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Diebstähle im Auftrag

Georgische Banden sind längst auch im Landkreis Meißen angekommen. Das Amtsgericht greift hart durch.

© SZ-Archiv/Becker & Bredel

Von Jürgen Müller

Meißen. Georgische Diebesbanden treiben auch im Landkreis Meißen ihr Unwesen. Es sind in der Regel Personen, die schon in ihren Heimatländern aufgefallen sind. „Tausend Täter aus Georgien nutzen das Asylverfahren, um nach Deutschland zu gelangen, nur um hier Straftaten zu begehen“, so Holger Münch, der Präsident des Bundeskriminalamts. In einem Lagebericht seines Amtes unter dem Titel „Georgier und Eigentumskriminalität“ ist die Rede von einer russisch-georgischen Mafia, die die Taten lenkt. Junge Männer zwischen 20 und 35 Jahren kämen nur in die Bundesrepublik, um Wohnungseinbrüche und Ladendiebstähle zu begehen. Sie organisieren sich bandenmäßig. Die einen stehen Schmiere, die anderen stehlen.

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Einer dieser Täter sitzt nun auch vor dem Meißner Amtsgericht. Dem 25-jährigen Angeklagten werden mehrere Ladendiebstähle vorgeworfen. So soll er in einem Coswiger Markt mit anderen Zigaretten im Wert von 124 Euro gestohlen haben. Die seien für den Eigenbedarf gewesen, er sei starker Raucher. Mindestens zwei Schachteln Zigaretten rauche er am Tag, und zwar verschiedene Sorten. Welche er denn heute dabei habe, will der Richter wissen. Der starke Raucher hat keine Zigaretten mit, nicht mal ein Feuerzeug.

Ganz offenbar hat er im Auftrag geklaut. Die beiden Mittäter habe er nicht gekannt, die Landsleute zufällig in Coswig getroffen, behauptet er. Warum er damals nach Coswig fuhr, um einzukaufen, obwohl er in einem Asylbewerberheim in Dippoldiswalde untergebracht war, kann er nicht erklären. Offensichtlich ist der Mann, der nach eigenen Angaben einen Hochschulabschluss besitzt, auch ziemlich vergesslich. So nahm er sich in einem anderen Markt eine Dose Red Bull, steckte die Dose in die Hosentasche, „vergaß“ aber auf dem drei Meter langen Weg vom Regal zur Kasse zu bezahlen. Auch in einem Elektronikmarkt hatte er doch glattweg vergessen, ein Radio zu bezahlen. Das hatte er aus der Verpackung genommen und in einen Beutel gesteckt. An der Kasse war das schon wieder vergessen. In einem Bekleidungsgeschäft stahl er schließlich eine Herrenjacke für 280 Euro.

Schon fünfmal von Gerichten verurteilt

Seit Februar 2014 hält sich der Mann in Deutschland auf. Seitdem hat er elf Straftaten begangen, wurde fünfmal von Gerichten in Erlangen, Nürnberg, Auerbach, Aue und Lüdenscheid im Sauerland verurteilt. Auch an Letzteres kann er sich nicht mehr erinnern. Insgesamt summieren sich die verhängten Geldstrafen auf 3 200 Euro. Die Strafen will er alle bezahlt haben. Er bekommt monatlich 184 Euro Taschengeld. In Georgien sei er Verfolgter gewesen, behauptet er. Mehr will er dazu „aus Stolz“ nicht sagen. Wahrscheinlich verfolgte ihn die Justiz. Sein Asylantrag sei noch immer nicht entschieden, sagt er. Zunächst habe er bei einem Freund in Erlangen gewohnt, dann in Bielefeld einen Asylantrag gestellt. Zwischendurch lebte er in Flüchtlingsheimen in Chemnitz, Schmiedeberg, Aue, Dippoldiswalde und Freital.

Das Gericht verurteilt den Angeklagten zu einer Haftstrafe von sieben Monaten ohne Bewährung. Seit der Angeklagte in Deutschland sei, begehe er Straftaten, wie erste wenige Tage nach seiner Ankunft, so Richter Andreas Poth. Die Taten reihten sich ein in andere Fälle. Stets werden die Diebstähle nicht bestritten, stets stehle man für sich selbst, kenne die Namen der Mittäter nicht, stehle weit entfernt vom Wohnort und bezahle die Geldstrafen.

Auch in anderen Fällen griff das Amtsgericht Meißen hart durch. So wurde im November vorigen Jahres ein 29-jähriger Asylbewerber aus Georgien wegen räuberischen Diebstahls zu acht Monaten Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Auch er hatte in zwei Jahren eine ganze Latte von Straftaten begangen. Ebenfalls acht Monate ohne Bewährung wegen gewerbsmäßigen Diebstahls erhielt im November 2014 ein weiterer Georgier.

„Das Phänomen russisch-eurasischer Banden beschäftigt uns schon lange“, sagt Kathlen Zink, stellvertretende Pressesprecherin des Landeskriminalamts Sachsen. Georgier seien besonders auffällig bei Eigentumsdelikten. Bei den ermittelten Tatverdächtigen in Sachsen stehen Georgier an vierter Stelle. Bei Intensivtätern, also Mehrfachtätern, haben Georgier inzwischen schon den zweiten Platz erreicht.