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Dippoldiswalde: Hochbetrieb bei Bauarbeiten am Obertorplatz

Die Arbeiten in Dipps gingen langsam los. Aber jetzt geht es rund, und die Archäologen haben auch schon ihren ersten Fund gemacht.

Von Franz Herz
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Grabungstechnikerin Heide Hönig kniet hier an den Resten einer mittelalterlichen Mauer auf dem Obertorplatz in Dippoldiswalde.
Grabungstechnikerin Heide Hönig kniet hier an den Resten einer mittelalterlichen Mauer auf dem Obertorplatz in Dippoldiswalde. © Franz Herz

Die Bauarbeiten am Obertorplatz in Dippoldiswalde haben Fahrt aufgenommen. Diese Woche ist ein Spezialbagger dabei, den Sand wegzusaugen, der die Stromleitungen schützt, die an der Seite des Platzes in der Erde lagen. Die Anwohner haben Probleme mit den Arbeiten. Archäologen verfolgen sie mit Spannung und haben einen interessanten Fund gemacht. Die SZ fasst den aktuellen Stand zusammen.

Anlieger sehen Bauablauf skeptisch

Stadtrat Thomas Triller (Unabhängige Bürger), der den Obertorgrill auf dem Platz betreibt, kritisierte auf der Sitzung des Technischen Ausschusses am Mittwoch den Bauablauf. So sei jetzt geplant, ab kommender Woche auch die andere Seite zu sperren. Dann fehle der Durchgang für Fußgänger zum Rewe-Markt und es fallen weitere Parkplätze weg. Es werde dann auch problematisch, den Winterdienst zu organisieren, falls in den nächsten Tagen Schnee fällt, warnt Triller.

Auch der Dippser Ortsvorsteher Dirk Massi (Freie Wähler), der ebenfalls am Obertorplatz wohnt, ist unzufrieden mit der Baustelle. „Drei Wochen ist dort gar nicht passiert. Ich kann nicht erkennen, dass dort etwas vorwärtsgeht“, sagte er. Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) beauftragte daraufhin den stellvertretenden Leiter der Bauverwaltung, Alexander Appel, den Ablauf mit der Baufirma zu prüfen.

Archäologen forschen parallel zu den Bauarbeiten

Ganz allein kann die Strabag als beauftragte Baufirma hier auch nicht handeln. Parallel zu ihren Arbeiten sind Mitarbeiter des Landesamts für Archäologie auf dem Platz aktiv. Ebenso müssen Anforderungen des Denkmalschutzes berücksichtigt werden.

Im Bereich um den Obertorplatz lag im Mittelalter die Bergbaustadt Dippoldiswalde. Deswegen begleiten Archäologen die Bauarbeiten auch sehr genau. Am Mittwoch war auch Christiane Hemker, die für den Bereich Montanarchäologie in Sachsen verantwortlich ist, vor Ort.

Mittelalterliche Mauer gefunden

Es gab dazu einen konkreten Anlass. Grabungstechnikerin Heide Hönig vom Landesamt hat diese Woche schon den ersten Fund zu verzeichnen. In der Ecke des Platzes, wo bisher immer die Autos in Richtung Rewe drübergefahren sind, hat sie Reste einer mittelalterlichen Mauer gefunden mit einer Mörtelgrube daneben.

„Viel wissen wir darüber noch nicht“, sagte Hemker. Es handelt sich um Bruchsteine, die mit Lehm aufgemauert worden sind. Das ist eine Technik, die im Mittelalter üblich war. In späteren Jahrhunderten wurde der Lehm durch Kalkmörtel ersetzt. An der Mauer hat Heide Hönig auch Ziegel gefunden, die mit der Hand gefertigt wurden. Auch das ist ein Hinweis auf ein hohes Alter.

Fenster in die Welterbe-Vergangenheit der Stadt

Daneben ist eine Mörtelgrube. Die stammt aber vermutlich nicht mehr aus dem Mittelalter. Wahrscheinlich haben sie die Bauleute angelegt, welche die Häuser, die heute am Obertorplatz stehen, errichtet haben. Die Grube ist also wahrscheinlich um die 200 Jahre alt.

Die Mauer und die Ziegel gehen einige Jahrhunderte weiter zurück. Im ersten Moment gibt das Stückchen Mauer aber mehr Rätsel auf als Antworten. Es liegt mitten auf dem Platz. Hier muss also vor Jahrhunderten ein Haus gestanden haben. War der Platz früher viel kleiner? Alle Fragen rings um den Obertorplatz werden auch jetzt nicht beantwortet.

Die Archäologen wollen nicht den ganzen Obertorplatz untersuchen. Dafür haben sie gar nicht die Mittel und es ist auch nicht ihr Ziel. Sie wollen nur erfassen und dokumentieren, was jetzt in Gefahr ist, durch die Bauarbeiten beschädigt zu werden. Sie graben genauso tief, wie auch die Bauarbeiter gehen müssen.

Alles andere bleibt in Ruhe. Es gibt also nur einzelne Fenster in die Vergangenheit, die aber das Welterbe für Dippoldiswalde ausmacht. Der erste Einblick in die Geschichte hat sich mit dem alten Mauerstück geöffnet. Eventuell zeigen sich noch weitere.