 49-Jährige erstmals ihr zweites Abenteuer. Nicht ohne Grund. Denn darin kommt ein amerikanischer Tankstellerwärter namens Great Hainer vor, dessen Oma Walpurga aus Großenhain stammt. „Etwas Autobiografisches steckt in jedem Werk eines Schriftstellers“, sagt Oertel, als die Kinder wieder in der Schule sind. Das habe er mal irgendwo gelesen.

Und tatsächlich: Oertel ist in Großenhain geboren, hat hier feste Wurzeln, die den Wahl-Leipziger immer wieder zurückführen. Sein Großvater war Herbert Gadsch, der hier lange Zeit als Kantor und Komponist wirkte. „Bis zu seinem Tod 2011 war ich regelmäßig zwei- bis dreimal pro Jahr in Großenhain“, erzählt Oertel.

Hommage an die Heimatstadt

Die Märchenfiguren Great Hainer und dessen Oma Walpurga sind eine Hommage an seine Heimatstadt. Doch das ist nicht die einzige Verbindung in seinem neuen Kinderbuch zu seinem eigenen Leben. Seine jüngste Tochter Magdalena ist die Namenspatin seiner Heldin, der Helfe-Elfe Magda.

Magdalena ist von Geburt an schwerst behindert und mittlerweile 22 Jahre alt. „Die Ärzte haben ihr nicht mal ein Jahr gegeben“, erzählt Michael Oertel und ist froh, dass sie sich geirrt haben. „Denn sie ist für mich ein großes Wunder!“ Obwohl seine Tochter selbst auf Hilfe angewiesen ist, liebe sie es, anderen Menschen zu helfen. „Helfe“ sei eines der wenigen Wörter, die Magdalena aussprechen könne. „Daraus ist dann die Helfe-Elfe Magda entstanden“, sagt Oertel, der seine Brötchen nicht als Schriftsteller, sondern als Mitarbeiter an der Hochschule für Technik, Wirtschaft und Kultur Leipzig verdient. Die Idee zum ersten Magda-Abenteuer kam ihm vor etwa sechs, sieben Jahren, als Magdalena zu einer Reha-Kur fuhr. Er schrieb ihr Briefe mit den Geschichten von der Helfe-Elfe, die seine Frau Ute der Tochter vorlas.

Bis dahin hatte Michael Oertel erst zwei Bücher geschrieben, die nicht als Kinderbücher taugen. Sein Erstlingswerk „Das Tagebuch eines Depressiven“ (2009 erschienen) fand dort, wo er es vorstellte, durchaus enorme Beachtung. Vielleicht auch deshalb, weil er sich darin mit Humor diesem ernsten Thema nähert. Ärzte und Betroffene hätten ihm bestätigt, dass dieses Buch mit seinen witzigen Pointen die beste Therapie für depressive Menschen sei. Die erwachsenen Zuhörer der zweiten Lesung am Abend in Großenhain konnten sich darüber selbst ein Urteil bilden.

Acht Bücher, darunter auch heitere Sprüchesammlungen, hat Oertel mittlerweile geschrieben. Mit seinem Neuling „Die Helfe-Elfe Magda in den Rocky Mountains“ will er im September zu seiner ersten mehrwöchigen Lesetour starten.