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Die Zahl der Abtreibungen steigt

Frauenärzte in Sachsen werfen den Apothekern mangelhafte Beratung vor. Doch diese verteidigen die rezeptfreie „Pille danach“.

© Peter Endig/dpa

Stephanie Wesely

Dresden. Ein Schwangerschafts-abbruch ist für Frauen in einer Notlage oft der letzte Ausweg. Seit 2015 hat die Zahl der Abbrüche wieder zugenommen – auch in Sachsen. Entschieden sich vor drei Jahren knapp 5 300 Frauen im Freistaat zu diesem Schritt, waren es laut Statistischem Bundesamt 2017 bereits 5 800. Auch bundesweit ging die Zahl nach oben: von etwa 99 000 auf 101 000 Abbrüche. Zuvor müssen sich die Frauen beraten lassen. Allein in Sachsen gibt es dazu 75 Schwangerschaftskonfliktberatungsstellen.

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Vor allem bei den 30- bis 40-Jährigen stieg die Zahl der Abtreibungen – in Sachsen von 2 200 auf fast 2 700 Frauen im vergangenen Jahr. Und das, obwohl ihnen moderne Verhütungsmittel und die „Pille danach“ zur Verfügung stehen.

Seit zwei Jahren ist die „Pille danach“ für alle rezeptfrei in der Apotheke erhältlich. Musste vorher der Frauenarzt über die Anwendung aufklären, tut das jetzt der Apotheker. Deshalb sieht der Berufsverband der Frauenärzte bei den Apothekern eine Mitverantwortung für die Zunahme der Schwangerschaftsabbrüche. Sie würden mangelhaft beraten. „Es wird zum Beispiel ungenügend darauf hingewiesen, dass die Pille ,Pidana‘ ab 24 Stunden und die ,Ellaone‘ ab 48 Stunden nach dem ungeschützten Sex nur noch eine Restwirksamkeit haben“, sagt Dr. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte. Außerdem müsse darüber informiert werden, dass nach der Einnahme für den Rest des Zyklus mit Kondom oder anderen Barrieremethoden zu verhüten ist, da die normale Pille dann nicht mehr wirke. Sei die Zeit verstrichen, würden Ärzte den Frauen eine sogenannte Kupferspirale einlegen, die auch dann noch eine Schwangerschaft verhindere.

Für Göran Donner, Vizepräsident der Apothekerkammer Sachsen, sind die Vorwürfe „Mutmaßungen“. Die Frauenärzte blieben den Beweis dafür schuldig. Donner hält den leichten Zugang zur „Pille danach“ für richtig. „Denn meist passiert es ja am Wochenende. Dann haben Frauenärzte keine Sprechstunde, aber die Apotheker Bereitschaftsdienst.“

Die Gesellschaft für psychosomatische Frauenheilkunde in Dresden erlebt oft eine innere Zerrissenheit der Frauen. „Eigentlich wollen sie Kinder, entscheiden sich dann aber aus finanziellen oder familiären Gründen dagegen“, sagt Vizepräsidentin Claudia Schumann. Nach der Freigabe der „Pille danach“ stünden auch Frauenärzte noch mehr in der Pflicht zur vorbeugenden Beratung, damit Paare schneller handeln. „Erst an zweiter Stelle kommen die Apotheker. Sie haben sich nach der Aufgabe nicht gedrängt, sie aber mit großem Engagement übernommen“, sagt sie.