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Abwasser in Dipps um 40 Prozent teurer

Fehler in der Kalkulation, mangelhafte Investitionen, im Dippser Abwasserbetrieb lag einiges im Argen. Nun steigt der Schmutzwasserpreis.

Hier in der Kläranlage Seifersdorf wird das Abwasser von den meisten Ortsteilen der Stadt Dippoldiswalde gereinigt. Dafür müssen die Bürger jetzt tiefer in die Tasche greifen.
Hier in der Kläranlage Seifersdorf wird das Abwasser von den meisten Ortsteilen der Stadt Dippoldiswalde gereinigt. Dafür müssen die Bürger jetzt tiefer in die Tasche greifen. © Egbert Kamprath

Die meisten Einwohner von Dippoldiswalde müssen künftig für das Abwasser erheblich tiefer in die Tasche greifen. Der Arbeitspreis für einen Kubikmeter Schmutzwasser steigt von 1,55 Euro auf 2,20 Euro. Das ist eine Mehrbelastung um rund 40 Prozent.

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Das ist eine Folge von Fehlern in den vergangenen Jahren. Denn der Preis fürs Abwasser war in den Ortsteilen von Dippoldiswalde, die zum Einzugsgebiet der Talsperre Malter gehören, schon einmal teurer. Bis 2014 galt hier ein Preis von 2,46 Euro für den Kubikmeter Schmutzwasser. Doch dabei hatte der Dippser Eigenbetrieb falsch kalkuliert, wie die Rechnungsprüfer damals herausgefunden hatten. Er hatte Geld falsch angerechnet und damit 1,3 Millionen Euro zu viel von den Bürgern eingenommen, die an die Schmutzwasserkanäle angeschlossen sind. Dieses Geld musste er zurückzahlen.

Preis-Steigerung schon vor Jahren prophezeit

Deswegen berechnete der Eigenbetrieb Abwasser ab 2015 eine Schmutzwassergebühr von 1,74 Euro pro Kubikmeter. Ab 2017 wurde es noch einmal günstiger mit 1,55 Euro pro Kubikmeter. Es war klar, dass nach Ende der Rückzahlung die Kosten wieder steigen. Axel Ilius der Leiter des Abwasserbetriebs kündigte schon 2017 an: „2021 werden die Schmutzwassergebühren wieder steigen, voraussichtlich auf das frühere Niveau.“ So kommt es jetzt auch.

Dazu kommt, dass der Abwasserbetrieb in dieser Zeit schlecht geführt war und zu wenig in seine Anlagen investiert hat. Wegen Mängeln in der Betriebsführung hat der Stadtrat dem früheren Betriebsleiter Axel Ilius die Entlastung für das Geschäftsjahr 2016 verweigert. Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) hat ihn Ende 2019 als Leiter des Abwasserbetriebs abgesetzt und er hat inzwischen die Stadtverwaltung verlassen.

In seiner Zeit hat der Abwasserbetrieb zu wenig in seine Anlagen investiert. Das ist jetzt auch ein Grund für die heftige Steigerung der Gebühren. Denn die Stadt muss ihre Anlagen in Ordnung halten und den Investitionsstau auflösen. Wäre in den letzten Jahren mehr unternommen worden, hätte damals das Abwasser schon etwas mehr gekostet, erklärte die Oberbürgermeisterin. Aber jetzt fiele die Steigerung sanfter aus.

Einsturzgefahr am Dippser Obertorplatz

Jetzt kommt die Arbeit an den Wasseranlagen wieder in Gang. Dieses Jahr will der Betrieb rund 677.000 Euro investieren, nächstes Jahr sollen es 2,1 Millionen Euro werden. Das größte Vorhaben im Jahr 2021 ist die Sanierung der Regenwasser-Anzüchte unter dem Obertorplatz. Anzüchte sind gemauerte unterirdische Hohlräume, in denen Wasser abgeleitet wird. In Dippoldiswalde sind die im 18. und 19. Jahrhundert für die Stadtentwässerung angelegt worden und gelten heute als Kulturdenkmal. Am Obertorplatz hat sie ein Ingenieurbüro untersucht und Schadstellen festgestellt, bei denen sogar Einsturzgefahr besteht. Rund 170.000 Euro sind für ihre Sanierung eingeplant.

Ein weiteres Vorhaben sind die Kanäle im Heideweg in Dipps. Hier sind eigentlich drei Projekte in Vorbereitung. Die Wasserversorgung will ihre Trinkwasserleitungen erneuern, der Abwasserbetrieb seine Kanäle und die Stadt die Straße. Diese Vorhaben sollten soweit möglich zusammengelegt werden. Die ursprüngliche Idee, Trink- und Abwasserleitungen zusammen zu erneuern, ist wahrscheinlich dieses Jahr nicht mehr zu halten, informierte Isabell Krönert, die kaufmännische Leiterin des Abwasserbetriebs. So will sie dann warten, bis die Stadt mit ihrem Straßenbauprojekt beginnt, damit wenigsten zwei Bauvorhaben verbunden werden. Insgesamt sind für den Heideweg bis 2023 300.000 Euro eingeplant.

Schweinerei in Berreuth soll aufhören

Dieses und nächstes Jahr sind auch 70.000 Euro für die Brücke am Lämmergrund in Paulsdorf vorgesehen. Hier lässt derzeit das Landratsamt die Brücke sanieren, über die auch Abwasserleitungen führen. Die werden in diesem Zusammenhang ebenfalls erneuert.

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Ein Projekt fällt finanziell weniger ins Gewicht, soll aber ein ständiges Ärgernis beseitigen. Wenn es kräftig regnet, läuft am Pumpwerk in Berreuth immer wieder das Abwasser über und fließt ungeklärt in den Reichstädter Bach. "Eine Schweinerei", wie der Ortsvorsteher von Berreuth feststellte. Für 12.000 Euro soll diese Anlage nun erweitert werden. Nächstes Jahr sind dann größere Summen eingeplant für Kanalbauten in Hennersdorf in der oberen Dorfstraße und in Obercarsdorf am Sonnenblick.

Der Stadtrat nahm die Kalkulationen des Abwasserbetriebs zur Kenntnis und beschloss sowohl die neuen Preise als auch den Wirtschaftsplan für das laufende Jahr.

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