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So lief die Sonntags-Ladenöffnung in Glashütte

Der Weihnachtsmarkt in der Uhrenstadt war wie überall abgeblasen. Wie die Alternative bei den Kunden ankam.

Von Franz Herz
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Konditormeister Sebastian Gaffron backt Quarkspitzen, die Tochter Adele und seine Frau Nora verkaufen. Die Nachfrage ist gut.
Konditormeister Sebastian Gaffron backt Quarkspitzen, die Tochter Adele und seine Frau Nora verkaufen. Die Nachfrage ist gut. © Karl-Ludwig Oberthür

Konditormeister Sebastian Gaffron legt mit dem Eisportionierer ein Teigbällchen nach dem anderen aufs Backpapier und hebt sie damit in die Fritteuse. Schnell nehmen sie Farbe an. Wenn die passt, hebt er die Quarkspitzen heraus und seine Frau Nora sowie Tochter Adele verkaufen sie an die Passanten auf der Glashütter Hauptstraße. Die Familie hat am Sonntagnachmittag alle Hände voll zu tun.

Weihnachtsmarkt kurzfristig abgesagt

„Wir haben hier letztes Jahr auch schon was geholt“, sagt Silke Härtel. „Damals war sogar eine lange Warteschlange“, erinnert sie sich. Mit dieser Erfahrung haben Gaffrons das jetzt etwas anders organisiert. Sie haben auch einen Vorteil. An ihrem Stand im Freien, wo sich niemand hinsetzt, müssen sie keinen Impfstatus kontrollieren. Dagegen gilt in den Geschäften 2G.

In früheren Jahren hatte die Bäckerfamilie einen Stand auf dem Weihnachtsmarkt. Der findet in Glashütte traditionell am ersten Adventswochenende statt, fällt jetzt aber zum zweiten Mal aus. Alles war schon vorbereitet, ehe der Corona-Virus kurzfristig wieder eine Absage erzwang. Übriggeblieben war von den ganzen schönen Plänen die Sonntagsöffnung, an der sich viele Geschäfte in der Stadt beteiligten. Unter dem Titel „Adventsgestöber“ haben sie mit ihrem normalen Angebot geöffnet, aber auch Spezialitäten vorbereitet.

Der Weihnachtsmann hatte schon eingekauft

So bietet im Kosmetikstudio „Hautnah“ von Anja Steingen auch Ralf Kirchner aus Oelsa Mützen, Schals und anderes aus Alpakawolle an. Er hat normalerweise Stände auf verschiedenen Weihnachtsmärkten. Die fallen alle aus. „Da wollte ich ihm einmal eine andere Möglichkeit bieten“, sagt Anja Steingen. Ansonsten hat sie verschiedenste Körperpflegeprodukte, aber auch Pyramiden und Weihnachtliches im Angebot. Mit ihren roten Mützen sind sie und ihre Mitarbeiterinnen hübsche Weihnachtswichtel.

Auch der Weihnachtsmann hatte schon für den Markt eingekauft und seinen Sack mit finanzieller Hilfe vom Ortschaftsrat und der Stadt gefüllt. Nun lagen eine Menge Adventskalender da. Die hat nun Bianca Braun, die Organisatorin des Weihnachtsmarkts, an die verschiedenen Geschäfte verteilt, damit sie diese beim Adventsgestöber bevorzugt an ihre jüngeren Kunden weitergeben.

Ersatzteile für Pyramiden gefragt

Manuela Sohr im Kindergeschäft Anna und Otto begrüßt am Sonntag immer wieder Kunden und hat für sie weitere kleine Geschenke bereit. Neben den städtischen Adventskalendern gibt es auch Teelichter für die Erwachsenen zum Lichteln.

Die Stimmung bei den Geschäftsleuten ist nicht überschwänglich. „Ich mache mit, damit mal etwas geboten ist“, sagt Björn Weidig in seinem Bastelgeschäft und Schlüsseldienst. Nach zwei Stunden hatte er vier Kunden. Drei hatten noch Teile für ihre Pyramiden gesucht, die sie in den letzten Tagen wieder aufgestellt haben, einer ein Räucherhäuschen gekauft.

Schließung des Deutschen Uhrenmuseums schmerzt

Zu Glashütte gehören natürlich die Uhrengeschäfte. Zwei von Ihnen, Nomos und Hoffmann direkt neben dem Museum, haben regulär jeden Sonntag offen. Beide spüren deutlich, dass das Museum derzeit geschlossen hat. Da kommen kaum Uhrenfans von außerhalb. „An anderen Sonntagen ist mehr los, aber auch sehr wetterabhängig“, sagt Victoria Ahrendt bei Nomos. Wenn Kunden kämen, hätte sie spezielle Black-Friday-Angebote, Champagner und Schokolade.

Uhrmacher Frank Smigerski öffnet sonntags nur zu besonderen Anlässen. „Jetzt war das mit dem Weihnachtsmarkt so geplant, da bleiben wir auch dabei“, sagt Christine Smigerski. „Aber die Nachfrage ist wenig im Vergleich zu den Sonntagen, wenn hier Markt war. Dann war wirklich was los.“

Organisatorin Bianca Braun berichtet von den Ideen, die sie für den Markt vorbereitet hatte, beispielsweise eine Weihnachtsrallye durch die verschiedenen Geschäfte. Das liegt jetzt alles auf Eis. „Aber nächstes Jahr können wir so etwas hoffentlich wieder mit einem richtigen Weihnachtsmarkt verwirklichen“, sagt sie.