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Altes Stadthaus in Dipps neu aufgebaut

Ein besonderes Bauvorhaben läuft in der Dippoldiswalder Wassergasse. Um die ganze Baustelle wurde ein provisorisches Haus gebaut, obwohl dort kaum Platz ist.

Polier Thomas Winkler (li.) und Bauherr Eckart Fraustadt, Geschäftsführer der Baufirma Kleber und Heisserer, stehen auf der Baustelle in der Wassergasse.
Polier Thomas Winkler (li.) und Bauherr Eckart Fraustadt, Geschäftsführer der Baufirma Kleber und Heisserer, stehen auf der Baustelle in der Wassergasse. © Karl-Ludwig Oberthür

Eine interessante Baustelle ist in der Dippoldiswalder Wassergasse zu beobachten. Mitten in der Stadt wird ein fast 200 Jahre altes Haus von Grund auf neu aufgebaut. Damit die Arbeiten auch im Winter vorangehen, schützt ein Gerüst mit einem provisorischen Dach die komplette Baustelle, sozusagen ein Hausbau im Haus.

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Das hat eine kleine Vorgeschichte. Bis 2016 war in der Großen Wassergasse das Geschäft „Katrins Kinderland“. Inhaberin Katrin Böhme hat es geschlossen. Dann stand es eine ganze Weile leer, bis die Inhaber der Baufirma Kleber und Heisserer, Eckhart Fraustadt und Mike Denk, davon erfahren haben. „Wir hatten zu der Zeit einige ausländische Mitarbeiter und hatten uns überlegt, kleine Wohnungen zu bauen, um sie unterzubringen“, erzählt Eckart Fraustadt.

Die Frontmauer steht unter Denkmalschutz

Außerdem hat das Unternehmen alle Mitarbeiter, die für ein solches Projekt benötigt werden, im eigenen Haus. Das reicht vom Planer und Statiker bis zum Vorarbeiter und Maurer. Für die Baufirma, die zum einen auf Ingenieurbauten wie Brücken oder Stützwände, zum anderen auf Landwirtschaftsbau spezialisiert ist, ist es im Winter immer schwierig, ihre Mitarbeiter zu beschäftigen. Da war die eigene Baustelle willkommen. Mit dem Wohnungsbau geht das Unternehmen zwar auf ein neues Feld. „Es wäre aber denkbar, dass wir so etwas in Zukunft öfter machen als weiteres Standbein“, sagt Fraustadt.

Mit einem Gerüst wurde die ganze Baustelle in der Wassergasse eingehaust, damit die Arbeiten im Winter weitergehen konnten.
Mit einem Gerüst wurde die ganze Baustelle in der Wassergasse eingehaust, damit die Arbeiten im Winter weitergehen konnten. © Egbert Kamprath
Anfang März war das ganze Haus entkernt. Man konnte vom Gerüst bis auf den Erdboden durchsehen.
Anfang März war das ganze Haus entkernt. Man konnte vom Gerüst bis auf den Erdboden durchsehen. © Egbert Kamprath

Vor Baubeginn verhandelte er auch mit der Denkmalschutzbehörde. Sie einigten sich darauf, dass die Frontmauer zur Wassergasse hin stehen bleiben muss und der Dachstuhl erhalten werden soll. Die Mauer steht auch noch. Nachdem die Bauleute aber die Dachziegel abgedeckt hatten, erwies sich das Dachgebälk als so marode, dass nichts anderes blieb als es auszuwechseln, erklärt Fraustadt. „Das war nur noch Staub.“ „Vom Nachbarn haben wir erfahren, dass das Haus im Jahr 1831 gebaut wurde“, erzählt Thomas Winkler, der als Polier die Baustelle leitet.

Winterbaustelle, um die Mitarbeiter auszulasten

Er hat auf dem engen innerstädtischen Grundstück einige Aufgaben zu lösen. Das Grundstück reicht gerade, um zwei Stellplätze für Pkw zu schaffen, die eine schmale Zufahrt von hinten, von der Brauhofstraße aus, haben. „Wir wollten vier machen, aber das gibt der Platz nicht her“, sagt Fraustadt. Es hat schon einige Mühe gekostet, dort überhaupt einen Baukran aufzustellen.

Besonders auffällig ist die Baustelle derzeit, weil sie komplett eingehaust ist. Ein Gerüst steht auf der Wassergasse und ein provisorisches Dach ragt auch über die Nachgebäude hinaus. Das war notwendig, um auch im Winter arbeiten zu können. „Nur bei den ganz niedrigen Temperaturen im Februar ging mal kurz nichts, aber ansonsten haben wir durchgearbeitet“, sagt Fraustadt.

Anfang November war Baustart. Das ist die Zeit, in der auf den meisten Baustellen Ruhe einkehrt. Da nahm das Projekt in der Wassergasse Fahrt auf. Das Gebäude wurde komplett entkernt. Bis auf die beiden Außenwände ist nicht mehr viel übrig vom alten Haus. Eine solche Baustelle ist aufwendiger als ein Neubau auf der grünen Wiese. Fraustadt rechnet mit Gesamtkosten von rund einer halben Million Euro.

Die Pläne der Bauherren ändern sich

Aber so wie der Bau seine Überraschungen gebracht hat, wandelten sich auch die Pläne der Bauherren. Die Notwendigkeit, ausländische Mitarbeiter unterzubringen, ist nicht mehr so groß. Aber in Dipps besteht eine große Nachfrage nach Wohnraum, bemerkten die Unternehmer. Ursprünglich sollten dort sechs Wohnungen entstehen, jetzt werden es wahrscheinlich nur noch vier, dafür aber größere. Ob die Bauherren diese als Eigentumswohnung verkaufen oder vermieten, ist auch noch nicht endgültig entschieden. Sie sind im Gespräch mit einem Makler, was die beste Lösung ist.

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Der Bau macht aber deutliche Fortschritte. Anfang März konnte man von oben bis auf den Erdboden durchs ganze Haus schauen. Vergangene Woche wurden die Decken eingezogen. Im Sommer soll es fertig werden. Wenn alles so läuft, wie es sich die Chefs von Kleber und Heisserer vorstellen, werden sie ihre Mitarbeiter dann wieder auf den Baustellen ihrer Kunden in der Region einsetzen.

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