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Plötzlich Leseratten

Im vergangenen Jahr gab es 67 Prozent mehr Neuanmeldungen in der Bibo. Mit diesem Ansturm hatte niemand gerechnet.

Delia Schmidt leitet die Weinböhlaer Bibliothek und freut sich, dass es seit dem Umzug in den Zentralgasthof deutlich mehr Neuanmeldungen gibt. © Arvid Müller

Weinböhla. Seit fast genau einem Jahr sitzt die Bibliothek im zweiten Obergeschoss des Zentralgasthofs. Und seitdem haben die Leiterin Delia Schmidt und ihre Kollegin Kathrin Kohler-Thomas alle Hände voll zu tun. 

Zu zweit ist die Arbeit kaum noch zu schaffen. Denn in den vergangenen Monaten sind die Weinböhlaer zu richtigen Leseratten geworden. 67 Prozent mehr Neuanmeldungen und 16 Prozent mehr Entleihungen gab es seit dem Umzug. Rund 1.200 aktive Leser zählt die Bibliothek aktuell. 

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„So einen Ansturm hatten wir noch nie“, sagt Delia Schmidt, die die Bibliothek seit 2016 leitet. Und Neuanmeldungen gibt es auch jetzt noch viele. Manchmal fünf an einem Tag. „Dabei dachte ich, das ebbt mal ab“, gibt Delia Schmidt zu, die sich über den Erfolg aber natürlich freut. 

Bei all der Vorfreude auf die neuen Räume war sie anfangs etwas skeptisch, ob die Lage im zweiten Obergeschoss einige Nutzer nicht auch abschrecken könnte. Aber dafür gibt es ja den Fahrstuhl.

Auf 320 Quadratmetern ist nun deutlich mehr Platz als vorher. Im hinteren Bereich ist ein ganzer Raum mit Kinderbüchern gefüllt. Dazu gibt es eine gemütliche Leseecke und ein Podest, auf dem eine ganze Schulklasse Platz findet. Die Bilderbücher sind in der Bibo-Statistik auch der Renner, wie Delia Schmidt sagt. Reichlich 30 Prozent sind die Entleihungen bei Kinderbüchern gestiegen, was diese schneller verschleißen lässt.

Die Frauen würden vor allem mehrteilige Familiensagas ausleihen. Ein Dauerrenner sei die Trilogie von Sabine Ebert. „Da gibt es eine Warteliste.“ Aus Kostengründen steht von jedem Buch nur ein Exemplar im Regal. Die Männer schnappen sich meist Thriller oder historische Romane. „Es wird auch mehr Sachliteratur ausgeliehen“, sagt Delia Schmidt. Einfach weil sie in den neuen Räumen besser präsentiert wird.

Den beliebtesten Büchern sieht man auch schnell an, dass sie durch viele Hände gegangen sind. „Die müssen wir relativ schnell wegwerfen.“ Ausgemistet werden die Regale jedes Jahr. Knapp 16.000 Bücher, CDs und Hörbücher gibt es. Wenn ein neues Buch kommt, muss ein altes weg. „Wir wollen nichts anhäufen“, erklärt Delia Schmidt. 

Deshalb sind Buchspenden nur unter bestimmten Bedingungen gewünscht: „Es sollten neue Bücher sein, die der Leser einfach nicht zu Hause im Regal verstauben lassen will. Dann freuen wir uns.“ Dachboden- oder Kellerfunde oder gar ganze private Sammlungen kann die Bibliothek nicht aufnehmen.

Bei Neuanschaffungen spielt die Bestsellerliste natürlich eine Rolle. Aber die Bibliothekarinnen verlassen sich nicht allein darauf, lesen Rezensionen in Fachzeitschriften und entscheiden dann. Nur Mainstream soll es auch nicht sein. „Wir picken auch gern Sachen von unbekannten Autoren aus, wo nicht gleich jeder drauf kommt.“

Die Wünsche der Leser werden zwar auch berücksichtigt. „Aber ein gewisses Niveau muss gewahrt werden“, betont Delia Schmidt. Daniela Katzenberger oder Verena Poth werden es deshalb nicht in die Bibliothek schaffen.

Seit dem Umzug können auch Lesungen organisiert werden. Dafür gibt es einen Veranstaltungsraum in der dritten Etage. Die ersten beiden Abende waren sehr gut besucht.

Die nächste Autorenlesung mit Diashow ist für den 19. März geplant. Ab 19 Uhr liest Constanze John aus ihrem Buch „40 Tage Georgien“. Der Eintritt ist frei.