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Die zwölf Millionen sind da

Nach Jahren des Stillstands am Hotel Stadt Leipzig machte die Stadt Druck. Nun rückt die Sanierung näher.

© Christian Juppe

Von Sarah Grundmann

Dresden. Findet die unendliche Geschichte doch ein Ende? Seit fünf Jahren wird die Sanierung des Hotels Stadt Leipzig immer wieder angekündigt. Seit fünf Jahren passiert an der Ecke Rähnitzgasse/ Heinrichstraße nichts. Doch nun kommt wieder Bewegung in die Sache. Nicht nur, dass seit Neuestem ein Plakat samt Visualisierungen von Alt- und Neubau am Denkmal hängt. Ein Baustart scheint greifbarer denn je zu sein.

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„Die Baugenehmigung wurde von der Bauaufsicht erteilt. Der Bauherr hat vor Baubeginn noch technische Nachweise vorzulegen. Dann steht einem Baustart nichts mehr im Wege“, sagt Stadtsprecher Schuricht auf SZ-Anfrage. Das allein ist nichts Neues. Bereits 2012 reichte der Investor – die Hotel Stadt Leipzig Objektgesellschaft mbH, die zum Warschauer Unternehmen Griffin Real Estate gehört – Pläne bei der Stadt ein, seit Ende 2014 liegt eine Genehmigung vor. Doch der Stadtsprecher bestätigt nun auch, dass die Finanzierung des Projekts gesichert ist. Das fehlende Geld war bisher der Knackpunkt, der die Geschichte um die Sanierung des einstigen Neustädter Prunkstücks schier unendlich erschienen ließ.

So machten in der Neustadt bereits vor Jahren Gerüchte um eine mögliche Zahlungsunfähigkeit die Runde. 2015 musste das Wetterschutzdach abgebaut werden. Die Gerüstbaufirma sprach von unbeglichenen Rechnungen. Sara Wasag, Sprecherin von Griffin Real Estate, hingegen von Meinungsverschiedenheiten. Das Dach habe die Bauarbeiten behindert und sei deshalb demontiert worden. Laut Wasag hatte die Sanierung damals bereits begonnen – mit „Vorbereitungsarbeiten, die von außen nicht festzustellen sind“. Dass das nicht stimmen kann, verriet der beauftragte Ingenieur André Wiedemann bei einem Pressetermin im Mai 2016 eher nebenbei.

Damals fanden auf dem Areal archäologische Grabungen statt – als Vorbereitung für den Baustart. Auf diesen angesprochen, lüftete Wiedemann das Geheimnis: Die Finanzierung des Projekts stehe noch gar nicht. Anschließend kündigte die Investorfirma – wie schon zuvor den Beginn der Sanierung – mehrfach den Abschluss der Verhandlungen mit der Bank an. Doch nichts passierte. Dabei sind fast die Hälfte der Wohnungen bereits seit Jahren verkauft beziehungsweise reserviert. „Wir sind für die Geduld dankbar, und wir sind davon überzeugt, dass die außergewöhnliche Qualität und der Luxusstandard die Verspätung belohnen werden“, sagte die Sprecherin Wasag bereits vor zwei Jahren.

Insgesamt sollen in den sogenannten Heinrichhöfen in der Inneren Neustadt rund 30 Wohnungen mit 76 bis 180 Quadratmetern entstehen. Hierfür müssen zunächst die Abrissbagger anrollen. Denn am Gebäudeteil zur Heinrichstraße kann nur die Fassade erhalten bleiben. Dahinter ist ein Anbau geplant, der sich am historischen Vorbild orientieren soll. Der Gebäudeteil zur Rähnitzgasse kann hingegen komplett gerettet und saniert werden. Neben Wohnungen in den oberen Etagen sind im Erdgeschoss zwei Läden sowie ein Restaurant geplant. Außerdem ist ein Neubau auf dem Hof geplant, in dem weitere Apartments entstehen. Der wiederum kommt eher modern als historisch daher. Rund 12 Millionen Euro müssen in das Vorhaben investiert werden. Dass diese nun da sind, beruhigt nicht nur den Baubürgermeister.

Auch die Neustädter Ortsbeiräte, die in ihren Sitzungen mehrfach über die Pläne diskutiert haben, waren von den folgenlos gebliebenen Ankündigungen irritiert. Außerdem forderte die Bürgerinitiative Stadtbild DD schnelles Handeln, brachte sogar die Frage nach einer Enteignung ins Spiel, so wie die Stadt es auch beim leerstehenden Schloss Übigau in Erwägung zieht.

Diesen Schritt wollte die Verwaltung beim Hotel Stadt Leipzig zunächst gehen. Zuletzt machte aber Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) in einem persönlichen Gespräch mit dem Eigentümer reichlich Druck. Er drohte sogar mit der Aufhebung des Bebauungsplans. Dann hätten die Pläne nicht mehr umgesetzt werden können. Auch andere Strafen – wie Geldbußen – waren im Gespräch. Das zeigte scheinbar Wirkung. Das Unternehmen kündigte einen Baustart für die Sommerferien an. Die sind zwar mittlerweile vorbei. Dafür scheint der Baubeginn greifbarer als in den fünf Jahren zuvor. Kommentar