merken
PLUS Dippoldiswalde

Der Dirigent hat eine besondere Aufgabe

Das Kammerorchester der Musikschule Dippoldiswalde hat einen neuen musikalischen Leiter, einen jungen Mann aus dem Ural. Er hat große Pläne.

Alexander Sidoruk bei der Probe mit dem Kammerorchester der Musikschule Dippoldiswalde.
Alexander Sidoruk bei der Probe mit dem Kammerorchester der Musikschule Dippoldiswalde. © Egbert Kamprath

Das Kammerorchester der Kunst- und Musikschule Dippoldiswalde hat seit diesem Monat einen neuen Dirigenten, Alexander Sidoruk. Der 26-Jährige mit den schwarzen Locken will die bisherige Arbeit des Orchesters fortsetzen. Er hat aber auch Pläne für eine Neugründung in Dippoldiswalde.

Der neue Dirigent spricht einwandfrei deutsch, nur sein Akzent verrät, dass er aus Russland kommt. Er stammt aus Jekaterinburg im Ural, das in der Sowjetzeit Swerdlowsk hieß. Dort ist er aufgewachsen, hat eine Spezialschule für Musik besucht und auch ein Musikstudium begonnen. Er hat bereits im Alter von 20 Jahren ein Philharmonisches Orchester und einen Opernchor dirigiert. Da hat er sich überlegt, wie er weiterkommen kann. Nach Moskau oder St. Petersburg zu gehen, hätte nahe gelegen. Es wäre ihm aber zu nah an seiner Heimat gewesen. Er hatte aber Kontakte nach Dresden. Ein Cousin von ihm hatte schon einmal hier gelebt. Ein Schulfreund studierte hier und war bereits Korrepetitor in Chemnitz. So gab es Anknüpfungspunkte. Denn irgendwohin, wo er nichts und niemand kennt, wollte er auch wieder nicht.

Geld und Recht
Wer den Pfennig nicht ehrt
Wer den Pfennig nicht ehrt

und sich nicht im Paragrafendschungel zurechtfindet, ist schnell arm dran. Tipps und Tricks rund um Geld, Sparen und juristische Fallstricke gibt es hier zu finden.

Erst die Flöte gespielt, jetzt den Taktstock in der Hand

Sidoruk bestand die Aufnahmeprüfung an der Musikhochschule in den Fächern Querflöte und Orchesterleitung und zog nach Dresden. Hier studiert er bei Ekkehard Klemm Orchesterleitung, ist aber neben dem Studium auch aktiv. Er dirigiert in Dresden, macht ein Praktikum bei der Elbland Philharmonie und ist bei einem Projekt mit dem Dresdner Sinfonieorchester beteiligt. So kam er in Kontakt zum Kammerorchester der Musikschule Dippoldiswalde, als dieses für ein Tschaikowski-Stück einen Flötisten suchte. „Das war eine sympathische Begegnung“, erinnert sich Sidoruk. Aus der ist nun eine dauerhafte Beziehung erwachsen. Er übernimmt die musikalische Leitung.

„Das ist jetzt eine neue Ebene, etwas anderes als ein Instrument zu spielen“, sagt der junge Orchesterleiter. „Als Instrumentalist konzentriert man sich auf sein Instrument, seine Musik. Der Dirigent hat eine völlig andere Aufgabe. Er muss die Musiker inspirieren, ihnen die Möglichkeit geben, ihre Musik gut zu spielen, das Orchester führen.“ Nun ist das Kammerorchester in Dippoldiswalde ein Amateurensemble. „Aber die spielen auch sehr schwierige Stücke“, sagt der neue Dirigent. Er sieht das Orchester als die feste Basis der Arbeit. „Dirigenten kommen und gehen. Das Orchester bleibt“, sagt er in Anlehnung an ein Graffiti, das er am Dynamo-Stadion gesehen hat. Dort stand: „Fußballer kommen und gehen. Die Fans bleiben.“

Dass eine Stadt wie Dippoldiswalde ein solches Orchester hat, sei ein großes Plus, das viele Menschen an die Musik heranführen kann. „Man kann Musik dann richtig genießen, wenn man sie versteht. Und dazu trägt ein solches Kammerorchester bei. Es sichert die kulturelle und musikalische Zukunft in der Stadt“, erklärt er.

Ein neues Jugendorchester in Dipps geplant

Die ersten drei Proben unter seiner Leitung hat er jetzt hinter sich. Dabei ist er auch froh, dass er sich auf die rund 20 Musiker verlassen kann. „Jeder hat eine eigene Aufgabe und hilft bei der Organisation“, beschreibt er die Arbeitsweise. Als eine Art rechte Hand unterstützt Roland Neef, der die Bibliothek verwaltet und bei der Vorbereitung der Proben zur Hand geht, den Dirigenten.

Sidoruks Pläne und die der Musikschulleitung gehen aber weiter. Sie wollen in Dippoldiswalde ein Jugendorchester aufbauen. Die Arbeit wird im Oktober beginnen. Organisatorisch ist dabei noch Einiges in Bewegung. Die Proben werden in Dippoldiswalde stattfinden. „Eventuell in der Alten Pforte“, sagt Sidoruk. Auch ein erster Auftritt ist für Anfang November schon ins Auge gefasst.

Auch das Kammerorchester hat seinen nächsten Auftritt voraussichtlich im Dezember. Sidoruk macht sich derzeit Gedanken um das Programm. Stücke von Strauß oder Haydn stellt er sich vor.

Derzeit wohnt der junge Dirigent in Dresden, zusammen mit seiner Frau, einer Geigerin, die im letzten Jahr ihres Masterstudiums ist. Er könnte sich auch vorstellen, dauerhaft in Dippoldiswalde zu arbeiten, vielleicht sogar in die Stadt zu ziehen. „Es ist doch schön hier mit viel Natur, einer schönen Kirche und Kultur“, sagt er. 

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Umgebung lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde