merken
PLUS Dippoldiswalde

Neue Farbe für das älteste Gebäude von Dipps

Die Nikolaikirche in Dippoldiswalde, eine der ältesten Kirchen in Ostsachsen, wird restauriert. Was hier vom Mittelalter noch zu erleben ist.

Pfarrer Sebastian Schurig steht am Altar der Nikolaikirche in Dippoldiswalde. Links von ihm an der Wand ist der Streifen zu erkennen, der zeigt, wie die Kirche nach einer Restaurierung aussehen kann.
Pfarrer Sebastian Schurig steht am Altar der Nikolaikirche in Dippoldiswalde. Links von ihm an der Wand ist der Streifen zu erkennen, der zeigt, wie die Kirche nach einer Restaurierung aussehen kann. © Karl-Ludwig Oberthür

Die meisten Dippser kennen die Nikolaikirche, wenn auch vielfach nur von Beerdigungen. Sie hat keinen Turm, steht nicht im Stadtzentrum, sondern in der Unterstadt am Friedhof, ist sozusagen die unscheinbare Schwester der Stadtkirche. „Aber das war vielleicht das Glück für das Gebäude“, sagt der Dippser Pfarrer Dr. Sebastian Schurig. „Die Kirche wurde nie zerstört. Kriege oder Katastrophen sind an ihr vorbeigegangen.“ So ist die Nikolaikirche das älteste Gebäude von Dippoldiswalde und wahrscheinlich auch eine der ältesten Kirchen in Ostsachsen.

Damals konnte sich Dippoldiswalde etwas leisten

Es ist ein imposanter Bau, der zeigt, dass sich die Bergstadt Dippoldiswalde im Hochmittelalter etwas leisten konnte. Die Dippser haben die Kirche um 1230, 1240 gebaut, also vor fast 800 Jahren. Diese lange Zeit ist nicht spurlos vorbeigegangen. Vor 16 Jahren ist sie außen saniert worden, hat ein neues Dach und einen neuen Außenputz bekommen. Damals hat das Büro Ruhsam und Ullrich die Arbeiten betreut. „Damit war das Gebäude wieder gesichert. Es hat nicht mehr hineingeregnet“, sagt Axel Ruhsam.

Anzeige
Romantik pur - zu jeder Jahreszeit
Romantik pur - zu jeder Jahreszeit

Willkommen in einer der romantischsten Städte Deutschlands voll von märchenhafter Schönheit, Leidenschaft und herzergreifenden Geschichten.

Auch ohne Turm ist die Nikolaikirche in Dippoldiswalde ein imposantes Gebäude.
Auch ohne Turm ist die Nikolaikirche in Dippoldiswalde ein imposantes Gebäude. © Karl-Ludwig Oberthür
Diese Nikolausfigur in der ihm geweihten Kirche ist auch schon Jahrhunderte alt
Diese Nikolausfigur in der ihm geweihten Kirche ist auch schon Jahrhunderte alt © Karl-Ludwig Oberthür
Restaurator Eric Stenzel und Pfarrer Sebastian Schurig standen hier vor zwei Jahren in der Kirche.
Restaurator Eric Stenzel und Pfarrer Sebastian Schurig standen hier vor zwei Jahren in der Kirche. © Egbert Kamprath
Dieses Wandbild zeigt den heiligen Nikolaus, der drei Unschuldige vor der Verurteilung rettet. Da das Bild lange unter einer Putzschicht lag, ist es nicht mehr gut zu erkennen.
Dieses Wandbild zeigt den heiligen Nikolaus, der drei Unschuldige vor der Verurteilung rettet. Da das Bild lange unter einer Putzschicht lag, ist es nicht mehr gut zu erkennen. © Frank Baldauf

Nun steht der nächste Schritt für die Sicherung der Kirche bevor, die Innen-Restaurierung. Eine wichtige Vorbereitung dafür ist jetzt im Sommer gelaufen. Der Restaurator Eric Stenzel hat eine sogenannte Musterachse angelegt. An der Nordwand hat er einen Streifen vom Boden bis an die Decke so gestaltet, wie die ganze Kirche nach einer Restaurierung aussehen könnte. Der Putz ist ausgebessert. Darauf kam eine Bemalung in Brauntönen, die aussieht wie massive Steinquader.

