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"Wir wollen Profikonzepte für Wohnungen"

Dippoldiswaldes OB Kerstin Körner will gerne mehr Einwohner, so viele wie vor 15 Jahren. Welche Ideen sie dafür hat und wie Zukunftsforscher dabei helfen können.

Oberbürgermeisterin Kerstin Körner steht vor einem Luftbild der Stadt, das über 20 Jahre alt ist. Für solche Zeiträume will sie auch in die Zukunft planen.
Oberbürgermeisterin Kerstin Körner steht vor einem Luftbild der Stadt, das über 20 Jahre alt ist. Für solche Zeiträume will sie auch in die Zukunft planen. © Egbert Kamprath

Dippoldiswaldes Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) hat das Ziel ausgegeben, dass die Stadt wieder mehr als 15.000 Einwohner haben soll. So viele Menschen haben zuletzt 2009 in Dippoldiswalde und Schmiedeberg gelebt. Sächsische.de fragte Körner, wie sie die 15.000er-Marke erreichen will und wie Zukunftsforscher Dippoldiswalde dabei helfen können.

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Frau Körner, was bringen die 15.000 Einwohner?

Das ist eine finanzielle Grenze. Die Stadt bekommt Schlüsselzuweisung vom Land. Die wird pro Kopf bezahlt und ab 15.000 Einwohnern steigt die Summe pro Kopf. Das macht rund eine halbe Million Euro mehr aus.

Andere Gemeinden wollen auch mehr Einwohner. Wie wollen Sie denen zuvorkommen?

Wir schrumpfen zwar, aber weniger als andere, und wir profitieren zunehmend mehr von Dresden. Der Speckgürtel hat sich bis zu uns erweitert. Wir haben viel zu bieten, mit der Talsperre, den Kitas und Schulen, unseren Unternehmen, den Kultureinrichtungen, der schönen Umgebung - und man ist in 30 Minuten in Dresden. Das muss man nur mehr bekannt machen.

Welche Ortsteile bieten dafür besondere Chancen?

Es gibt da keine Vorzugslösung. Da hat jeder Ortsteil seine Reize. Ich bekomme das persönlich mit, weil ich derzeit mit meinem Partner suche, wo wir uns mit einem Häuschen niederlassen wollen. Noch sind wir nicht richtig entschieden.

Sie haben ja auch viele städtische Wohnungen, wo es speziell in Schmiedeberg-Naundorf Probleme mit Leerstand gibt.

Die Lage dort ist schwierig. Wir haben da teilweise eine schwierige Infrastruktur.

Aber in Naundorf stehen auch funktionierende Wohnungen, private und von der Genossenschaft. Es sind die städtischen Wohnungen, mit denen es ein Problem gibt.

Ja, die sind jahrelang stiefmütterlich behandelt worden. Wir wollen jetzt die Verwaltung der Wohnungen neu ausschreiben. Das Ziel ist, dass wir uns eventuell von dem einen oder anderen Block trennen und dafür die anderen so modernisieren, dass wir sie sofort vermietet bekommen. Die Mieter sollen sich wohlfühlen.

Sich trennen, heißt das Abriss?

Eventuell auch Verkauf. Da will ich mich jetzt in keine Richtung festlegen. Wir brauchen für die Wohnungen Konzepte. Die sollen uns Profis liefern. Auch in Naundorf ist Entwicklungspotenzial. Es ist im Grünen, es ist ruhig. Ziel ist, den Leerstand gegen null zu bringen. Ich will aber einen großen städtischen Wohnungsbestand behalten.

Es gibt ja Planungen für neuen Wohnraum. Wie wollen Sie diese weiter vorantreiben?

Wir haben ja auch einen fertigen Bebauungsplan für das Gelände oberhalb der Tankstelle an der Bahnstrecke. Aber wir als Stadt brauchen Geld und Kraft für die Erschließung. Hier diskutieren wir das Modell einer Bauherrengemeinschaft. Das hieße, dass die Bauherren sich zusammentun, die Grundstücke billiger bekommen und dafür die Erschließung selbst in die Hand nehmen.

Wir als Stadtverwaltung schieben aus den vergangenen Jahren Investitionen für sechs Millionen Euro vor uns her, schaffen aber mit unseren Mitarbeitern nur 2,5 Millionen im Jahr umzusetzen. Also wissen wir, dass wir noch Jahre hinterherhängen werden. Daher die Überlegung, solche Projekte auf andere Art zu machen. Ähnlich sehe ich das auch mit der Erweiterung unseres Gewerbegebiets. Das ist ein Riesenbauvorhaben und unsere Bauverwaltung muss ja auch noch die Modernisierung der Oberschule Schmiedeberg bewältigen.

Dipps beteiligt sich an dem Projekt Kleinstadtakademie. Was versprechen Sie sich davon?

Es geht darum, auch einmal über längere Zeiträume nachzudenken, über 20, 30 Jahre. Auch soll der Blick von außen uns Anregungen geben. Wir fahren jetzt in der Regel auf Sicht, gucken was in den nächsten Jahren passiert, obwohl wir mit unseren Entscheidungen Weichen stellen, die sich über Jahrzehnte auswirken. Ein Beispiel ist der Umbau des Museums. Die Entscheidung ist 2010 gefallen, jetzt bauen wir und bezahlen die Rechnungen. Mit dem Wissen von heute würde ich das nicht machen. Wir würden das Geld dringender für unsere Schulen und die Infrastruktur benötigen.

Insbesondere geht es bei der Kleinstadtakademie darum, voneinander zu lernen. Bei dem Projekt sind auch Zukunftsforscher beteiligt. Es geht ja um neue Arbeitswelten. Das Thema Homeoffice ist in der Pandemie hochgekommen. Das ist aber schwierig, wenn man eine kleine Wohnung hat, eventuell noch kleine Kinder da sind. Da war die Idee, einen Bürokomplex zu schaffen, wo man sich einmieten kann und dann nicht beispielsweise nach Berlin fahren muss. Bei dem Projekt sind welche dabei, die schon Erfahrung damit haben. Gemeinsam mit den Zukunftsforschern wird es Workshops in den Ortsteilen geben, die die Möglichkeiten vor Ort ausloten.

Dipps war anfangs Bergstadt. 2001 hat sie das Jubiläum „600 Jahre Amtsstadt“ gefeiert. 2008 trug die Stadt mal den Titel „1a-Einkaufsstadt“. Welche wesentliche Funktion hat Dipps heute und wird es in Zukunft haben?

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Auf alle Fälle ist es ein Wohnstandort mit vielen Highlights, die auch auf Dauer bleiben. Die Talsperre, das Weltkulturerbe, die schöne Innenstadt, die Landschaft, dass alles hat Bestand. Für schönes Wohnen im Grünen bieten wir alle Voraussetzungen. Der Bus fährt alle halbe Stunde nach Dresden. Wir müssen jetzt noch Lösungen entwickeln wie Ruftaxis, damit man von der Stadt aus ins Dorf kommt.

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