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Dinge für das gute Gewissen

Eine-Welt-Verein hat fast 20 Jahre durchgehalten. Der Laden in der Klostergasse macht steigenden Umsatz. Doch Zeit ist ein Problem.

© Kristin Richter

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Großenhain. Die Zahl der Eine-Welt-Länden in der Region ist zurückgegangen. Außer Großenhain, Meißen und Radebeul gibt es nur noch einen kleinen Stand in Radeburg. „Umso schöner ist es für uns, dass wir kommendes Jahr unser 20-jähriges Vereinsbestehen feiern können“, sagt Vorsitzender Andreas Görlitz. Gemeinsam mit Horst Köppler und Beate Quenstedt leitet er den Großenhainer Verein mit 20 Mitgliedern.

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Über dem Laden in der Klostergasse steht groß auch Eine-Welt-Information. Das Geschäft ist ein Bildungsort, die Produkte aus fairem Handel sind das Medium, die Idee, mit der über Gerechtigkeit und angemessene Preise geredet wird.

Von Jahr zu Jahr steigende Verkaufserlöse zeigen den ehrenamtlichen Ladendiensten, dass ihr Wirken sinnvoll ist. Obwohl es mittlerweile auch fair gehandelte Produkte in Supermärkten gibt, machen Lebensmittel in der Klostergasse die Hälfte des Umsatzes aus. Vor allem Kaffee aus Äthiopien oder Tansania ist ein Hauptprodukt, 250 Kilo pro Jahr werden verkauft. Beim diesjährigen Stadtfest kocht die Diakonie-Migrationsberatung zum Altstadtfrühstück Kaffee aus dem Eine-Welt-Laden.

„2017 hatten wir wohl auch einen Luther-Boom“, gibt Andreas Görlitz zu. Jeden ersten Sonntag im Monat bestückt der Verein das Kirchencafé in der Marienkirche. Mit dem scheidenden Pfarrer Lechner in Frauenhain werden Konfirmanden an das Thema „Fairer Handel“ herangeführt. In der „Fairen Woche“ im Herbst kooperiert der Verein mit der Gaststätte Holzweg in Großenhain, dann gibt es dort eine spezielle Speisekarte. Und manche Produkte wie Schokolade sind dauerhaft im Angebot.

Schokolade und Wein sind die weiteren Produkte, die im Eine-Welt-Laden gut gehen. Schwieriger ist dagegen der Absatz von Kunsthandwerk – obwohl das Geschäft als Geschenkeladen bekannt ist. „Wir haben die Produkte, die schon lange auf Lager sind, jetzt deutlich heruntergesetzt“, sagt Dorothee Görlitz. Allerdings sind sie aus gutem Grund immer noch teurer als anderswo. „Fairer Handel heißt für uns, dem Produzenten einen gerechten Preis für seine Ware zu zahlen“, so Dorothee Görlitz. Das verbessert die Lebensbedingungen in Entwicklungsländern und hilft damit auch, Migration zu vermeiden. Eine ganz aktuelle Aufgabe also.

Doch obwohl der Verein großen Wert auf solche Bildungsarbeit legt, bleibt den Berufstätigen immer weniger Zeit dazu. Unentgeltliche Einsätze in Schulen sind kaum möglich. Der Verein kann allerdings Kooperationen mit den Kirchgemeinden Riesa und Nünchritz zum jährlichen Weltgebetstag vorweisen, beim Weihnachtsmarkt in Ebersbach war man vertreten, im christlichen Kindergarten Großenhain lief das Projekt „Eine Handvoll Reis“. Ansetzen will der Eine-Welt-Laden nun bei der aktuellen Recycling-Diskussion. Verkauft werden zum Beispiel Waren aus Indien, die aus Fahrradketten hergestellt wurden: Uhren, Flaschenöffner oder Untersetzer. „Ausbeuterische Kinderarbeit ist bei uns tabu“, unterstreicht Görlitz. Bildungsarbeit läuft auch mit dem Verkauf und der Ausleihe von globalisierungskritischen Büchern.