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Diebesbande kommt ohne Strafe davon

Vier Jahre nach den Taten und angesichts der geringen Schäden wird ein Verfahren gegen fünf Görlitzer niedergeschlagen – obwohl die Anklage erheblich war.

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Von Frank Thümmler

Für fünf junge Görlitzer war schon am Dienstag Weihnachten – im großen Saal des Görlitzer Landgerichts. Richter Christian Strauch schlug das Verfahren gegen sie nieder, sprach nur einige Verwarnungen aus. Die vier jungen Männer zwischen 24 und 30 Jahren sowie eine 25-jährige Frau mussten sich wegen schweren Bandendiebstahls und gewerbsmäßiger Hehlerei verantworten. So hatte es Staatsanwalt Jürgen Ebert vorgetragen. Die vorgeworfenen Taten liegen bereits vier Jahre zurück. Im Herbst/Winter 2009/10 sollen die fünf jungen Leute mit wechselnder Beteiligung Autoteile – fast immer Radkappen – von Autos im Görlitzer Stadtgebiet entwendet haben, um sie später über die Internetplattform Ebay zu verkaufen. Ihre Masche dabei: Es soll aus ihrer Gruppe immer einen Mitbieter gegeben haben, um den Preis hochzutreiben. Angeklagt sind 24 Einzelfälle, der bei Ebay erzielte Gesamtgewinn betrug laut Anklage pro Radkappensatz zwischen zwölf und 71 Euro. Der laut Anklage erzielte Gesamtgewinn betrug knapp 800 Euro. Der angerichtete Schaden dürfte zwar deutlich höher liegen, liegt durchschnittlich pro Angeklagtem aber mit Sicherheit nur im dreistelligen Bereich.

Alle fünf Angeklagten stehen inzwischen, so lange nach den vorgeworfenen Taten, mitten im Leben. Vier gehen einer geregelten Arbeit nach, der fünfte ist in Elternzeit. Das Geschütz, das die Staatsanwaltschaft zunächst auffuhr, war schwer, weil die Fünf nicht einzeln, sondern als Bande gehandelt haben sollen. Und auf schweren Bandendiebstahl und gewerbsmäßige Hehlerei – so war der Vorwurf in der Anklage formuliert – steht eine Mindeststrafe von einem Jahr Freiheitsentzug pro Fall.

Die Angeklagten äußerten sich am Vormittag zu den Vorwürfen nicht. Einer der Verteidiger begründete das mit erheblichen Mängeln in der Anklage, ein anderer ließ durchblicken, dass es so lange nach den Taten sehr schwierig sei, sich an jedes Detail zu erinnern. Und darauf komme es angesichts der angedrohten hohen Strafen letztlich an. Richter Christian Strauch zeigte sich über die Nichtaussage der Angeklagten im ersten Moment sichtlich verärgert und kündigte eine lange Beweisaufnahme über mehrere Verhandlungstage an, die angesichts der fünf Pflichtverteidiger, des Vertreters der Jugendgerichtshilfe, des Staatsanwaltes, der Besetzung des Gerichtes, der Kosten für die Zeugen auch um ein Vielfaches teurer geworden wäre als der angerichtete Schaden. Fraglich wäre genauso gewesen, ob sich Zeugen noch detailgenau an die Vorgänge erinnern können. Also ein Riesenaufwand um Nichts?

Auch auf Initiative von Staatsanwalt Ebert wurde nach einer vernünftigen Lösung gesucht, die Richter Strauch unter Ausnutzung aller juristischen Spielräume am Nachmittag präsentierte. Den Angeklagten kam wohl zugute, dass sich die Justiz eine zu lange Verfahrensdauer – die Vernehmungen der Angeklagten stammen aus Anfang 2011 – vorwerfen lassen muss.