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Diebischer Wolf ist kein Lausitzer

Das Tier, das einem Jäger in Lodenau mitten am Tag ein Stück Wild vom Hof klaute, gibt Experten noch Rätsel auf.

© Lupus

Irmela Hennig

Es war tatsächlich ein Wolf, der sich am 3. Juni auf dem Grundstück des Lodenauer Jägers Gerd Eberle eine Wildschweinschwarte geholt hatte. Wie das Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz mitteilte, haben genetische Untersuchungen und Bilder aus einer Fotofalle bestätigt, dass es sich um einen Wolf handelt. Und zwar um ein männliches Tier. Über das Alter lässt sich noch nichts sagen, so Vanessa Ludwig vom Kontaktbüro. Außerdem konnte der Vierbeiner keinem Rudel in der Region zugeordnet werden. Möglicherweise war es ein jüngeres Tier auf der Suche nach einer Partnerin oder einem Revier, bestätigt Vanessa Ludwig eine SZ-Vermutung.

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Der Fall hatte für Aufregung gesorgt, weil der Wolf bei Tageslicht direkt auf einem bewohnten Grundstück beobachtet wurde. Gerd Eberle hatte ein gejagtes Wildschwein in seiner Wildkammer zerlegt und die Schwarte kurz unbeaufsichtigt gelassen. Die Gelegenheit hatte der Wolf genutzt, um sie sich zu schnappen. Aggressiv sei er nicht gewesen, so heißt es im Kontaktbüro. Die Wolfsexperten vom Institut Lupus brachten eine Fotofalle nahe dem Grundstück an. In die ist er in der darauffolgenden Nacht getappt.

Wie Gerd Eberle berichtet, wurde auch auf dem Sportplatz im Dorf ein Wolf gesichtet. Außerdem seien die Hunde zwischenzeitlich sehr unruhig gewesen. „Das ging wie eine Welle durch den Ort“, so Eberle. Und es legt die Vermutung nahe, dass ein Wolf durch die Gegend gestreift sei. Seitdem sei aber Ruhe. Das bestätigt auch das Kontaktbüro. Die Mitarbeiter dort warten nun auf die Auswertung der gesammelten Daten zu den Wölfen im Beobachtungsjahr 2015/2016. Dann könne man vielleicht mehr sagen. Dass es sich bei dem Tier um einen durchwandernden Wolf handelt, ist gut möglich. Schließlich gibt es in Westpolen einen wachsenden Wolfsbestand. Im Frühling 2016 konnten westlich der Weichsel 43 Rudel und zehn Wolfspaare oder Gruppen nachgewiesen werden. Das sind zehn Rudel mehr als vor einem Jahr. Werden die Jungen groß, wandern sie ab und suchen sich ein eigenes Revier auch auf deutscher Seite.

Das bundesweite Dokumentations- und Beratungszentrum zum Wolf mit Sitz am Senckenbergmuseum in Görlitz ist in den Lodenauer Fall übrigens noch nicht eingebunden. „Wir wollten erst einmal abwarten, ob es sich um einen Einzelfall handelt“, so Vanessa Ludwig. Das Wolfszentrum berät Behörden beim Umgang mit sogenannten Problemwölfen. Der erste Fall für die neue Anlaufstelle war der des Wolfs vom Truppenübungsplatz bei Munster in Niedersachsen. Er wurde letztlich erschossen, weil er den Menschen zu nahe kam.