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Die Wut der sächsischen Winzer

In der sächsischen Winzerschaft rumort es. Vor allem Mitglieder mit kleineren Flächen fühlen sich vom Weinbauverband überhaupt nicht vertreten.

© Claudia Hübschmann

Von Dominique Bielmeier

Es war eine kurze Mitteilung, die mehr Fragen hinterließ, als Antworten zu geben: Am Dienstagvormittag erklärte der Weinbauverband Sachsen in einer E-Mail überraschend, dass sein Vorstand am 2. Mai geschlossen sein Amt niederlegen werde. Dies geschehe „nach den Diskussionen der letzten Tage und Monate sowie den daraus resultierenden Missverständnissen innerhalb der sächsischen Winzerschaft“.

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Eine genauere Erklärung dazu blieb der Verband schuldig. Ein Gespräch mit der SZ über die Hintergründe lehnte der Vorstand am Mittwoch ab. Auf Anfrage erklärte Michael Thomas nur: „Mit unserem Rücktritt wollen wir den Weg für einen Neuanfang frei machen und den Blick nach vorn richten.“ Der Marketingleiter von Schloss Wackerbarth ist im Verband neben dem Radebeuler Winzer Frédéric Fourré Stellvertreter. Vorsitzender ist der Immobiliensachverständige Lars Klitzsch. Der neue Vorstand ist erst seit gut einem Jahr im Amt.

In der sächsischen Winzerschaft rumort es jedoch schon länger. Nach den Funden des im Weinbau verbotenen Pflanzenschutzmittels Dimethoat bei mehreren Winzern trat die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen (WG) 2016 aus dem Verband aus. Ein Zusammenhang mit dem jetzigen Rücktritt des Vorstands könne daraus nicht geschlossen werden, teilte Geschäftsführer Lutz Krüger am Mittwoch mit. Nach seiner Kenntnis habe es „auch nach 2016 weitere Unstimmigkeiten, Austritte sowie Austrittsankündigungen aus dem Verband gegeben“. Das bestätigte Michael Thomas schon im Januar in einem SZ-Interview. Er nannte acht Austritte und sieben neue Mitgliedschaften für 2017. Dahinter steckten „unterschiedliche Beweggründe“, so Thomas am Mittwoch gegenüber der SZ.

Ein möglicher Grund: Viele Hobby-Winzer fühlten sich von einer Aussage des Vorstandsvorsitzenden Lars Klitzsch in der SZ von Mitte April 2017 vor den Kopf gestoßen. Darin wurde der neu gewählte Vorsitzende zitiert mit der Aussage: „In dieser Zeit ist es ganz schwierig zu sagen, dass man Hobbywinzer ist. Denn Lebensmittel – Wein – und Hobby passen meiner Meinung nach nicht zusammen.“ Nicht nur WG-Chef Krüger sah darin damals eine „Generalverurteilung der Hobbywinzer“.

Noch immer hört man von sächsischen Weinbauern, dass vor allem die kleineren Winzer von der Arbeit des Vorstands enttäuscht seien. Bei der letzten Sitzung im März seien dann die Emotionen hochgekocht, der Chef einer Weinbaugemeinschaft aus dem Landkreis Meißen habe irgendwann gesagt, „Ich weiß gar nicht, wie lange ich mir das noch anschauen soll“.

Das berichtet Georg Prinz zur Lippe, der mit seinem Weingut Schloss Proschwitz „von Anfang an“ Mitglied im Weinbauverband ist – und bleiben will. Zur Lippe begrüßt die Ankündigung des Rücktritts als ein Zeichen, dass es nun wieder nach vorne geht und der Verband wieder alle Mitglieder repräsentieren will. Denn: „Wenn man die Leute nicht mehr mitnimmt, wird es schwierig.“ Unnötig schwierig sei zuletzt auch die Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter Sachsen-Saale-Unstrut gewesen, deren Vorsitzender Prinz zur Lippe ist. „Die Kommunikation war schwach“, sagt der Winzer.

Um den Sachsenwein weiter nach vorne zu bringen, brauche es deutlich mehr Kooperationen. Er könne sich zum Beispiel eine Zusammenarbeit mit anderen Verbänden wie dem Obstbauverband vorstellen. Nur von der Idee eines gemeinsamen mitteldeutschen Weinbauverbandes hält er nichts. Zu unterschiedlich seien die Böden, das Klima und auch die Interessen.

Und was ist mit der Frage, die sich mancher nach den vielen Unstimmigkeiten im Weinbauverband – zuletzt dem Streit um eine ausgeschlossene Kandidatin zur Weinhoheitenwahl – schon gestellt haben mag: Geht es auch ganz ohne? Nein, sagt Prinz zur Lippe. Wenn es bei großen Sitzungen des Freistaats um Fördergelder für die nächsten Jahre geht, könne nicht nur ein einzelner Winzer dort sitzen.

Die Suche nach einem neuen Vorstand könnte sich schwierig gestalten, vermutet Georg Prinz zur Lippe. Er selbst glaube übrigens nicht, dass er der richtige Mann für dieses Ehrenamt wäre. Zu viele andere Dinge füllen momentan seinen Zeitplan aus. „Andererseits: Das ist natürlich eine Aufgabe, die gemacht werden muss.“