Ein erstes Muster zeigt, wie die Kirche einmal aussehen soll

Eric Stenzel kennt die Nikolaikirche schon viele Jahre. Bereits vor 20 Jahren, als die erste Sanierung in Vorbereitung war, hat er das Innere bereits untersucht. Immer wieder ist sein fachlicher Rat seitdem gefragt. Und jetzt hat er die Musterachse hergestellt. Damit können auch Laien erkennen, wie die gesamte Kirche nach einer Restaurierung aussehen würde.

Mittelalterliche Bilder von Jesus und dem heiligen Nikolaus

Dabei ist es gar nicht so einfach, sich auf eine Lösung zu einigen. Denn die Kirche wurde im Lauf ihrer Geschichte mehrfach neugestaltet. Um das Jahr 1700 gab es eine Aktion, bei der die Bilder im Kircheninnern überputzt wurden. An der Nord- und Südwand gibt es eine ganze Bilderleiste mit Darstellung aus dem Leben Christi und des heiligen Nikolaus, die darunter verschwunden waren. Auch ist an der Rückwand ein großes Christophorusbild unter dem Putz verborgen, von dem nur zwei kleine Ecken freigelegt wurden.

Was in der heutigen Zeit erhalten werden soll

1882 wurde die Kirche wieder umgebaut unter der Leitung des Architekten Ludwig Möckel. Der hat sich bemüht, wieder ans Licht zu holen, was aus der Zeit der Romanik und der Gotik noch vorhanden war und die Kirche entsprechend zu gestalten.

Nun stehen die heutigen Denkmalpfleger und die Dippser Kirchgemeinde vor der Frage: Was wollen sie erhalten? Was soll bei der Restaurierung wieder hervorgehoben werden? „Vor einer Generation hätte man wahrscheinlich all das, was aus dem 19. Jahrhundert stammt, entfernt. Heute geht man damit etwas anders um“, sagt Schurig.

Restaurierung wird eine siebenstellige Summe kosten

Er will jetzt die Neugestaltung des Innenraums anschieben, auch wenn er weiß, dass es ein Projekt für viele Jahre ist, das seine Nachfolger noch beschäftigen wird und auch viel Geld erfordert. Eine erste Kostenschätzung kam auf Kosten im niedrigen siebenstelligen Bereich allein für die Restaurierung im vorderen Bereich. Die Kirchgemeinde will jetzt noch einen zweiten Streifen restaurieren lassen am Alter, damit der Gesamteindruck noch besser wird, ehe weitere Entscheidungen fallen. Das soll nächstes Jahr passieren, wenn die Finanzierung zustande kommt. „Wir benötigen dafür auf jeden Fall eine Förderung und Hilfe von anderen“, sagt Schurig.

Bild aus Dipps auf der Landesausstellung

Interesse an der Kirche hat auch der Lions-Club Dippoldiswalde gezeigt. Zum Tag des offenen Denkmals vor zwei Jahren hat er eine Kirchenöffnung organisiert, um diese unscheinbare Schwester mehr ins Licht zu rücken, damit sich die Dippser dort nicht nur zu Beerdigungen treffen. „Es ist ein sehr wertvolles Kulturdenkmal, das wir hier in Dippoldiswalde haben“, sagt Ruhsam. Das zeigte sich auch, als 2005 ein Bild aus der Nikolaikirche für die sächsische Landesausstellung zur Reformationsgeschichte in Torgau ausgewählt wurde. In den vergangenen Jahren vor Corona fanden in der Nikolaikirche auch regelmäßig Konzerte statt. Gerade für alte Musik bietet sie einen passenden Rahmen.

Weiterführende Artikel

Test in der Nikolaikirche Dippoldiswalde

Test in der Nikolaikirche Dippoldiswalde

Zum Nikolaustag trafen sich Fachleute mit einem bestimmten Interesse in der gleichnamigen Kirche in Dipps. Sie spüren einem Geheimnis nach.

Das Geheimnis der Nikolaikirche

Das Geheimnis der Nikolaikirche

Die älteste Dippser Kirche entstand vor 800 Jahre zum Bergbauboom. Ihre Architektur gibt immer noch Rätsel auf. Was sie vielleicht mit Stonehenge gemeinsam hat.

Nächsten Mittwoch findet ein Informationsabend zur Geschichte und den geplanten Arbeiten in der Nikolaikirche statt. Dort wird der Restaurator Eric Stenzel sprechen und Fragen beantworten.

Informationsabend zur Nikolaikirche am Mittwoch, dem 29. September, 19.30 Uhr in der Kirche, Alte Altenberger Str. 20, Dippoldiswalde.

Mehr zum Thema Dippoldiswalde