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Spektakulärer Uhren-Diebstahl vor Gericht

Glashütte ist bekannt für seine Luxus-Uhren. Der Angeklagte soll sich im Museum daran bedient haben. Es geht um mehrere Hunderttausend Euro.

Dieser Man aus Gotha wird beschuldigt, Anfang 2019 vier Uhren aus dem Deutschen Uhrenmuseum Glashütte gestohlen zu haben.
Dieser Man aus Gotha wird beschuldigt, Anfang 2019 vier Uhren aus dem Deutschen Uhrenmuseum Glashütte gestohlen zu haben. © Egbert Kamprath

Er ist hoch gewachsen, beleibt und trägt eine schwarze Kappe. Die Staatsanwaltschaft ist davon überzeugt, dass dieser 46-jährige Mann aus Gotha am 18. Februar 2019 vier wertvolle Uhren aus dem Glashütter Uhrenmuseum gestohlen hat im Wert von 345.000 Euro. Seit Mittwoch wird dieser Fall am Amtsgericht Dippoldiswalde aufgerollt.

Der Angeklagte selbst, der nach SZ-Informationen mehrfach vorbestraft ist - unter anderem wegen Diebstahl und Körperverletzung - wollte sich zu den Vorwürfen nicht äußern. Deshalb versucht das Gericht, den Tathergang mithilfe von Zeugen zu rekonstruieren. 

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Zu denen gehört der damalige Leiter des Uhrenmuseums, Reinhard Reichel. Er könne sich noch gut an jenen Tag erinnern, sagt er. Um 10 Uhr hatte er eine Führung mit sehr interessierten Besuchern. Deshalb dauerte diese auch zwei Stunden. Der Rundgang fand im Raum "Neuzeit" seinen Abschluss. Hier stellen die heute in Glashütte tätigen Uhrenhersteller einige ihrer Produkte aus, so auch die Uhrenfabrik Tutima. 

Am 18. Februar 2019 wurde aus dem Deutschen Uhrenmuseum in Glashütte vier Uhren gestohlen.
Am 18. Februar 2019 wurde aus dem Deutschen Uhrenmuseum in Glashütte vier Uhren gestohlen. © Rene Gaens

In der Verhandlung erklärt Reichel, dass er frühere Aussagen korrigieren muss. So sei er sich sicher, dass die Firma Tutima in der von ihr gekauften Vitrine vier Uhren ausgestellt hat, drei mit Armband, eine ohne. "Es waren richtige Uhren, keine Dummys", so Reichel. Er sei sich nach wie vor zu 99 Prozent sicher, dass diese Uhren kurz nach 12 Uhr noch in der Vitrine lagen. Kurz nach 17 Uhr waren sie nicht mehr da. Einer von Reichels Mitarbeiterinnen fiel beim letzten Kontrollgang auf, dass die Vitrine leer war. Sie informierte Reichel, der kurze Zeit später am Tatort war.

Heute steht für Reichel fest, dass der Täter vorher mindestens schon einmal im Museum gewesen sein muss. Schließlich liegen im Raum "Neuzeit" auch die Uhren anderer Hersteller aus, so von den renommierten Manufakturen Lange Uhren und von Glashütte Original. Doch die wertvollsten zeigte Tutima. 

Die Firma stellte in diesem Raum zwei Prototypen des Modells Hommage Minutenrepetition aus. Diese Uhr kam 2011 auf den Markt und wurde den Fachhändlern für rund 82.500 Euro verkauft. In ihren Geschäften verlangten diese dann 165.000 Euro. Der Täter, so Reichel, muss sich die Uhren und auch die Vitrinen genau angeschaut haben, denn nur Experten wissen, dass die Minutenrepetition eine aufwendige Komplikation ist, die eine Uhr so teuer und wertvoll macht. 

In diesem Raum präsentiert das Uhrenmuseum die Modelle der aktuell in der Stadt tätigen Uhrenfirmen.
In diesem Raum präsentiert das Uhrenmuseum die Modelle der aktuell in der Stadt tätigen Uhrenfirmen. © Egbert Kamprath

Reichel war es auch, der an jenem Tag die Polizei alarmierte. Die war nach einer Dreiviertelstunde vor Ort und begann mit den Ermittlungen. Die Beamten wunderten sich, dass das Museum nach außen hin gut geschützt ist. Im Inneren gab es aber nur zwei Überwachungskameras. Die gestohlenen Uhren lagen in einer Vitrine, die mit einem vergleichsweise einfachen Schloss versehen war. "Ein Briefkasten ist sicherer", sagte einer der Polizisten. Dazu Reichel später: Die Vitrinen haben dem Standard von 2008 entsprochen und wurden von der Versicherung so auch abgenommen.

