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Die Zeiger drehen sich wieder

Wegen der Sanierung stand das Uhrwerk der Trinitatiskirche still. Zwei Fachleute sorgten für Abhilfe.

© Lutz Weidler

Von Stefan Lehmann

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Riesa. Wenn Eckehard Preuß als Kind zum Spielen an den Lutherplatz kam, dann ging der Blick oft nach oben. Pünktlich um sechs Uhr abends sollte er immer daheim sein, und dank der großen Uhr an der Trinitatiskirche klappte das auch meistens. Neben dieser Kindheitserinnerung kommt noch die berufliche Verbindung zur Kirchturmuhr hinzu: Seit 20 Jahren führt Eckehard Preuß das Uhrmachergeschäft seiner Familie, das Großvater Alfred Preuß einst gegründet hatte. „Es war damals keine Frage, ob ich den Betrieb übernehme“, erzählt Eckehard Preuß.

Sein Vater und Großvater hatten über Jahrzehnte hinweg die Wartung der Uhr übernommen, mehr als 40 Jahre lang wohnte die Familie direkt am Lutherplatz. „Noch in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung wurde stets Uhrmachermeister Eckehard Preuß bei Reparaturen und Anfragen hinzugezogen“, erinnert sich Kirchvorsteher Michael Herold aus dem Bauausschuss der Kirchgemeinde. Später übernahmen dann spezialisierte Turmuhr-Firmen die Wartung.

Angesichts dieser engen Verbindung zur Trinitatiskirche ist es kein Wunder, dass Preuß nun mit dazu beigetragen hat, dass sich die Zeiger trotz der laufenden Sanierungsarbeiten weiterdrehen. Selbstverständlich ist das nicht: Seit Beginn der Sanierungsarbeiten an der Uhr waren Glocken und Uhrwerk eingehaust. Kein Läuten mehr vom Glockenturm, die Zeiger standen still. Zumindest Letzteres ist nicht mehr der Fall. Seit Ende vergangener Woche zeigt die Uhr am Kirchturm wieder zuverlässig die Zeit an. Möglich macht das ein elektrischer Motorantrieb, erklärt Michael Herold. Der werde per Funk angesteuert und bewege die Zeiger. Wie hoch die Kosten genau sind, darüber wurde Stillschweigen vereinbart. Aber der Kirchvorsteher betont: Von allein hätte sich die Kirchgemeinde definitiv nicht dazu entschlossen, die Uhr weiterzubetreiben.

Dann aber kam das Angebot der Turmuhrenfirma Tschipke aus Wehlen. Die kümmert sich seit einigen Jahren um die Turmuhren in Riesa – und bot an, die Elektromotoren für die Zeigerwerke leihweise zur Verfügung zu stellen. Den Ein- und Ausbau zahlt die Kirchgemeinde. Die Kosten für die Leihe wiederum tragen nun die beiden Riesaer Uhrmacher Manfred Kuge und Eckehard Preuß. „Wir sind nicht so die Kirchgänger“, gesteht Manfred Kuge, „aber wir wollten der Stadt mit der Spende etwas zurückgeben.“ Zum Tag des offenen Denkmals sei er häufiger in der Trinitatiskirche gewesen, insbesondere wegen des denkmalgeschützten Uhr- und Zeigerwerks. In seiner Tätigkeit als langjähriger SPD-Stadtrat hat Kuge ebenfalls öfter mit dem Bau zu tun. Die Kirchgemeinde selbst habe ja ohnehin ein Interesse daran, dass die Zeiger nicht bis zum Abschluss der Bauarbeiten stillstehen. Das wäre voraussichtlich erst im Herbst dieses Jahres der Fall. Eine Uhr, die so lange stillsteht – aus Sicht der Uhrmacher wäre das ja auch kein haltbarer Zustand gewesen.

In diesem Jahr wird das Innere des Kirchturms der Trinitatiskirche saniert. Die Stahlkonstruktion unter dem Dach bekommt einen neuen Korrosionsschutz sowie einen neuen Anstrich. Die Maßnahme kostet mehr als 600 000 Euro, finanziert wird sie aus Eigenanteilen der Kirche sowie mithilfe von Fördergeldern des Bundes und des Freistaates. Für die evangelisch-lutherische Kirchgemeinde ist es das größte Bauprojekt des Jahres.