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Arbeiterwohlfahrt baut an in Dipps

Der Wohltätigkeitsverband erweitert die geschützte Werkstatt im Gewerbegebiet Dippoldiswalde-Reinholdshain. Wem das zugutekommt.

Steffi Haase vom Betreuerteam der Arbeiterwohlfahrt in Reinholdshain hilft Annemarie, sich verständlich zu machen. Das klappt mit Hilfe der eigens zusammengestellten Buchstabenmappe.
Steffi Haase vom Betreuerteam der Arbeiterwohlfahrt in Reinholdshain hilft Annemarie, sich verständlich zu machen. Das klappt mit Hilfe der eigens zusammengestellten Buchstabenmappe. © Egbert Kamprath

Im Hof der geschützten Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt im Gewerbegebiet Dippoldiswalde steht ein Kran. Die Wände stehen, die Dachbalken sind gesetzt. Wenn nicht die Corona-Einschränkungen gelten würden, könnte in Kürze Richtfest gefeiert werden. Das muss ausfallen.

Die letzten Dachbalken kommen jetzt auf den Anbau an die geschützte Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt im Gewerbegebiet Dippoldiswalde-Reinholdshain.
Die letzten Dachbalken kommen jetzt auf den Anbau an die geschützte Werkstatt der Arbeiterwohlfahrt im Gewerbegebiet Dippoldiswalde-Reinholdshain. © Egbert Kamprath

Aber die Menschen, die hier im Förder- und Betreuungsbereich leben, und ihre Betreuer sind dennoch froh, dass sie gegen Ende dieses Jahres mehr Platz bekommen werden. In dieser Abteilung leben Menschen, die so stark beeinträchtigt sind, dass sie auch in der geschützten Werkstatt nicht mitarbeiten können.

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Zwölf Plätze gibt es offiziell, aber 22 sind belegt

„Es geht darum, auch ihnen eine Tagesstruktur zu geben, eine Aufgabe zu bieten, die sie schaffen können, eventuell sogar sie zu befähigen, dass sie in die Werkstatt wechseln können“, erklärt Christiane Faust, die den sozialen Dienst in Reinholdshain leitet.

Als die Arbeiterwohlfahrt 2002 die Werkstatt in Dippoldiswalde eingerichtet hat, hat sie auch den Förderbereich mit zwölf Plätzen geschaffen. Der ist heute überbelegt. Derzeit werden 22 Menschen hier betreut. Das ist noch genehmigt, aber nur im Hinblick auf den Neubau, der weitere zwölf Plätze bringt. Aber wirklich frei sind davon jetzt schon nur zwei.

In der Gruppe unter Gleichen klappt vieles besser

Die betroffenen Menschen leben meist in ihren Familien, einige auch in Wohngemeinschaften oder im Wohnheim. Das Angebot im Förderbereich ist dann vergleichbar einer Tagespflege im Seniorenheim. Früh werden die Klienten mit dem Fahrdienst geholt, sind den Tag über versorgt, bekommen eine Förderung und kommen abends wieder nach Hause. Sie kommen vor allem aus Dipps und Umgebung, aber auch aus Freital und Dresden.

Wenn sie tagsüber in der Gruppe sind, hilft ihnen das auch, die Schwierigkeiten des Alltags zu bewältigen. Das ist vergleichbar mit Kindern, die zu Hause manches nicht wollen, was aber in der Gruppe im Kindergarten klappt, wie das Essen. Außerdem entlastet diese Tagesbetreuung auch die Familien. Die Eltern können arbeiten gehen und wissen ihr Kind in guter Betreuung.

Technische Möglichkeiten unterstützen das Sprechen

Außerdem hat die Werkstatt manche Möglichkeiten, die zu Hause nicht immer zur Verfügung stehen. Steffi Haase, die den Förder- und Betreuungsbereich leitet, zeigt eine Reihe von Hilfsmitteln, die beispielsweise bei der Kommunikation helfen mit Menschen, die nicht reden können. So hat Annemarie einen kleinen Ordner zum Zeigen. Den hatte sie schon in der Förderschule angelegt. Dort stehen die Begriffe, die sie nicht sagen kann. Sie versteht sie aber und kann auf die Wörter zeigen. So drückt sie aus, ob sie Essen oder Trinken, Musik hören oder Spazierengehen will. Auf diesem Weg läuft bei ihr die Kommunikation.

Andere haben ein elektronisches Gerät, das ihnen beim Sprechen hilft. „Es gibt eine Menge Hilfsmittel, die so helfen, den Alltag zu gestalten“, sagt Ingo Mangelsdorf, Leiter der Pirnaer Werkstätten, zu der auch die Einrichtung in Reinholdshain gehört. Steffi Haase zeigt ein Steuergerät, mit dem Küchenmixer gestartet wird. Der normale Knopf am Gerät wäre zu filigran. Mit dieser Hilfe können auch Menschen beim Kochen helfen, die ihre Hände nicht so fein bewegen können.

Nun hoffen die Betreuer und die Klienten im Förderbereich, dass die Bauarbeiten zügig vorankommen, die im vergangenen Sommer begonnen haben. Insgesamt kostet das Vorhaben knapp eine Million Euro. 200.000 Euro bezahlt die Arbeiterwohlfahrt aus ihren eigenen Mitteln, den Rest fördern der Landkreis und das Land Sachsen.

Der Bau ist gegenüber dem ursprünglichen Zeitplan schon etwas im Verzug. Es gab einige Probleme. Der Baugrund war nicht so, wie anfangs angenommen. Firmen sind schwierig zu bekommen. Aber dieses Jahr sollen die neuen Räume noch bezogen werden.

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  • Die Arbeiterwohlfahrt Sonnenstein ist eine gemeinnützige GmbH, welche die Pirnaer Werkstätten betreibt.
  • Diese haben drei Betriebsstätten in Pirna, Heidenau und Dippoldiswalde-Reinholdshain.
  • Insgesamt besuchen 545 Menschen die Werkstätten.
  • In Dippoldiswalde sind es 153. Dazu kommen 22 im Förder- und Betreuungsbereich. Ein weiterer Förderbereich besteht in Pirna.
  • Ziel der Werkstätten ist es, auch Mitarbeiter an Arbeitsplätze in Firmen zu bringen. Bei rund 130 ist das bisher gelungen. Sie sind in Industriebetrieben, Kitas oder Senioreneinrichtungen tätig und übernehmen dort beispielsweise Hausmeisterarbeiten.

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