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Präsident in schweren Zeiten

Michael Gödiker hat jetzt für den Geisinger Eisfasching die Kappe auf. Doch in Corona-Zeiten ist das alles andere als witzig.

Michael Gödiker ist der neue Geisinger Faschingspräsident.
Michael Gödiker ist der neue Geisinger Faschingspräsident. © Egbert Kamprath

Der November rückt langsam näher und damit scharren normalerweise auch die Narren zunehmend mit den Füßen. Schließlich beginnt mit dem 11.11. in alter Tradition die fünfte Jahreszeit. In Geising ist diesmal vieles anders, nicht nur wegen des Coronavirus. An der Spitze des Ski- und Eisfaschings hat sich etwas geändert, denn das Amt des Präsidenten wurde in neue Hände gegeben. 

Drei Jahre stand Thomas Langner dem Fasching vor, zog vor kurzem aus familiären Gründen aber nach Dresden. Da er jedoch der Meinung ist, dass ein Präsident vor Ort sein sollte, gab er sein Amt auf. Sein Nachfolger Michael Gödiker ist vor Ort. Der 46-jährige Elektromeister wurde im Mai von der Mitgliederversammlung gewählt und führt nun das „Schiff“ durch überaus raues Fahrwasser. 

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Schauen, beraten lassen, mit dem Bauherren sprechen. Am 25. Oktober findet eine Baustellenbesichtigung in Döbeln statt.

Ganz neu sind ihm die Aufgaben als Chef allerdings nicht, denn seit drei Jahren ist Michael Gödiker Vereinsvorsitzender. Nun kommt das Präsidentenamt dazu, dem Gesicht des Faschings in der Öffentlichkeit. So sind beide Funktionen in einer Person wieder vereint, wie es früher auch schon war. Zum festen Kern gehört Michael Gödiker aber schon lange. Seit zehn Jahren arbeitet er im Elferrat mit, war 2009/2010 Prinz, zusammen mit seiner Frau Winnie, durch die der gebürtige Zinnwalder auch vom Faschingsvirus angesteckt wurde. Ihr Opa, Fritz Brüske, war 1955 erster Geisinger Präsident.

Der Faschingssaal bleibt dieses Jahr geschlossen

Nun setzt Michael Gödiker diese Familientradition fort und hält die Fäden in der Hand. Immerhin sind 120 Leute jüngeren und älteren Semesters aktiv, mittlerweile nicht nur aus Geising, sondern auch aus benachbarten Ortsteilen. „Gerade in der heißen Phase geht schon ordentlich Zeit drauf“, sagt der selbstständige Elektromeister. „Deshalb bin ich froh, dass der Elferrat so gut dahintersteht. Das ist eine eingeschworene Truppe. Da passt kein Blatt Papier dazwischen. Die ziehen alle bedingungslos mit. Da gehört auch viel Verständnis in den Familien dazu“, sagt der Vater von drei Söhnen. 

Da ist es am besten, der Nachwuchs macht auch schon mit, wie Sohn Hannes als Schulprinz. „Eigentlich ist bei uns das ganze Jahr was los, ob zur Faschingswanderung, beim Weihnachtsmarkt oder Klitscherfest. Im Februar wird natürlich die ganz heiße Phase mit Umzug und Prunksitzungen eingeläutet, da hat man kaum eine freie Minute.“

Doch davon können die Geisinger gegenwärtig nur träumen. Dass mit Corona alles anders wird, das war ihnen bald klar. Doch wie es überhaupt weitergeht, das steht immer mehr in den Sternen. Bis vor kurzem waren die Narren noch guter Hoffnung, wenigstens die traditionellen Saalveranstaltungen rund um den 11.11. durchführen zu können, auch wenn das einige Einschränkungen bedeutet hätte. 

So wären nur 160 Leute auf den Saal mit optimierter Bestuhlung zugelassen worden, Tanz hätte nicht stattgefunden und das Bühnenprogramm wäre in Form einer Comedyshow abgelaufen. Es gab sogar die mündliche Bestätigung für das eingereichte Hygienekonzept. Damit hätten die Narren irgendwie leben können, Hauptsache, es findet irgendetwas statt. 

„Der Geisinger Fasching wird nie untergehn!“

Am 13. Oktober kam sie dann aber doch, die endgültige Absage vom Gesundheitsamt angesichts der aktuellen Fallzahlen in der Region. Das war nicht nur für Michael Gödiker ein herber Schlag, denn er sieht mittlerweile den Geisinger Fasching in seiner Gesamtheit bedroht. „Ich hoffe natürlich, dass unsere Leute weiter zur Stange halten. Doch keiner weiß, wie lange die gegenwärtigen Zustände noch dauern und sich irgendwann Gleichgültigkeit breitmacht.“ 

Bald müssen Entscheidungen fallen, was aus dem traditionellen Faschingsumzug durch die Straßen der Stadt wird, denn ohne Vorbereitungen lässt sich ein solches Großereignis nicht durchführen. Das beginnt beim Bau des Prinzenwagens und endet bei der Werbung. Bislang haben die Geisinger immer einen Weg gefunden. Nur ein einziges Mal ist der Umzug ausgefallen, 1991 wegen des Irakkrieges. Doch diesmal macht sich wirklich Ratlosigkeit beim närrischen Volk breit, denn keiner weiß, wie lange die Einschränkungen wegen Corona noch andauern.

Eins soll aber auf jeden Fall durchgezogen werden, der Faschingsauftakt am 11.11. vor dem Ratskeller. Der findet unter freiem Himmel statt, sodass sich auch Zuschauer einfinden können. Nur der Rahmen wird kleiner ausfallen, da Oberschüler und Kindergartenkinder nicht dabei sind. Außerdem hofft Michael Gödiker, dass bis dahin klar ist, ob es einen Prinzen geben wird. Hinter den Kulissen wird darüber heftig beratschlagt. Der Präsident hofft, demnächst einen Namen bekannt geben zu können. So bestärkt auch alle Optimisten der Schluss eines Liedtextes: „… der Geisinger Fasching wird nie untergehn!“

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