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Regisseurin hat Dippser Geschichten gesammelt

Miriam Tscholl hat mehrere Dippoldiswalder zu ihrer Biographie befragt. Daraus sind lesenswerte Texte entstanden, die jetzt vorgestellt werden.

Die in Freital lebende Regisseurin Miriam Tscholl hat im Frühjahr 25 Dippser nach ihren Erlebnisse aus der Arbeitswelt gefragt. Jetzt stellt sie die Texte vor.
Die in Freital lebende Regisseurin Miriam Tscholl hat im Frühjahr 25 Dippser nach ihren Erlebnisse aus der Arbeitswelt gefragt. Jetzt stellt sie die Texte vor. © dpa-Zentralbild

Der Alltag kann spannend sein. Davon ist die Regisseurin Miriam Tscholl überzeugt. Deshalb begab sie sich im Frühjahr auf die Spur, um von jungen und alten Bürgern aus Dippoldiswalde zu erfahren, mit welcher Arbeit sie ihr Geld verdienen, wie sie zu ihren Berufen gekommen sind und was sie antreibt. "Aus den Interviews habe ich berührende und persönliche Kurzgeschichten geschrieben", sagt sie. Auszüge daraus werden nun in zwei Lesungen vorgestellt. Miriam Tscholl hofft, dass dazu viele Besucher kommen. Sie fand das Projekt sehr spannend und aufschlussreich. 

Zu ihren Gesprächspartnern kam sie auf ganz unterschiedliche Weise, manche sprach sie bei einem Rundgang durch die Stadt an, andere wurden ihr von Ortschaftsräten vermittelt, andere von den Mitarbeitern des Kulturzentrums Parksäle und wieder andere spürte sie im Internet auf. Sie traf einen ehemaligen Bürgermeister, Landwirte, Hausmeister, Angestellte, Frisörinnen und Verkäuferinnen. Mit jedem ihrer 25 Gesprächspartner, die zwischen 30 und über 80 Jahre alt sind, unterhielt sie sich jeweils ein bis zwei Stunden. Ihnen stellte sie verschiedene Fragen, so zum Beispiel diese: Warum haben Sie diesen Beruf ergriffen? Was haben Sie gearbeitet, was haben Sie erlebt? Und welche Dinge können sich die jungen Leute von heute nicht vorstellen? 

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Dabei erfuhr die junge Frau, die im Süden Deutschlands geboren wurde, im Schwarzwald aufwuchs, lange Zeit die Dresdner Bürgerbühne leitete und jetzt in Freital lebt, kuriose aber auch ernste und sehr positive Geschichten aus der Nachkriegszeit, der DDR-Zeit und aus der Gegenwart. So berichtet ihr ein Mann von seiner Arbeit bei der Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft (LPG) und dass er sich nebenbei Kaninchen hielt. Diese verkaufte er für 30 Mark und kaufte sie wenig später wieder für zehn Mark zurück, um ihn dann zum Braten zu machen.

Miriam Tscholl traf sich unter anderem mit Jutta Günther aus Sadisdorf, Karl-Günter Schneider aus Obercarsdorf, Manja Drutschmann aus Reichstädt und Werner Irmscher aus Berreuth.
Miriam Tscholl traf sich unter anderem mit Jutta Günther aus Sadisdorf, Karl-Günter Schneider aus Obercarsdorf, Manja Drutschmann aus Reichstädt und Werner Irmscher aus Berreuth. © Egbert Kamprath

Eindrücklich war auch die Schilderung einer Frau aus Hennersdorf. "Sie hat ihre Lebensgeschichte in einer bescheidenen, liebenswürdigen Weise und mit so einer Frische erzählt." Die Hennersdorferin hatte eine sehr ungewöhnliche Berufskarriere. Sie kam aus der Landwirtschaft, durfte aus ideologischen Gründen nicht studieren und  wurde Verkaufsstellenleiterin. Nach ihrer Heirat arbeitete sie 15 Jahre in der sogenannten Heimarbeit. So war es ihr möglich, sich um die Kinder zu kümmern. Diese konnte sie nicht zur Krippe nach Dipps bringen, da die Familie zu DDR-Zeiten kein Auto hatte. Die junge Mutter fertigte in ihrer Wohnung Teile für das Glashütter Uhrenwerk, 1.200 Stück am Tag war ihr Soll. Um das zu schaffen, brauchte sie sieben bis acht Stunden. Tagsüber war wenig Zeit, sie musste sich um die Kinder kümmern. Erst nach dem Sandmann, der die Kinder um 19 Uhr ins Bett schickte, konnte sie wirklich arbeiten. Bis Mitternacht saß sie an ihrer Stanze. Morgens um 4 Uhr war die Nacht zu Ende. Nach der Wende arbeitete die Hennersdorferin noch kurz in der Uhrenfabrik, dann wurde sie arbeitslos, machte dann eine ABM, ließ sich zu einer Garten- und Landschaftsbaugärtnerin ausbilden und arbeitete am Ende am  Fließband bei einem Möbelhersteller.

Miriam Tscholl hörte viele weitere interessante Geschichten. Damit auch andere davon erfahren, hat sie diese unter dem Titel "Geht los - Geschichten von der Arbeit" in einer kleinen, 70-seitigen Broschüre veröffentlicht. Zwei Texte konnte Tscholl nicht in die Broschüre nehmen, weil es sich ihre Geschäftspartner anders überlegt haben. Alle anderen sind im Heftchen, die meisten mit Namen, einige wenige sind anonymisiert.

Im Heft selbst wechseln sich längere Text, kurze Passagen und Weisheiten ab. Der Charakter ist sehr unterschiedlich. Manche Texte führen zu einem Lächeln, andere  machen nachdenklich und wieder andere sind sehr informativ. Die Broschüre kann nach der Lesung zum Preis von fünf Euro erworben werden. 

Hier werden Dippser Geschichten von der Arbeit vorgelesen:

  • "Geschichten von der Arbeit" ist ein "Dresden 2025"-Projekt der Regisseurin Miriam Tscholl, mit dem sich Dresden um die Kulturhauptstadt bewarb.
  • Die gebürtige Schwarzwälderin arbeitete mit dem Amt für Kultur und Denkmalschutz der Landeshauptstadt Dresden, dem Kulturzentrum Dippoldiswalde und dem Staatsschauspiel Dresden zusammen.
  • Es entstanden Texte, die am 28. Oktober und am 6. November, jeweils 19.30 Uhr, bei Lesungen in den Parksälen in Dippoldiswalde vorgestellt werden. 
  • Lesen werden Philipp Lux und Nadja Stübinger vom Staatsschauspiel Dresden. 
  • Tickets (Eintritt 5 Euro) gibt es über die Homepage der Parksäle. 

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