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Diesmal kam der Sturm von der anderen Seite

Noch schlimmer als Herwart hat Friederike die Gärtnerei des Biohofes getroffen – kann sie am alten Standort bleiben?

© Claudia Hübschmann

Von Udo Lemke

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Mahlitzsch. Diesmal sieht es noch schlimmer aus als Ende Oktober: Vier der Foliengewächshäuser sind völlig zerstört, teilweise sieht das Gestänge wie eine Achterbahn aus. Und trotzdem ist es Elke Schwab fast peinlich: „Wir wollen nicht in den Verdacht kommen, herumzujammern, aber wir sind natürlich erst einmal sprachlos.“ Dieser Verdacht drängt sich allerdings nicht auf, wenn man die Gärtnerei des Biohofs in Mahlitzsch sieht. Klar ist, dass das, was nach Sturm Herwart angedacht war, nicht funktioniert hätte. Denn die Idee, die Hauptwindrichtung mit hohen Mieten aus Strohrollen abzuschirmen, hätte nicht funktioniert, „denn diesmal ist der Wind aus einer anderen Richtung gekommen“. Die einzige Möglichkeit, mit hohen Strohmieten die Gewächshäuser zu schützen, bestünde darin, sie von allen Seiten einzubauen. Das will aber niemand.

Elke Schwab vom Biohof Mahlitzsch hat sich ihren Optimismus bewahrt: Der Betrieb liefert seine Ökokisten wie gewohnt an die Kunden aus.
Elke Schwab vom Biohof Mahlitzsch hat sich ihren Optimismus bewahrt: Der Betrieb liefert seine Ökokisten wie gewohnt an die Kunden aus. © Claudia Hübschmann

„Die Gärtnerei ist ein wichtiger Teil unseres Hofes, die können wir nicht einfach lassen, aber wir können auch nicht einfach auf den nächsten Sturm warten“, beschreibt Elke Schwab, die Sprecherin des Biohofs, das Dilemma. Klar ist, dass es am jetzigen Standort so nicht mehr weiter gehen kann mit der Gärtnerei. Nun soll geprüft werden, ob es massive Gewächshäuser gibt, die möglichen Stürmen besser standhalten, als die jetzigen Foliengewächshäuser. Dazu sollen Fachfirmen angefragt werden. Unklar ist außerdem, wie massive Gewächshäuser finanziert werden könnten. Und schließlich müsse auch überlegt werden, ob der jetzige Standort der Gärtnerei aufgegeben und ein neuer gesucht werden muss. „Wir spüren den Klimawandel, wir hatten in den vergangenen 15 Jahren nicht solche Sturmschäden, die Winde sind so unberechenbar geworden“, sagt Elke Schwab.

Erste Konsequenz aus den neuerlichen Sturmschäden: Die Bestellung von Jungpflanzen für Gurken, Tomaten und Paprika für die kommende Saison ist erst einmal storniert worden. Aktuell läuft die Belieferung der Kunden mit der Ökokiste wie gewohnt weiter. Bis zu 700 dieser Kisten mit Gemüse von Kartoffeln über Kohlrabi und Kürbis bis zu Zwiebeln und Obst von Äpfeln bis zu Orangen werden wöchentlich in Mahlitzsch gepackt und auf den Weg geschickt, vor allem auch nach Dresden. Die hofeigene Bäckerei und Molkerei sind ebenfalls nicht durch den neuerlichen Sturm beeinträchtigt worden. Dennoch redet Elke Schwab nicht um das Problem herum: „Diese beiden Stürme sind ein Einschnitt in der Geschichte des Hofes.“