SZ + Dippoldiswalde
Merken

Dippoldiswalde: Roboterhund lockt zur Uni

Knapp 30 Firmen und Hochschulen stellten in Dipps jungen Menschen ihre Angebote vor. Ein Stand war besonders.

Von Maik Brückner
 4 Min.
Teilen
Folgen
Lisa Marie Küssel vom TU Dresden-Exzellenzcluster Ceti zeigt dem Dippser Schulleiter Volker Hegewald, wie der Roboterhund zu steuern ist und warum man mit ihm forschen kann.
Lisa Marie Küssel vom TU Dresden-Exzellenzcluster Ceti zeigt dem Dippser Schulleiter Volker Hegewald, wie der Roboterhund zu steuern ist und warum man mit ihm forschen kann. © Egbert Kamprath

Kein Zweifel: Dieser Hund war ein Hingucker. Der Roboter in Tiergestalt begeisterte jeden, der am Sonnabend das Dippser Glückauf-Gymnasium betrat, um sich in der von der Wirtschaftsförderung des Kreises veranstalteten Unibörse über Karrierechancen zu informieren. Den Elektrohund, der von Mitarbeitern der TU Dresden von einem Joystick gesteuert wurde, konnte verschiedene Laufbewegungen machen und sogar zuschnappen. Mitgebracht wurde er von Lisa Marie Küssel vom Exzellenzcluster der TU.

Wer wollte, konnte von ihr nicht nur erfahren, was es mit dem Hund auf sich hat, sondern auch, warum sie und ihr Team nach Dippoldiswalde gekommen sind. Damit könne man zeigen, was eine Datenübertragung in Echtzeit möglich macht, erklärte die Wissenschaftlerin. "Wir entwickeln Technologien, die in zehn, 15 Jahren in jedem Unternehmen angewendet werden." Deshalb müssten die Schüler jetzt dafür begeistert werden. "Wir wollen Berührungsängste abbauen."

Mario Zado ist Schulleiter des neuen Helios Bildungszentrums. Er stellt die Möglichkeiten der Klinik-Schule vor, die in diesem Jahr ihren Betrieb in Freital aufgenommen hat.
Mario Zado ist Schulleiter des neuen Helios Bildungszentrums. Er stellt die Möglichkeiten der Klinik-Schule vor, die in diesem Jahr ihren Betrieb in Freital aufgenommen hat. © Egbert Kamprath

Sebastian Salomo, der bei der Wirtschaftsförderung des Kreises arbeitet und den Hut für die Veranstaltung aufhatte, hatte den Eindruck, dass dies gelungen war. Immer wieder suchten junge Leute das Gespräch mit den Wissenschaftlern. Auch die anderen Stände waren gut besucht. Insgesamt waren es 27 - nur etwas weniger als in den Vorjahren.

Großes Interesse an der Bundeswehr

Neben den bekannten Hochschulen und Universitäten informierten unter anderem auch die Helios-Kliniken, die Bavaria-Klinik, die Agentur für Arbeit, die Notarkammer Sachsen, die Spedition Hanitzsch und Sachsens Polizei über Ausbildungs- und Studienangeboten. Sorgen, dass wegen der Coronaauflagen weniger Jugendlichen kommen würde, hatte Sebastian Salomo nicht. "Das ist die dritte Veranstaltung, die unter solchen Auflagen stattfindet. Beim Tag der Ausbildung haben wir das schon zweimal geübt. Die Leute kennen es ja."

Stabsfeldwebel Uwe Dannenberg informiert Nele Preißler am Infostand über Ausbildungsmöglichkeiten der Bundeswehr.
Stabsfeldwebel Uwe Dannenberg informiert Nele Preißler am Infostand über Ausbildungsmöglichkeiten der Bundeswehr. © Egbert Kamprath

Auch die Bundeswehr war mit einem Stand nach Dipps gekommen. Hier verteilte Uwe Dannenberg nicht nur Flyer. Der Stabsfeldwebel war auch ein gefragter Gesprächspartner. Nele Preißler aus Dipps kam mit konkreten Fragen zu ihm. Die 18-Jährige, die im nächsten Jahr ihr Abitur ablegen wird, kann sich eine Karriere bei der Bundeswehr vorstellen. Sie würde dort gern ein Medizinstudium aufnehmen.

