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Klingenberger Waldschänke öffnet wieder

Fast zwei Jahre nach dem Brand entstand oberhalb der Talsperre Klingenberg ein Gaststättenneubau. Jetzt kommen die ersten Gäste.

Janine Schöbel-Kunath kommt mit dampfenden Tellern aus der Küche zu Familie Patzig aus Tharandt, die bei einem Ausflug zu den ersten Gästen der neuen Waldschänke gehörten.
Janine Schöbel-Kunath kommt mit dampfenden Tellern aus der Küche zu Familie Patzig aus Tharandt, die bei einem Ausflug zu den ersten Gästen der neuen Waldschänke gehörten. © Egbert Kamprath

Die Ereignisse um den 9. Januar 2019 haben das Leben von Frank Kunath und seiner Familie von Grund auf verändert. In wenigen Stunden hatte ein Großbrand die Arbeit von mehreren Generationen zerstört und aus der beliebten Ausflugsgaststätte Waldschänke oberhalb der Talsperre Klingenberg eine rauchende Ruine gemacht. 

Ein Schneesturm hatte die Straße nach Obercunnersdorf schwer passierbar gemacht und schließlich verlor die Feuerwehr den Kampf gegen die Flammen wegen Wassermangels, trotz des Stausees in unmittelbarer Nachbarschaft. Was der Brand nicht vernichtet hatte, das erledigte das Löschwasser. Mit großer Wahrscheinlichkeit hatte Überspannung nach einem Blitzeinschlag die alten Alu-Stromleitungen so beschädigt, dass es zum Kurzschluss kam.

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Doch von all dem ist nichts mehr zu sehen. Der Gastraum strahlt Moderne aus und ist dank großer Panoramafenster von Licht durchflutet. Wer früher schon einmal hier war, der erkennt die Räumlichkeiten nicht wieder. Wie auch, schließlich ist die alte Waldschänke verschwunden. An ihrer Stelle steht jetzt ein Neubau, in dem am vergangenen Donnerstag die ersten Gäste begrüßt wurden.

Frank Kunath lehnt sich ans Geländer der Freiterrasse. Schon für diese besondere Aussicht auf die Staumauer der Talsperre Klingenberg hat sich der ganze Aufwand des Wiederaufbaus gelohnt.
Frank Kunath lehnt sich ans Geländer der Freiterrasse. Schon für diese besondere Aussicht auf die Staumauer der Talsperre Klingenberg hat sich der ganze Aufwand des Wiederaufbaus gelohnt. © Egbert Kamprath

Geblieben ist der schöne Ausblick auf die Talsperre Klingenberg. Genießen kann man ihn jetzt von der ebenfalls neu gebauten Freiterrasse. Familie Patzig aus Tharandt hatte von der Wiedereröffnung durch einen Fernsehbeitrag erfahren und schaute bei einem Ausflug hier vorbei. „Ich kenne die Waldschänke schon als Kind. Traditionell wurde immer Harrys Schaschlik bestellt, den es übrigens immer noch gibt" sagt Olaf Patzig. "Auch während der Bauphase in den letzten Monaten waren wir immer mal wieder hier, um den Fortschritt der Arbeiten zu sehen. Mit dem Fahrrad ist das eine schöne Tour. Ich kann der Gastwirtsfamilie und dem Personal nur Hochachtung zollen, wie sie das hier gestemmt haben“, freut sich Olaf Patzig über die Wiedereröffnung.

Blick auf die neu entstandene Gaststätte Waldschänke bei Obercunnersdorf. Die Grundabmessungen sind gleich geblieben. Das Gebäude ist aber zwei Meter höher als sein Vorgänger.
Blick auf die neu entstandene Gaststätte Waldschänke bei Obercunnersdorf. Die Grundabmessungen sind gleich geblieben. Das Gebäude ist aber zwei Meter höher als sein Vorgänger. © Egbert Kamprath

Doch bis zur neuen Waldschänke war es ein langer Weg. Frank Kunath fragt sich im nachhinein immer wieder, wie er das geschafft hat. „Ich habe noch immer die Bilder von den Flammen vor mir, die aus den Fenstern schlagen und nach dem Brand vom Gastraum, der durch das Löschwasser eine einzige Tropfsteinhöhle war“, schildert der 60-Jährige seine Eindrücke von der Katastrophe. Für ihn, der vom Alter her eigentlich schon an den nahen Ruhestand denken sollte, begann ein Neuanfang. Zum Glück regulierte die Versicherung die Schäden und eine ungeahnte Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung und bei den Gästen setzte ein. 

Im Februar 2019 gab es im voll besetzten Pretzschendorfer Kulturhaus ein Benefizkonzert für die Brandopfer. All das machte Mut zum Weitermachen, denn es galt, eine lange Tradition zu bewahren. 1927 hatte Großvater Georg Pätzig mit der Bewirtschaftung eines Ausflugslokals begonnen, 1949 übergab er an seinen Sohn Harry und seit 1984 steht Frank Kunath hinterm Tresen. An seiner Seite arbeiten Ehefrau Elke, seine Tochter Janine im Service sowie ein angestellter Koch und eine Bedienung. „Ich bin froh, dass vor allem unser Personal trotz der langen Schließung zur Stange gehalten hat“, sagt Frank Kunath. Ganz ist die Gastronomie an der Waldschänke nie zum Erliegen gekommen. Im Sommer gab es rege genutzten Biergartenbetrieb. Gerade wegen der Corona-Beschränkungen kamen viele Leute hierher, da die Bewirtung, wenn auch mit eingeschränktem Angebot, unter freiem Himmel stattfand.

Diese Bilder haben sich eingeprägt, am 9. Januar 2019 brannte die alte Waldschänke nieder.
Diese Bilder haben sich eingeprägt, am 9. Januar 2019 brannte die alte Waldschänke nieder. © Egbert Kamprath

Die Gaststätteneröffnung sollte eigentlich etwas eher stattfinden, doch während der fast zweijährigen Bauzeit immer wieder veränderte Auflagen, unter anderem auch beim Brandschutz, machten gerade in der Zeit des Zieleinlaufs einige Umplanungen nötig.

Doch jetzt ist es geschafft. Die Waldschänke ist außer dienstags und mittwochs täglich ab 11.30 Uhr geöffnet. Es gibt bis zu 80 Plätze im Gastraum, die jetzt allerdings durch die Abstandsregelungen etwas reduziert wurden sowie 50 Plätze auf der Freiterrasse. Frank Kunath bittet allerdings vor allem am Wochenende um vorherige Reservierung unter 03520250215 oder [email protected], da mittlerweile auch viele Familienfeiern hier geplant sind.

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