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"Endlich wieder ein Jugendclub in Reichenau"

Bürgermeister Reinhard Pitsch von Hartmannsdorf-Reichenau freut sich über eine Aktion der Jugend, hat Pläne für 2021 - und deutlich weniger Wald.

Wenn Corona vorbei ist, herrscht wieder Leben im Gemeindeamt Reichenau. Bürgermeister Reinhard Pitsch von Hartmannsdorf-Reichenau freut es.
Wenn Corona vorbei ist, herrscht wieder Leben im Gemeindeamt Reichenau. Bürgermeister Reinhard Pitsch von Hartmannsdorf-Reichenau freut es. © Egbert Kamprath

Über welche Entwicklungen im Jahr 2020 haben Sie sich gefreut?

Dass sich endlich wieder Jugendliche zusammengefunden haben, um einen Jugendclub zu gründen - auch wenn Corona sie jetzt leider ausgebremst hat.

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Sachsen krempelt die #ärmelhoch
Sachsen krempelt die #ärmelhoch

Die Corona-Schutzimpfung ist gestartet. Zunächst allerdings nur für Menschen, die zur Gruppe der höchsten Priorität gehören.

Wir konnten ihnen die Küche im Gemeindeamt Reichenau zur Verfügung stellen. Die hatte das DRK zuletzt als Verpflegungsstelle bei der Blutspende genutzt, aber den Dienst 2020 eingestellt. Fördermittel kamen über Pro Jugend und vom Landratsamt Pirna. Den Umbau mit Fliesen abhacken und Malern nahmen die Jugendlichen selbst vor. Im Sommer haben sie bei der 48-Stunden-Aktion vom Jugendring Sächsische Schweiz-Osterzgebirge mitgemacht, den Wildwuchs im Außengelände beseitigt und einen Grillplatz eingerichtet. Die Eltern zogen auch mit: Sie übernahmen den Vereinsvorstand - von den Jugendlichen ist ja noch keiner über 18 Jahre.

Was ist noch fertig geworden im Jahr 2020?

Die Sanierung der Trauerhalle haben wir über das Programm des Freistaates Sachsen zur Integrierten Ländlichen Entwicklung mit 16.000 Euro gefördert bekommen. Davon konnten wir die Bestuhlung und die Elektroanlage erneuern. Eine Wand wurde herausgerissen, Fenster ausgebessert, die Eingangstür erneuert und ein neues Rednerpult gebaut. Daran haben vor allem einheimische Firmen mitgewirkt. Der Bauablauf in den Sommermonaten hat gut funktioniert. Jetzt ist der Raum schön hell, ist beheizbar und bietet mehr Platz.

Bereits 2019 verlegte die Telekom Kupferkabel für den Breitbandausbau. In diesem Jahr erfolgte nach und nach die Umstellung der Hausanschlüsse. Weiße Flecken gibt es noch in den abgelegenen Lagen und im Gimmlitztal. Da muss das Landratsamt ran.

Bei der Feuerwehr stellten wir die Atemschutztechnik um. Außerdem verlegten wir den Sirenenstandort auf die ehemalige Schule in Hartmannsdorf.

Wo lagen 2020 die größten Ausgaben ihrer Gemeinde?

Als kleine Gemeinde mit 1.010 Einwohnern haben wir einen Haushalt von circa 1,2 Mio. Euro. Davon zahlen wir 245.000 Euro Kreisumlage, 171.000 Euro an die Verwaltungsgemeinschaft Klingenberg und 400.000 Euro Personalkosten für den Kindergarten und den Bauhof. 60.000 Euro gehen an die Tilgung für Kredite, 100.000 Euro zahlen wir für die Betreuung unserer Kinder in anderen Gemeinden. Die Eltern bringen ihre Kinder dorthin, wo sie arbeiten: Richtung Frauenstein, Hermsdorf, Dippoldiswalde und Glashütte.

Die Ausgaben in diesem Jahr bestanden aus vielen kleinen Einzelmaßnahmen. Zur Gewässerunterhaltung haben wir Baggerarbeiten und Sedimententfernung durchgeführt. Wir haben einige Kilometer Gewässer: die Bobritzsch, den Hartmannsdorfer Dorfbach und die Zuläufe. Da muss ich die dringendsten Standorte raussuchen.

Ausgaben hatten wir auch damit, die Käferbäume aus dem Wald zu holen. Über tausend Festmeter sind weg. Die Hartmannsdorfer Schweiz ist fast leergefegt - erst durch den Wind, dann durch die Trockenheit und die Käfer. Über den Holzverkauf haben wir das nicht wieder reinbekommen. Uns betreut der Sachsenforst, das kostet 7.000 Euro im Jahr.

Schließlich bekam die Kindertagesstätte Wiesenwichtel in Hartmannsdorf für 2.500 Euro eine neue Farbgebung an der Nordwest-Wetterseite.

Was sind die Vorhaben für 2021?

Für den Straßen- und Brückenbau bekommen wir einen jährlichen Zuschuss von 14.000 Euro. Den haben wir über drei Jahre angespart und wollen davon einen Straßenabschnitt sanieren. Wo das sein wird, entscheidet der der Gemeinderat noch.

Für den Hartmannsdorfer Sportverein Empor 1922 stehen 7.500 Euro für Umbaumaßnahmen bereit. Dazu soll eine Förderung der Sächsischen Aufbaubank kommen. Für circa 100.000 Euro sind eine Dachsanierung und ein Brunnenbau geplant, vielleicht auch eine Erweiterung der Umkleidekabinen.

Für den Brandschutz wollen wir wieder einen Zisternenbau beantragen. Wir können die 80.000 bis 90.000 Euro nicht selbst aufbringen. Wir brauchen sie aber, denn in unseren langgestreckten Dörfern Hartmannsdorf und Reichenau liegen zwischen den Löschteichen und einer Brandstelle teilweise Wege über mehrere hundert Meter. Die 700 Liter pro Minute, die wir den Hydranten entnehmen können, reichen nicht aus.

Wie wirkte sich Corona auf Hartmannsdorf-Reichenau aus?

Wirtschaftlich eher nicht. Die paar Ferienwohnungen fallen nicht ins Gewicht. Hier lebt keiner vom Tourismus.

Meine Hochachtung gilt den Beschäftigten in der Kindertagesstätte: Sie mussten die Problematik mit den eingeschränkten Betreuungszeiten meistern, sich mit Maskenverweigerern auseinandersetzen und denen, die den Zettel zur Symptomfreiheit nicht ausfüllen wollten. Das war eine riesige Belastung. Weil jede Gruppe nur noch von einer festen Erzieherin betreut wurde, wäre ihr Ausfall fatal gewesen. So sind sie selbst mit verstauchtem Fuß zur Arbeit gekommen.

Haben Sie die Fusion mit Frauenstein endgültig zu den Akten gelegt?

Rechtlich hat sich nichts geändert. Wir waren vor unseren Fusionsplänen als Gemeinde alleine. Jetzt ist es immer noch so. Der Ministerpräsidenten Michael Kretschmer hatte versprochen, sich der Sache nochmal anzunehmen. Zusammen mit Frauenstein wollen wir uns noch mal an ihn wenden, wie er die Sache nun beurteilt.

In der Verwaltungsgemeinschaft mit Klingenberg spüren wir, dass unsere Gemeinde eher die Nummer zwei ist. Die Klingenberger Verwaltung gibt sich Mühe, ist aber mit den konkreten örtlichen Gegebenheiten nicht so vertraut. Letztlich setzt der Klingenberger Bürgermeister Torsten Schreckenbach die Prioritäten, nicht ich.

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