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Deutsches Uhrenmuseum wieder geöffnet

Das Glashütter Museum lädt wieder zum Staunen ein. Allerdings gibt es einige Dinge zu beachten.

Michael Hammer steht in der neuen Ausstellung im Foyer des Uhrenmuseums. Hier wird einer der Glashütter Erfinder und seine Erfindung vorgestellt.
Michael Hammer steht in der neuen Ausstellung im Foyer des Uhrenmuseums. Hier wird einer der Glashütter Erfinder und seine Erfindung vorgestellt. © Karl-Ludwig Oberthür

Hier lebt die Zeit. Mit diesem Spruch begrüßt die deutschen Uhrenstadt Glashütte ihre Besucher. Doch in den letzten Wochen hatte man eher den Eindruck, dass hier die Zeit stehengeblieben ist. Speziell im Uhrenmuseum. Seit dem 2. November 2020 schlenderte kein Besucher mehr durch die Dauer- und Sonderausstellungen.

Das soll sich nun ändern. Das Uhrenmuseum meldet sich zurück. Ab dieser Woche empfängt es wieder Besucher. Wer die Ausstellungen sehen möchte, kann sich über die Homepage an den Besucherservice wenden und sich dort schriftlich anmelden. Telefonisch gehe das auch, schriftlich ist es dem Museum aber lieber.

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Die Uhrenfans können eines vor vier Zeitfenstern wählen, die zwischen Mittwoch bis Sonntag angeboten werden. Dann gibt es eine Bestätigung und dem Besuch steht nichts mehr im Wege.

Bisher nur wenige Anmeldungen

Der Ansturm war bisher verhalten. Dennoch: "Erste Anmeldungen sind bereits eingegangen", sagt Michael Hammer, Sprecher des Uhrenmuseums. Wie sich die Lage entwickeln wird, sei noch nicht abzuschätzen. Das Museum rechnet damit, dass die Besucherzahlen auch in diesem Jahr unter denen der Vorjahre liegen wird, als 30.000 und mehr Besucher ins Museum kamen. Vielleicht gelingt es, an die Zahlen von 2020 heranzukommen. Es kamen 19.000 Besucher.

"Über die Sommermonate und im Herbst lief es sehr gut. Es gab Zeiten, in denen die Leute auch mal warten mussten", erinnert sich Hammer. Denn auch 2020 gab es Obergrenzen für Besucherzahlen.

Führungen wird es vorerst im Museum nicht geben. Wenn es die Situation zulässt, werde man diese wieder anbieten, sagt Sprecher Michael Hammer.
Führungen wird es vorerst im Museum nicht geben. Wenn es die Situation zulässt, werde man diese wieder anbieten, sagt Sprecher Michael Hammer. © Uhrenmuseum Glashütte

Wer sich für einen Besuch entscheidet, der kann nicht nur die Dauerausstellung anschauen, sondern auch die im Herbst eröffnete Sonderausstellung "Glashütter Uhren – Wie alles begann", in der erklärt wird, wie in 175 Jahren aus der armen Bergstadt die deutsche Uhrenstadt wurde. Näher beleuchtet wird die Frühphase der Uhrenindustrie und das Wirken der vier frühen Uhrenmeister Ferdinand Adolph Lange, Julius Assmann, Moritz Großmann und Adolf Schneider. "Wegen der coronabedingten Pause haben wir die Ausstellung bis zum 5. September verlängert", so Hammer.

Neue, kleine Ausstellung zu Alfred Helwig

Mit dem Neustart eröffnet das Museum auch eine neue, kleine Ausstellung im Foyer. In deren Mittelpunkt steht ein Erfinder: Alfred Helwig. Der Uhrmachermeister, der 1886 in Goldbach in der Niederlausitz geboren wurde und 1974 in Glashütte starb, stellte vor 100 Jahren das Fliegende Tourbillon vor. Mit diesem Drehgestell wollte er den Effekt der Schwerkraft im Schwingsystem und der Hemmung einer Taschenuhr ausgleichen, sagt Hammer. Dazu dreht sich dieses Gestell gemeinsam mit den darin gelagerten Teilen in einer bestimmten Zeit einmal um die eigene Achse. Das Besondere am Fliegenden Tourbillon: Dieses wurde nicht wie bisher üblich an zwei gegenüberlegen Seiten, sondern nur an einer Seite gelagert.

Helwig hatte sich mit diesem Gestell seit 1913 beschäftigt. "1920 ist die Konstruktion ausgereift und wird erstmals an der Deutschen Uhrmacherschule in einer Taschenuhr ausgeführt", sagt Hammer. Er gibt aber auch bedenken, dass Helwig zwischen 1914 und 1917 zum Wehrdienst im Ersten Weltkrieg eingezogen war.

Die von Museumsleiter Ulf Molzahn im Herbst 2020 eröffnete Sonderausstellung zur Frühphase der Uhrenindustrie wird bis September verlängert. Hier zeigt er eines der ältesten Exponate aus der Zeit um 1848.
Die von Museumsleiter Ulf Molzahn im Herbst 2020 eröffnete Sonderausstellung zur Frühphase der Uhrenindustrie wird bis September verlängert. Hier zeigt er eines der ältesten Exponate aus der Zeit um 1848. © Egbert Kamprath

Die Ausstellung wurde zusammen mit der Manufaktur Glashütte Original gestaltet. Der Uhrenhersteller, der auch einer der Stifter des Museums ist, hat im Herbst eine Sonderedition zu Ehren von Alfred Helwig auf den Markt gebracht. Obwohl das Fliegende Tourbillon in einer Armbanduhr nicht wirklich gebraucht wird, um die Schwerkraft auszugleichen, so gilt der Bau dieser Konstruktion als ein Beweis von hoher Uhrmacherkunst, sagt Hammer.

Laut Hammer hat neben Glashütte Original auch die Firma Grossmann Uhren mit Fliegenden Tourbillon gebaut. Drei Uhren mit dieser Konstruktion sowie ein Modell, in dem diese Vorrichtung vergrößert dargestellt wird, sind im Foyer jetzt zu sehen.

Hammer und das Team im Uhrenmuseum hoffen, dass diese kleine Ausstellung ein Grund mehr sein könnte, um Besucher ins Museum zu locken. Im Museum selbst gelten weitere Regeln, wie die Corona-Verordnungen des Freistaates und des Kreises. Der Museumsrundgang sollte in 1,5 Stunden abgeschlossen werden, so Hammer.

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Auch das Museumsteam hat sich auf Corona eingestellt. Seit November arbeitet es in zwei Gruppen. Jeweils vier Mitarbeiter sind im Museum, die anderen vier im Homeoffice oder in Kurzarbeit. Sollte es in einer Gruppe einen Coronafall geben - bisher blieb das Team davon verschont -, könnte der Museumsbesuch von der anderen Gruppe abgesichert werden.

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