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Die Wespenfrau

Reni Tackmann aus Neugersdorf wird geholt, wenn Wespennester die Grundstückseigentümer verunsichern. Sie ist viel gefragt.

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Von Constanze Junghanß

Reni Tackmann schlüpft wieder in den Anzug. Der ist aus besonders derbem Leinenstoff. Ganzkörperschutz vom Fuß bis zum Kopf. Dazu feste Lederhandschuhe. Durch die Gaze vor Nase und Augen ist das Sichtfeld der 36-Jährigen etwas eingeschränkt. Anders geht es nicht: Reni Tackmann ist Schädlingsbekämpferin. Da hat sie es manchmal mit aggressiven Winzlingen zu tun. Vor allem jetzt. Momentan steht das Telefon kaum still, mehrere Anrufe täglich hat sie wegen den Plagegeistern. Wespen haben Hochkonjunktur. „Das ging dieses Jahr auch zeitiger los als sonst“, sagt die Neugersdorferin. Statt ab August kamen die Insekten bereits Ende Juni. Woran das liegt? Der milde Winter sei daran schuld. „Dadurch überlebten besonders viele Jungköniginnen.“ Das nachfolgende Frühjahr mit den für Wespen idealen Temperaturen gab sein Übriges. Sie vermehrten sich rasant. Kein Wunder, dass die Expertin nun oft gefragt ist. Ausrücken musste sie unter anderem in die Oppacher Gemeindeverwaltung, den Kindergarten „Hüpfburg“ Neugersdorf und zu vielen Privatpersonen.

Wespennester im Rasen, auf Dachböden, Terrassen oder sogar Zwischenwänden sind unangenehm. Dazu kommt: Marmeladenbrötchen sind vor ihnen ebenso nicht sicher, wie die Leberwurstschnitte oder der Apfelsaft: Die gelbschwarz gestreiften Insekten bedienen sich gern am Essenstisch. Das Problem ist, dass Wespen stechen können – und das tut weh. Gefährlich kann ein solcher Stich vor allem für Allergiker und im Gesichtsbereich werden.

Reni Tackmann, die nach ihrem Meisterabschluss als Gebäudereinigerin die Schulbank drückte und in München eine Ausbildung zur Schädlingsbekämpferin machte, kennt sich mit den Wespen bestens aus. „Nicht alle Arten dürfen einfach so entfernt werden“, sagt sie. Deshalb steht bei ihrem ersten Besichtigungstermin vor Ort die Bestimmung an. Handelt es sich um die Arten Deutsche oder Gemeine Wespe, können diese beseitigt werden. Mit Gas beziehungsweise einem Spezialpuder wird das Nest dann abgetötet. Sind die Insekten gestorben, kommen Nest samt Wespen in einen Behälter. Der wird bei einem regionalen Müllentsorgungsbetrieb abgegeben und verbrannt. „Es gibt aber auch geschützte Wespenarten, wie die Sächsische Wespe, die etwas kleiner ist, als die beiden anderen“, erklärt die Fachfrau.

Manche Kunden verwechselten zudem Wespen mit Hornissen. Die großen Brummer stehen jedoch unter Naturschutz. In solchen Fällen bleibt den Betroffenen nur die Information an die Naturschutzbehörde des Landkreises. Die wiederum prüfe vor Ort, ob eine Umsiedlung des Nestes in Betracht gezogen werden kann. Umsiedlungen selbst nimmt Reni Tackmann nicht vor. Die wären sehr zeitintensiv und aufwendig. „Über das Landratsamt kann aber ein entsprechender Experte vermittelt werden.“ Dass ein Spezialist herangezogen wird, sei wichtig. „Allein sollte man ein Wespennest nicht entfernen“, sagt sie. Einerseits sei die Stechgefahr dann groß. Selbst sie wurde trotz Schutzkleidung schon ab und an gestochen. Wer auf den Gedanken kommt, ein Nest abzufackeln, bringe sich und andere in Gefahr. Schlimmstenfalls kommt es zum Gebäudebrand. Auch das Einflugsloch mit Bauschaum abzudichten nütze nichts. „Die Wespen fressen sich da durch.“ Was bleibt, ist entweder der Griff zum Telefonhörer und das Hinzuziehen eines Experten oder abwarten: Üblicherweise endet die Lebenszeit der „Arbeiterwespen“ im Oktober.