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Ein Schatz im Schloss Reichstädt

Zwei Restauratoren sind im Schloss Reichstädt dabei, Wandmalereien wieder zum Glänzen zu bringen. Was die mit dem Enkel Augusts des Starken zu tun haben.

Restaurator Oliver Ander bringt im Schloss Reichstädt eine Wandmalerei im Stil des Rokoko aus der Zeit um 1770 in alten Glanz.
Restaurator Oliver Ander bringt im Schloss Reichstädt eine Wandmalerei im Stil des Rokoko aus der Zeit um 1770 in alten Glanz. © Egbert Kamprath

„So etwas finden Sie selbst in Dresden nicht oft“, sagt Ilse von Schönberg, die Besitzerin des Schlosses Reichstädt bei Dippoldiswalde. Seit über hundert Jahren waren seltene Rokoko-Malereien im zweiten Stock unter einer Putzschicht verborgen. Ilse von Schönberg hat sie wieder entdeckt. Dieser Wandschmuck ist in den Jahren 1765 bis 1770 gestaltet worden, wahrscheinlich um Karl von Sachsen zu beeindrucken, den Enkel Augusts des Starken. Später waren die Gemälde wohl nicht mehr modern und wurden im 19. Jahrhundert überputzt. Aus heutiger Sicht war das eine barbarische Aktion, aber auf diese Art sind die Gemälde doch weitgehend erhalten geblieben und können jetzt wieder zu alter Schönheit restauriert werden.

Seit Anfang November sind die beiden Restauratoren Oliver Ander und Dirk Zacharias an der Arbeit. Teilweise sind die alten Gemälde noch schön erhalten. An solchen Stellen werden sie sorgfältig freigelegt. Diese Stellen dienen dann als Vorlage, um ihn an anderer Stelle, wo der Wandschmuck verlorengegangen ist, neu anzubringen oder zu ergänzen.

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So sah die Rokokomalerei aus, nachdem sie freigelegt worden war.
So sah die Rokokomalerei aus, nachdem sie freigelegt worden war. © Egbert Kamprath
Hier ist die Restaurierung abgeschlossen und der alte Glanz des Schlosses ist zu erkennen.
Hier ist die Restaurierung abgeschlossen und der alte Glanz des Schlosses ist zu erkennen. © Egbert Kamprath

Oben im zweiten Stock des Schlosses, wo jetzt die Restauratoren arbeiten, war früher das Theater, vermutet die heutige Besitzerin. Und der Wandschmuck zierte den Vorraum, im dem sich alle trafen, bevor die Vorstellung begann oder in der Pause. Deswegen sollte dieser Raum auch etwas hermachen.

Karl von Sachsen war ein lebensfroher Mann

Ilse von Schönberg geht davon aus, dass die Wandmalereien in Zusammenhang stehen mit den regelmäßigen Aufenthalten Karls von Sachsen auf Schloss Reichstädt. Karl war ein Enkel von August dem Starken und war bis 1763 Herzog von Kurland im heutigen Lettland. Diese Stellung hat er aber verloren und lebte dann im kurländischen Palais in Dresden und zur Sommerzeit auch auf Schloss Reichstädt. „Er galt als ein lebensfroher Mann“, sagt Frau von Schönberg.

Schloss Reichstädt gehörte der Familie Schönberg bis 1945, als es im Zuge der Bodenreform enteignet wurde. Später wurde es als Kreispionierhaus genutzt und stand dann nach der Wende einige Jahre leer. Der Landkreis suchte jahrelang vergebens Käufer für das Anwesen. Erst als ihm erlaubt wurde, das Schloss für einen symbolischen Preis abzugeben, konnte Ilse von Schönberg 1998 das Anwesen ihrer Familie zurückkaufen. Seitdem ist sie laufend am Bauen, Sanieren und Restaurieren.

Graues Gebäude zeigt seine Besonderheiten

„Anfangs machte es ja den Eindruck eines grauen Gebäudes. Aber es zeigte sich immer mehr, dass es sich um einen richtigen Schatz handelt“, sagt die Schlossherrin. Auch die Wandmalereien, die jetzt wieder zu altem Glanz erweckt werden, sind ein solcher Schatz. Weil solche Secco-Malereien aus dieser Zeit sehr kostbar sind, unterstützt auch das Landesamt für Denkmalschutz die Restaurierung und trägt 70 Prozent der Kosten, die sich insgesamt auf rund 60.000 Euro belaufen.

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Diese Kostbarkeiten zeigt Ilse von Schönberg auch regelmäßig bei den öffentlichen Schlossführungen. Derzeit finden sie nicht statt. Aber im Frühjahr will die Schlossherrin ihren Schatz gerne auch wieder interessierten Gästen vorführen. Ab April gibt es wieder jeden Sonntag um 15 Uhr eine Schlossführung.

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