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Die Zahl der Migranten steigt um Millionen

Flüchtlinge in einer Dresdner Erstaufnahmeeinrichtung. © dpa/Sebastian Kahnert

Die Vereinten Nationen melden neue Zahlen. 23 Punkte sollen helfen, das Problem zu mildern.

Von Jan Dirk Herbermann, Genf

Der Trend ist eindeutig: Die Zahl der Migranten weltweit steigt an. Kurz vor der geplanten Verabschiedung des umstrittenen Globalen Migrationspaktes veröffentlichten die Vereinten Nationen neue Zahlen zur internationalen Wanderung. Laut den Schätzungen lebten 2017 rund 277 Millionen Männer, Frauen und Kinder als Migranten fernab ihrer Heimat- und Geburtsländer. Das geht aus einem Bericht der Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der UN hervor, der am Mittwoch in Genf veröffentlicht wurde. Im Jahre 2013 belief sich die Zahl der Migranten nach Schätzungen der UN-Experten noch auf 232 Millionen. Migranten und ihre Familien suchen in der Fremde ein besseres materielles Leben als es ihnen ihr Ursprungsland bieten kann. Die meisten der Menschen, die sich auf die oft gefährliche Reise in eine bessere Zukunft machen, sind junge Arbeitskräfte und können mit einer passenden Ausbildung zum Wirtschaftswachstum beitragen.

Laut den aktuellen Schätzungen der ILO gingen 2017 rund 164 Millionen Migranten ab 15 Jahren in ihrem Aufenthaltsland einer Beschäftigung nach - oder sie galten als arbeitslos. Es handelt sich um sogenannte Arbeitsmigranten. Ihre Zahl erhöhte sich seit 2013 um etwa 14 Millionen. Bei den Arbeitsmigranten stellen Männer eindeutig die Mehrheit: 96 Millionen von ihnen sind männlich, 68 Millionen sind weiblich. Mehr als 60 Prozent aller Arbeitsmigranten finden sich laut den ILO-Recherchen in drei Regionen: Nordamerika; im nördlichen, westlichen und südlichen Europa; sowie in den arabischen Ländern. In den reichen Ländern stellen die Arbeitsmigranten knapp 20 Prozent der Arbeitskräfte.

Und hier, in den reichen Ländern wie Deutschland, verstärkte sich in den vergangenen Monaten der Widerstand gegen den Globalen Migrationspakt der UN. Die USA, Österreich, Ungarn und andere Länder lehnen das rechtlich unverbindliche Abkommen sogar rundweg ab und warnen: Die Übereinkunft führe zu einer unkontrollierten Einwanderung in die reichen Länder. Zudem werde Migration in dem Pakt in rosa Farben gemalt ohne die massiven Probleme zu benennen.

Bis zuletzt warben hochrangige UN-Vertreter für das Abkommen. Der Pakt komme sowohl den Herkunfts- als auch den Zielländern zugute, betonte die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, Michelle Bachelet. Deshalb sei sie angesichts der Neinsager „enttäuscht“. Immerhin wollen mehr als 180 Länder, darunter Deutschland und Luxemburg, den Migrationspakt Anfang nächste Woche auf eine Konferenz in Marokko annehmen.

Der "Globalen Pakt für sichere, geordnete und geregelte Migration" gibt 23 Ziele vor. So sollen Migranten Ausweispapiere erhalten und Grenzen sollen gesichert werden. Die Staaten sollen die beruflichen Fähigkeiten der Migranten fördern und ihnen Zugang zu grundlegenden Leistungen geben, darunter etwa Schulbildung für Kinder. Diese Leistungen gehen aber nicht über die Angebote hinaus, zu denen sich die Staaten ohnehin verpflichten. So erkennen die Vertragsstaaten der UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Bildung an. Bei den Migranten handelt es sich nicht um Menschen, die vor Gewalt und Unterdrückung in ihren Herkunftsländern ins Ausland fliehen. Diese Menschen sind Flüchtlinge, sie sind völkerrechtlich besonders geschützt.