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Dienels öffnen in Herrnhut

Der Gartenbaubetrieb zieht mit seinem Naturkostladen von Strahwalde fort. Das ist nicht die einzige Änderung.

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Von Steffen Gerhardt

Die Neugierde ist groß, wer da wohl das Wohnhaus auf der Löbauer Straße, gegenüber dem ehemaligen Bahnhof, gekauft hat? Die Fassade zur Straße ist bereits herausgeputzt und das Dach wieder dicht. Aber noch liegt ein großes Stück Arbeit vor den Bauarbeitern und Handwerkern, sagt Kristina Dienel. Die Gartenfachfrau bezieht sich und ihre Familie dabei gleich mit ein. Gut sichtbare Aufklärung über den neuen Eigentümer wird es spätestens dann geben, wenn die Werbeschilder angebracht sind. Diese verraten, dass es hier ein Geschäft geben wird mit dem Namen „Bio Naturkost und mehr – Natürlich Dienel“.

Aber haben Dienels nicht schon in Strahwalde ihren Naturkostfachladen? Ja, sagt Kristina Dienel, aber nur noch bis Monatsende. „Dann müssen wir raus sein, denn der Betrieb Landtechnik braucht die Räume, um sich zu vergrößern.“ Also musste sich Familie Dienel ein anderes Objekt suchen, nachdem ihnen im Februar der Eigenbedarf verkündet wurde. „Das war gar nicht so einfach, was Größe und Standort betrifft“, erklärt die Geschäftsfrau. Der Strahwalder Laden misst 150 Quadratmeter. Diese Größe sollte auch das neue Geschäft haben. In Görlitz sind sie zwar schnell fündig geworden, aber wäre zu weit weg von der Kundschaft gewesen. Also suchte man in Herrnhut weiter.

Schließlich fiel Dienels das leer stehende Haus an der Löbauer Straße auf, in dem zuletzt ein Kohlehändler sein Geschäft hatte. Aber das ist schon ein paar Jahre her. Dienels machten den Eigentümer ausfindig und kauften ihm sein Haus vor zehn Wochen ab. „Der Zustand war schon beim Kauf erbärmlich und die unliebsamen Überraschungen zum Baubeginn blieben für uns nicht aus“, sagt Bruder Steffen Dienel. So mussten die Decken auf zwei Etagen erneuert werden, was nicht vorgesehen war. Aber das Regenwasser hat über die Jahre des Leerstandes viel Schaden angerichtet. Auch die Schornsteine und Öfen mussten entfernt werden, da der Brandschutz nicht mehr gewährleistet ist.

Jetzt konzentrieren sich Dienels auf das Erdgeschoss. Dort soll als Erstes der Laden einziehen. Innenwände sind herausgerissen, sodass wieder auf 150 Quadratmetern Platz ist für das Angebot an Naturkost. Dabei soll es aber nicht bleiben. Kristina Dienel will ihr Sortiment erweitern. Sie denkt an Käse aus dem Allgäu und frische Öle. Bevor die ihren Platz in den Regalen finden, muss der Laden eingerichtet sein. „Uns drängt die Zeit. Wenn alles klappt, wie wir uns das vorstellen, soll Mitte Oktober Eröffnung sein“, erklärt Kristina Dienel. Denn am 30. September wird in Strahwalde die Tür für immer geschlossen. Bevor in Herrnhut geöffnet wird, soll der Verkauf von ausgewählten Produkten weiter im Hofladen in Berthelsdorf erfolgen.

Da Dienels aber das ganze Haus nebst großem Grundstück gekauft haben, warten auch noch zwei Obergeschosse darauf, vorgerichtet zu werden. „Die beiden Etagen waren früher Wohnungen. Die wollen wir sanieren und wieder vermieten.“ Laut Kristina Dienel gibt es sogar schon Interessenten für beide Wohnungen, sodass von der ursprünglichen Idee, Ferienwohnungen daraus zu machen, abgerückt wurde. „Die oberen Etagen werden unsere Winterbaustelle sein, sodass die Wohnungen erst im nächsten Jahr bezugsfertig sind.

Hauskauf und Umbau bezahlen Dienels aus eigener Tasche und mit einem Kredit der Sparkasse. Denn weder eine Förderung über das regionale Leader-Programm noch über den Denkmalschutz hat die Familie erhalten. „Obwohl das Gebäude unter Denkmalschutz steht und wir Auflagen erfüllen müssen“, ergänzt die Bauherrin. Sie sehnt sich schon den Tag herbei, an dem das Gebäude baulich vollendet ist. Denn es ist schon aufreibend, zwischen Baustelle und Gartenbaubetrieb hin und her zu pendeln und beides im Blick zu haben. Noch dazu, wenn die Zeit drängt. „Ich wünsche mir, dass die Kunden unseren neuen Standort schnell annehmen. Für die Herrnhuter ist dieser quasi vor der Haustür.“ Kristina Dienel möchte ihre Kundschaft nicht nur zum Einkaufen, sondern auch zum Verweilen einladen. „Deshalb wollen wir nächstes Jahr vor dem Haus ein kleines Straßencafé einrichten, wo unsere Produkte gleich gekostet werden können.“ Dabei sieht sich der Familienbetrieb in guter Gesellschaft, wenn gegenüber der Bahnhof zu einer Markthalle mit kleinen Geschäften wird. Das soll auch im nächsten Jahr passieren.