Dannenberg weiß, dass die Bundeswehr für viele attraktiv ist, weil Sold bezahlt wird und die Zulassungskriterien nicht so hoch sind wie an anderen Universitäten. "Für unsere Studien- und Ausbildungsangebote interessieren sich mehr Mädchen als Jungs", so Dannenberg. "Die beliebtesten Studiengänge bei den Mädchen sind Medizin und Psychologie, bei den Jungs sind es eher die technischen Richtungen."

Rund 350 Besucher kamen zur Unibörse in die Aula des Dippser Gymnasiums. 27 Hochschulen, Firmen und Behörden stellen sich und ihre Angebote vor.
Rund 350 Besucher kamen zur Unibörse in die Aula des Dippser Gymnasiums. 27 Hochschulen, Firmen und Behörden stellen sich und ihre Angebote vor. © Egbert Kamprath

Solveig Surner, Personalleiterin beim Dresdner Unternehmen Robotron Datenbank-Software GmbH, war froh, nach den letzten eineinhalb Jahren Jugendliche wieder direkt beraten zu können. Wegen der Corona-Pandemie sei das nicht möglich gewesen. Onlineberatungen ersetzten nur bedingt solche Veranstaltungen wie die Unibörse, sagt sie. "Hier in Dippoldiswalde haben sich sehr viele junge Frauen für Studien in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik interessiert."

Für Arthur Liebscher aus Possendorf hatte sich die Fahrt nach Dipps gelohnt. "Es war sehr informativ." Der 18-Jährige, der auch das Dippser Gymnasium besucht, möchte nach der Schule Chemie studieren. Die Unibörse nutzte er, um über die Angebote in Freiberg und Dresden zu informieren. Am Ende war er einer von rund 350 Besuchern.

Sebastian Salomo zeigte sich zufrieden mit der Resonanz. Auch die im Rahmen der Unibörse angebotenen Fachvorträge waren sehr gut besucht. "Es war eine gelungene Veranstaltung", befand er.

Landrat Michael Geisler (CDU) besuchte die Veranstaltung für gut zwei Stunden. "Dafür, dass wir im letzten Jahr coronabedingt pausieren mussten, sind wir sehr zufrieden. Unsere Partner sind uns treu geblieben." Bewährt habe sich die Mischung aus Ständen und Fachvorträgen. "Das ist ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber allen anderen Veranstaltungen, die wir machen."

"Wir haben uns überlegt, ob wir für den nordöstlichen Raum des Landkreises ein ähnliches Angebot schaffen wollen." Denn Dipps ist für junge Menschen aus Freital und Pirna noch gut zu erreichen, für Jugendliche aus Neustadt und Sebnitz ist der Weg nach Dippoldiswalde aber sehr weit. Deshalb soll ein ähnliches Angebot in Pirna geschaffen werden. "Mal sehen, ob wir das im nächsten Jahr hinbekommen. Es wäre wünschenswert", so der Landrat.

Schulleiter Volker Hegewald, Gastgeber der Unibörse, nutzte den Tag, um Kontakt zu knüpfen. Er konnte Lia Marie Küssel dafür gewinnen, den für Anfang November geplanten pädagogischen Tag zum Thema digitales Lernen mitzugestalten. Sie und der Roboterhund sollen helfen, die Kollegen dafür zu begeistern, künftig auch iPads im Unterricht einzusetzen. "Sie sollen helfen, das Eis zu brechen." Er hatte den Eindruck, dass das bei der Unibörse schon mal gut gelungen sei.