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Diesel-Gipfel: "Das Klima war schon ziemlich scharf"

© Jan Woitas/dpa (Symbolfoto)

Die Bundesregierung stockt Förderprogramme für Kommunen auf. Städte fordern eine schnellere Nachrüstung alter Dieselfahrzeuge.

Frostig startete der zweite Diesel-Gipfel von Bundesregierung, Kommunen und Ländern im Bundeskanzleramt. "Das Klima war schon ziemlich scharf", berichtete ein Bürgermeister später. Denn die Kommunen sind auf Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sauer. Der Minister hatte ihnen die Schuld an drohenden Fahrverboten zugewiesen, weil sie angeblich ihre Luftreinhaltepläne zu langsam überarbeiten. Große Erwartungen an das Treffen hegten die Teilnehmer nicht. Da traf es sich gut, dass Kanzlerin Angela Merkel die Spannungen gleich zu Beginn abbaute und eine deutliche Aufstockung der Fördermittel für die Städte ankündigte.

Im nächsten Haushaltsjahr werde der Förderbetrag um 500 Millionen Euro aufgestockt, sagte Merkel. Mit diesem Geld sollen die Kommunen zum Beispiel ihre Lkw-Flotten nachrüsten oder Elektrobusse anschaffen. Dazu stelle der Bund weitere 432 Millionen Euro für die technische Nachrüstung von Liefer- oder Handwerkerfahrzeugen bereit. Auch die Anschaffung von mobilen Geräten zur Kontrolle von Fahrverboten will die Regierung künftig fördern. Die Vertreter der Kommunen freuen sich zwar über die verstärkte finanzielle Unterstützung. Doch bleiben wesentliche Forderungen der Städte nach wie vor unerfüllt. "Bei der Nachrüstung sind wir nicht weitergekommen", kritisiert der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn. Gemeint ist die Ausstattung von Diesel-Fahrzeugen der Euro-5-Norm mit modernen Abgasreinigungsanlagen. Denn die gibt es bislang noch gar nicht. Scheuer kündigte an, dass der Bund bis Ende dieses Jahres die technischen Anforderungen dafür formulieren wird. Dann könnten die Hersteller mit der Entwicklung beginnen. "Die Nachrüster haben gesagt, sie brauchen ein halbes Jahr", erläuterte Scheuer. Bis zur Zulassung der Technik dürften weitere Monate vergehen. Die Bürgermeister befürchten, dass es zu lange dauert, um Fahrverbote zu verhindern. "Wir sind in einem Wettlauf mit der Zeit", mahnte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher.

Uneins sind sich Bund und Kommunen auch bei der Frage der Kontrollen von Fahrverboten. Scheuer würde dafür gerne mobile Geräte einsetzen, die Kennzeichen erkennen und mit der Datenbank des Kraftfahrt-Bundesamts abgleichen können. Der Deutsche Städtetag plädiert dagegen für die Einführung einer blauen Plakette für saubere Motoren. "Die blaue Plakette heißt flächendeckendes Fahrverbot", wehrt Scheuer den Vorschlag ab. In großen Städten wie Berlin müssten im Ernstfall nur wenige Straßen für alte Diesel gesperrt werden. Wie Kontrollen in der Praxis ablaufen könnten, schilderte das Stuttgarter Stadtoberhaupt. Dort werden Fahrverbote am 1. Januar 2019 in Kraft treten. "Die Polizei wird punktuell kontrollieren", sagt Kuhn. Nach einer dichten Überwachung des Verbots klingt diese Ankündigung nicht.

Dem Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) gehen die bisher in Angriff genommenen Maßnahmen nicht weit genug. "Wir brauchen eine echte Mobilitäts- und Verkehrswende", sagte Ebling, "es fehlt der große Wurf für die Zukunft." Für den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, der Radwege oder die digitale Steuerung des Autoverkehrs müsse die Bundesregierung dauerhaft Fördermittel bereitstellen. "Das Dieselthema", so ahnt der Politiker, "ist nur die Spitze des Eisbergs."

Prämien sind wirkungslos

Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer kritisierte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) scharf. Dessen Haus habe es versäumt, den Herstellern bei den ausgelobten Eintauschrabatten einheitliche Regeln vorzugeben, meinte der Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen am Montag. "Mittlerweile hat sich ein Dickicht an Aktionen entwickelt, das bei Dieselbesitzern eher Verunsicherung hervorruft als Hilfe."

Umsetzen müssten die Neuabschlüsse die Händler, die kein Interesse daran hätten, sich weitere alte Dieselautos auf den Hof zu stellen. Auch böten die Umtauschrabatte den Autobesitzern keinen kompletten Ausgleich des durch die Dieselkrise ausgelösten Wertverlustes. Noch nie seien flächendeckend Autos so stark entwertet worden wie durch die Dieselkrise. (Wolfgang Mulke)