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Volkskrankheit Bluthochdruck

Trotz guter Behandlungsmöglichkeiten wissen viele nichts von ihrer Erkrankung. Warum übergewichtige Schnarcher besonders aufpassen müssen.

Von Anja Ehrhartsmann
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Jeder Erwachsene sollte seinen Blutdruck im Blick haben, rät Dr. Markus Schütz, Chefarzt an der Dippser Klinik.
Jeder Erwachsene sollte seinen Blutdruck im Blick haben, rät Dr. Markus Schütz, Chefarzt an der Dippser Klinik. © Egbert Kamprath

Mediziner nennen ihn oft den stillen oder heimlichen Killer. Denn hoher Blutdruck kann Herz und Gefäße schädigen, und das, ohne Schmerzen zu verursachen. "Das Schlimme ist, viele wissen gar nicht, dass sie Bluthochdruck haben", sagt Dr. Markus Schütz, Chefarzt an der Dippser Klinik der Helios Weißeritztal-Kliniken.

Der Mediziner rät deshalb allen Erwachsenen, den eigenen Blutdruck im Blick zu behalten, "denn 30 Prozent haben erhöhte Werte. In der Altersgruppe der über 50-Jährigen ist es sogar jeder Zweite". Wie man sein eigenes Risiko minimieren kann und was Betroffene tun können, darüber spricht er mit Sächsische.de.

Herr Dr. Schütz, warum ist es schlimm, erhöhten Blutdruck zu haben?

Bluthochdruck selbst tut zwar häufig nicht weh und verursacht oft keine Symptome, aber er führt in vielen Fällen zu Folgeerkrankungen. Wenn der Blutdruck über Jahre erhöht ist, leiden die Wände der Blutgefäße und das kann in drastischen Fällen zum Herzinfarkt oder Schlaganfall führen.

Wann spricht man von Bluthochdruck und welche Symptome treten auf?

140 zu 90 ist der Grenzwert, alles, was darüber ist, gilt als Bluthochdruck. Häufig bluten Betroffene aus der Nase oder klagen über morgendlichen Kopfschmerz. Das sind typische Hochdruckbeschwerden.

Was verursacht Bluthochdruck?

Es gibt zwei Arten von Bluthochdruck - den primären Hochdruck, für den Mediziner keinen erkennbaren Grund finden - und den sekundären Bluthochdruck. In diesem Fall gibt es eine Grunderkrankung, die für den Bluthochdruck verantwortlich ist. So zum Beispiel das Schlafapnoesyndrom, eine schlafbezogene Atemstörung. Also alle Männer über 50 Jahre, die übergewichtig sind und schnarchen, aufgepasst. Aber auch hormonbildende Tumore, die häufig gutartig sind, können Bluthochdruck verursachen.

Es gibt also zwei Gruppen von Patienten: nämlich mit behandelbaren Ursachen und ohne.

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Wer neigt dazu, Bluthochdruck zu bekommen?

Wer Eltern hat, die Bluthochdruck haben, hat selbst auch ein erhöhtes Risiko, aber auch Übergewichtige und Zuckerkranke - und außerdem all diejenigen, die sich wenig bewegen und beruflich viel sitzen. Außerdem begünstigen salzreiches Essen, steigendes Alter, erhöhter Alkoholkonsum, rauchen oder auch gewisse Medikamente Bluthochdruck. Es ist die Volkskrankheit schlechthin.

Wie wird Bluthochdruck festgestellt?

Heutzutage meist mit einem automatischen Messgerät. Wichtig ist es, dabei einige Dinge zu beachten. So nützt es zum Beispiel gar nichts, direkt zu messen, wenn der Patient zuvor lange in einem überfüllten Wartezimmer sitzen musste und total aufgeregt ist. Die Blutdruckmessung sollte nach fünf Minuten in ruhiger Umgebung gemacht werden.

Bei der Erstdiagnose ist es ratsam, zwei oder drei Mal zu messen, denn der Blutdruck kann schwanken. Auch sollte an beiden Armen gemessen werden, denn es gibt Erkrankungen, bei denen es hier deutliche Unterschiede gibt - zum Beispiel bei einer Engstelle an einer Armarterie. Bei älteren Patienten ist es außerdem wichtig, den Blutdruck im Stehen zu messen. Der junge Mensch hat elastische Gefäße. Wenn ich den hinstelle, sackt der Blutdruck kaum ab. Bei Älteren kann es zu erheblichen Blutdruckabfällen kommen.

Was können Betroffene tun, um ihren Blutdruck zu senken?

In erster Linie muss der Lebensstil geändert werden. Dazu gehört, sich fünfmal die Woche mindestens 30 Minuten zu bewegen, und zwar so, dass man schwitzt. Bei nur leicht erhöhtem Blutdruck wird das wahrscheinlich bereits genügen. Ist der Blutdruck stark erhöht, müssen zusätzlich noch Medikamente eingenommen werden. Zielwerte sind 130 zu 80. Insbesondere bei Älteren, die schon lange Bluthochdruck haben, ist es wichtig, langsam abzusenken.

Ideal ist es, wenn der Patient mitarbeitet und eine Woche vor dem nächsten Arzttermin täglich zu Hause seinen Blutdruck mit einem zertifizierten Gerät misst.

Wann sollten Bluthochdruckpatienten ins Krankenhaus?

Wenn der Wert mal auf 180 klettert, der Patient aber keine Beschwerden hat, dann reicht es, sich einfach kurz in den Sessel zu setzen. Treten aber Beschwerden auf, wie etwa Lähmungserscheinungen oder Sehstörungen, oder steigt der Wert deutlich über 180, dann ist es ein Hochdrucknotfall und der Patient muss mit dem Rettungsdienst in Krankenhaus.

Zu dem Thema war ein Vortrag „Herz unter Druck: Diagnose Bluthochdruck“ in der Klinik Dippoldiswalde geplant. Aufgrund der aktuellen Corona-Entwicklung wurde die öffentliche Veranstaltung aber von der Klinik wieder abgesagt.