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Dippoldiswalde braucht mehr Kitaplätze

Dieses Jahr ist noch jedes Kind untergekommen. Aber in Zukunft wird das schwierig.

© Baldauf

Von Franz Herz

Dippoldiswalde. Dieses Jahr hat es in Dippoldiswalde noch gereicht. Jede Familie, die für ihr Kind einen Platz bei einer Tagesmutter, einer Kinderkrippe oder im Kindergarten suchte, hat auch einen bekommen. Manchmal haben die Einrichtungen unter sich etwas geregelt oder die Stadtverwaltung dabei steuernd eingegriffen. Denn die Nachfrage ist in der Kernstadt am höchsten. Hier betreibt der Kreisverband des Deutschen Roten Kreuzes die Kita Märchenland an der Glashütter Straße. „Wenn es hier eng wird und wir in unserer Einrichtung in Paulsdorf noch Platz haben, machen wir den Eltern das Angebot“, sagt Carola Engelbrecht, die beim DRK für die Kitas verantwortlich ist. „Manche sind begeistert von der kleinen Einrichtung.“ Wenn die Eltern bei den Kitas nicht weiterkommen, können sie sich an die Stadtverwaltung wenden, die dann eine Lösung sucht, beispielsweise ein Kind zu einer Tagesmutter umlenkt anstatt in die Krippe. Aber das ändert nichts daran, dass in Dippoldiswalde insgesamt die Kita-Plätze knapp werden. Ob im kommenden Jahr noch alle Kinder unterkommen, ist fraglich.

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Ein Blick auf die Kita Märchenland an der Glashütter Straße. Hier wurde ein Ausbau des Dachgeschosses geprüft. Das ist aber wegen Brandschutzauflagen zu teuer.
Ein Blick auf die Kita Märchenland an der Glashütter Straße. Hier wurde ein Ausbau des Dachgeschosses geprüft. Das ist aber wegen Brandschutzauflagen zu teuer. © Baldauf

Das Problem ist seit Anfang des Jahres bekannt, aber nach den neuesten Prognosen verschärft es sich noch. Ab kommendem Jahr wird die Zahl der Betreuungsplätze im Stadtgebiet nicht mehr reichen, informierte Hauptamtsleiterin Irena Hoffmann den Stadtrat. 818 Kinder müssen betreut werden. 773 Plätze hat die Stadt in ihren Krippen, bei Tagesmüttern und in den Kindergärten. 45 Plätze fehlen in den kommenden Jahren nach diesen aktuellen Vorhersagen.

Die Stadtverwaltung sucht nach Lösungen für dieses Problem und hat dazu auch schon Kontakt mit den freien Trägern aufgenommen, die in Dippoldiswalde aktiv sind. Jörg Ihbe ist Geschäftsführer des Diakonischen Werks, welche die Kita Schlosspatzen in Reichstädt und die Waschbärchen in Dippoldiswalde betreibt. Er will kurzfristig prüfen, ob die Diakonie zusätzliche Plätze über eine Sondergenehmigung einrichten kann. Bei den Waschbärchen ist das nicht möglich, aber in Reichstädt gibt es noch Möglichkeiten. Allerdings sind auf diesem Weg nur einzelne Plätze zu gewinnen, auf keinen Fall die benötigte Zahl von 45.

Das Rote Kreuz hat schon untersucht, ob der Dachboden in der Kita Märchenland in der Glashütter Straße ausgebaut werden kann. Aber die Kosten dafür lägen jenseits von Gut und Böse, sagt Carola Engelbrecht. Platz wäre zwar vorhanden unterm Dach. Aber die hohen Brandschutzanforderungen sind der Knackpunkt. Es müsste beispielsweise ein zweites Treppenhaus errichtet werden. Außerdem steht die Frage, ob es sinnvoll ist, ein altes Gebäude auszubauen oder ob es nicht besser wäre, einen Neubau nach heutigen Standards zu errichten.

Die Stadtverwaltung prüft die Möglichkeiten, die es im Stadtgebiet gibt, wo geeignete Flächen liegen, wo es Gebäude gibt, die infrage kämen. Bisher ist noch keine Lösung so weit gediehen, dass sie dem Rat vorgestellt werden konnte. Vor allem muss bei jeder Variante in größerem Maß umgebaut oder ganz neu gebaut werden. Beispielsweise waren im Frühjahr drei Kindergruppen aus der Kita Märchenland provisorisch in ehemaligen Berufsschulräumen untergebracht. Für die kurze Zeit ging das. „Es war für drei Wochen geplant und hat dann etwas länger gedauert, bis die Umbauarbeiten abgeschlossen waren“, berichtet Carola Engelbrecht. „Aber für einen längeren Zeitraum, sagen wir mal ein Jahr, hätten wir da nie eine Betriebserlaubnis bekommen.“ Die Lage des Gebäudes wäre nicht schlecht für eine Kita, aber auch hier wären aufwendige Umbauarbeiten erforderlich. Außerdem müsste sich die Stadt mit dem Landratsamt einigen, denn bisher gehört das Grundstück noch dem Landkreis. Ein Anbau auf der Rückseite der Kita Märchenland ist auch eine Variante, der würde allerdings auf Kosten des bisherigen Spielgeländes gehen.

Dippoldiswalde kann bei der Lösung seines Betreuungsproblems durchaus mit Hilfe rechnen. So hat der Jugendhilfeausschuss im Landkreis die Stadt Dippoldiswalde vorne auf seine Liste für Fördervorhaben aufgenommen, wie Marco Mätze (Linke) informierte. Aber erst müssen sich die Verantwortlichen in der Stadt auf eine Lösung verständigen, für die sie dann Förderung beantragen können. Das ist eines der dringendsten Probleme, das Dippoldiswalde in nächster Zeit zu lösen hat.