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Die Wirtschaft im Landkreis boomt

Über 77 Millionen Euro haben die Firmen im vergangenen Jahr investiert, mehr als 100 Arbeitsplätze werden geschaffen.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

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33 Frauen und 242 Männer sind unter den frisch gebackenen Meisterabsolventen der Handwerkskammer Dresden und damit Aushängeschild der „Wirtschaftsmacht von nebenan“.

Meißen. Mehr als acht Millionen Euro. Es ist eine gewaltige Hausnummer, die in diesem Jahr im Landkreis Meißen investiert wird – ganz ohne Fördermittel und von einer einzigen Firma. Die Elbtal-Tiefkühlkost in der Lommatzscher Pflege, die seit 1990 zur Frosta AG in Bremerhaven gehört, verwendet das Geld für eine neue Produktionslinie, die zum 1. September an den Start gehen soll. „Es geht um Gemüsemischungen für Supermärkte in ganz Europa, die hier abgepackt werden“, erklärt Werksleiter Axel Böhme. Dafür sucht das Unternehmen gleich 40 neue Mitarbeiter im Drei-Schicht-Betrieb, welche die hochtechnologisierten Anlagen bedienen sollen.

Die Elbtal-Tiefkühlkost ist nur ein Beispiel für Unternehmen, die in diesem Jahr kräftig im Landkreis Meißen investieren werden. Sascha Dienel, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Region Meißen, spricht von 42 Maßnahmen, für die noch im vergangenen Jahr Förderanträge bei der Sächsischen Aufbaubank (SAB) eingereicht wurden. „Das war eine beachtliche Zahl“, so Dienel. Der Boom ist dadurch zu erklären, dass die Förderung um fünf Prozentpunkte gesunken ist: Gab es im vergangenen Jahr noch 35 Prozent Förderung, sind es 2018 nur noch 30 Prozent.

Das bescherte auch der Wirtschaft im Landkreis einen kräftigen Boom. Die Unternehmen werden das Geld in Höhe von insgesamt rund 77 Millionen Euro zum Beispiel nutzen, um neue Maschinen zu erwerben oder Hallen zu bauen. Im Gegenzug versprechen sie, mindestens einen neuen Arbeitsplatz zu schaffen und bestehende zu sichern.

Weniger Arbeitslose

109 Arbeitsplätze entstehen dadurch in diesem Jahr neu, hat Sascha Dienel ausgerechnet. Mehr als 1 000 bleiben außerdem für die nächsten fünf Jahre erhalten. Zahlen, die sogar noch zu tief angesetzt sind, denn die GRW-Förderung zur Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur der SAB gibt es meist nur für kleine und mittlere Unternehmen. „Großunternehmen sind also gar nicht erfasst“, erklärt Dienel. „Die werden nur noch gefördert, wenn sie sich neu ansiedeln oder neue Produkte herstellen.“ Die Wirtschaftsförderung hat daher keine Informationen, was die großen Firmen wie Wacker Chemie in Nünchritz oder KBA in Radebeul investieren.

Fest steht aber, dass sie investieren– „jedes Jahr gewaltige Summen“, wie Dienel weiß. Als Beispiel nennt er Feralpi in Riesa. So würden ebenfalls viele Arbeitsplätze neu geschaffen.

Was den Wirtschaftsboom im Landkreis bestätigt, sind Zahlen der Bundesagentur für Arbeit: Im Januar gab es im Landkreis genau 8 147 Arbeitslose – 1 216 weniger als im Vorjahresmonat. Die Arbeitslosenquote sinkt seit Jahren und liegt derzeit nur noch bei 6,5 Prozent. Das sind 0,9 Prozent weniger als im Januar 2017.

Was die Arbeitnehmer freut, macht den Firmen Sorgen. „Wir merken, dass es zunehmend schwieriger wird, Fachstellen zu besetzen“, sagt Sascha Dienel. Die Unternehmen müssten möglicherweise schauen, ob Bewerber das Potenzial mitbringen, sich in eine Stelle einzuarbeiten.

So will das auch die Elbtal-Tiefkühlkost in Lommatzsch handhaben. Werksleiter Axel Böhme weiß, dass Arbeitskräfte in der Region schwer zu bekommen sind und nicht jeder im Schicht-Modus arbeiten möchte. Am 27. und 28. Februar soll es deshalb jeweils einen Bewerbertag in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur und dem Jobcenter geben. „Neue Mitarbeiter werden wir dann auch entsprechend den Bedürfnissen der neuen Produktionslinie qualifizieren“, sagt Böhme.

Denn ein Standortwechsel ist für das Unternehmen ausgeschlossen. „Es gibt ja einen guten Grund, dass wir in diesem Jahr schon seit 99 Jahren an diesem Standort, auf den guten Böden der Lommatzscher Pflege sind“, sagt Böhme. „Hier gibt es einfach die besten Anbaubedingungen für das Gemüse, das wir verarbeiten.“