In dieser Vitrine stellt die Firma Tutima ihre Uhren vor. Diese wurde an jenem Tag geöffnet. Es wurden vier Uhren entwendet.
In dieser Vitrine stellt die Firma Tutima ihre Uhren vor. Diese wurde an jenem Tag geöffnet. Es wurden vier Uhren entwendet. © Egbert Kamprath

Dass die Ermittlungen letztlich zum Angeklagten führten, lag auch an Reichel. Denn der frühere Museumsleiter erhielt Mitte Juni 2019 eine Mail von der Firma Tutima. Bei ihr hatte sich der Besitzer eines Schmuckgeschäftes, das dort Gold und Uhren aufkauft, gemeldet. Der Schmuckhändler erkundigte sich nach einer neuwertigen Tutima-Uhr. Diese sei ihm von einem Mann angeboten worden. 

Der Schmuckhändler wunderte sich: Denn der Anbieter sah nicht so aus, als ob er sich so eine wertvolle Uhr leisten könne. Begleitpapiere konnte er auch nicht vorweisen. Das ließ in misstrauisch werden, sagt er der SZ. Auch Reichel findet das mehr als ungewöhnlich. Denn bei hochwertigen Uhren ist es ähnlich wie bei Autos. Beim Verkauf gibt es Begleitpapiere, die auch dafür sorgen, dass man Garantieleistungen gegenüber dem Hersteller einfordern kann.

Reichel schwante, dass es eine der vier Uhren gewesen sein könnte, die aus seinem Museum gestohlen wurden. Nach Rücksprache mit Tutima leitete er die Mail an die Polizei weiter. Die Beamten besuchten kurz danach den Schmuckhändler, der ihnen nicht nur den Uhrenanbieter beschreiben, sondern auch dessen Adresse geben konnte. Denn dieser bot ihm auch Schmuck an, den er auch kaufte. "Ich habe  mir seine Adresse notiert", erklärte der Schmuckhändler.

Auch zwei Uhren des Modells Hommage Minutenrepetition wurden gestohlen. Bis heute fehlt jede Spur davon.
Auch zwei Uhren des Modells Hommage Minutenrepetition wurden gestohlen. Bis heute fehlt jede Spur davon. ©  PR

Das führte die Polizei zum Beschuldigten. Kurze Zeit später durchsuchte die Polizei die Wohnung des 46-Jährigen, der bei seiner Mutter wohnt. Die Beamten fanden zwei der vier gestohlenen Uhren. "Es waren die zwei, die am wenigsten kosten", sagte Reichel unter Berufung auf Aussagen der Polizei. Die beiden wertvollen Uhren seien bisher immer noch nicht aufgetaucht. 

Das bestätigt auch die Staatsanwaltschaft. Dort ist man sich sicher, dass der 46-Jährige zusammen mit einer weiteren noch unbekannten Person den Diebstahl beging. Denn es gibt noch mehr Hinweise. So ist auf Bildern der Überwachungskamera, die im Foyer des Museums angebracht ist, ein Mann zu erkennen, dessen Kontur mit dem des Angeklagten übereinstimmt. 

Reichels Mitarbeiterin waren an jenem Tag zwei Männer aufgefallen, die nicht sehr gesprächig waren, was ab und zu vorkommt, aber ungewöhnlich ist. Auf ihre Frage, aus welcher Stadt sie kommen, gaben sie Gotha an. Die Kripo kam nach der Videoauswertung zum Schluss, das beide Männer um 14.46 Uhr das Museum betraten und 15.16 Uhr beziehungsweise 15.46 Uhr wieder verließen. 

Auch das war ungewöhnlich. Männer bleiben meistens länger im Museum, erklärte die Museumsmitarbeiterin. Es sind eher die Frauen, die nach einer halben Stunde ins Foyer zurückkehren und dort ein Buch lesen, während ihre Männer sich noch in der Ausstellung umschauen.

Auch eine Uhr vom Modell Saxon One Chronograph - hier in der Ausführung Royal Blue. wurde gestohlen. Eine ähnliche Uhr wurde bei einer Durchsuchung in Gotha gefunden.
Auch eine Uhr vom Modell Saxon One Chronograph - hier in der Ausführung Royal Blue. wurde gestohlen. Eine ähnliche Uhr wurde bei einer Durchsuchung in Gotha gefunden. © PR

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