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Die wetterfühlige Orgel

Das Instrument in der Kirche von Mikulasovice ist eine Rarität mit Eigenheiten. Trockene Sommer wie 2018 tun ihr nicht gut.

Von Steffen Neumann

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Patrik Engler scheint in sich versunken, wenn er auf der Orgel in der Nikolaikirche im tschechischen Mikulasovice (Nixdorf) spielt. „Das ist meine liebste Orgel“, gesteht er. Als Organist der Pfarrgemeinde Dolní Poustevna (Niedereinsiedel) hat er eine Handvoll Orgeln zu bedienen, denn zur Gemeinde gehört nicht nur Mikulasovice, sondern auch noch weitere Orte in der Umgebung. Immerhin, jede Kirche hat ihre Orgel, doch für Engler ist keine so besonders wie die in Mikulasovice, und das gleich aus mehreren Gründen.

„Die Orgel in Šluknov (Schluckenau) ist zwar noch größer, aber keine Orgel hat so weiche Töne, wie diese hier.“ Das kommt von den Registern, die noch „romantisch gestimmt sind“, wie Roman Klinger erklärt, der sich im Ort um die Orgel kümmert. Insgesamt hat das Instrument fast 2 200 Pfeifen und 36 Register. Und noch eine Besonderheit hat diese 1901 von der Firma Rieger aus Krnov (Jägerndorf) gebaute Orgel. Sie ist mit einer pneumatischen Traktur ausgestattet. Von den Tasten und Registern führen dünne Bleiröhrchen vom Spieltisch zum Orgelprospekt. Die Luft darin löst bei Betätigung Hebel und Ventile aus und bringt so die Pfeifen zum Klingen. Im Unterschied zur mechanischen Traktur schlägt der Ton unmittelbarer an. Engler führt den Effekt vor. Seine Finger gleiten über die Tasten und scheinen sie kaum zu berühren. „Das kommt von der pneumatischen Traktur, sie spielt sich ganz leicht.“

Doch so eine Traktur hat laut Roman Klinger einen großen Nachteil: „Sie ist von der Temperatur und der Feuchtigkeit abhängig.“ Perfekt ist feuchtes und kühles Klima. Große Trockenheit wie diesen Sommer ist schlecht für eine Orgel wie jene in Mikulasovice. Je trockener, desto weniger Töne erklingen. „Oder es entstehen unliebsame Nebengeräusche“, weiß Klinger. Er kommt möglichst jeden Tag in die Kirche. Denn der Orgelbauer hat ihm gesagt, dass eine Orgel jeden Tag gespielt werden muss, damit sie nicht kaputtgeht.

Die Orgel war lange in einem schlechten Zustand. Heimatvertriebene Deutsche stießen die Restaurierung an und unterstützten sie finanziell. Es gelang, 40 000 Euro bei Kulturministerium und Deutsch-Tschechischem Zukunftsfonds aufzutreiben. Die breite Öffentlichkeit weiß noch zu wenig von der Orgel, so Klinger. Aber Organisten würde die Orgel am liebsten mit nach Prag nehmen, weil es dort kaum noch historische Orgeln gebe.