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Aus Hannover zum Sex ins Osterzgebirge gefahren

Ein Lehrer hat Sex jeder Art gesucht und ist dafür durch halb Deutschland gefahren. Im Osterzgebirge hat er nicht auf das zu junge Alter einer Partnerin geachtet.

Von Franz Herz
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Auf einer Webseite wie dieser haben sich ein Mann aus Hannover und ein Mädchen aus dem Osterzgebirge kennengelernt. Sie werden sich jetzt vor Gericht wiedersehen.
Auf einer Webseite wie dieser haben sich ein Mann aus Hannover und ein Mädchen aus dem Osterzgebirge kennengelernt. Sie werden sich jetzt vor Gericht wiedersehen. © Screenshot/SZ

Ein heute 31-jähriger Mann aus Hannover hatte im Frühjahr 2020 Sex mit einer jungen Frau in der Weißeritzregion und ihr dafür 400 Euro bezahlt, wie er jetzt vor Strafrichter Christian Mansch in Dippoldiswalde aussagte. Er hat die Frau über ein Internet-Portal „My Sugardaddy“ kennengelernt. Angeklagt ist er, weil sie damals erst 17 Jahre alt war. Das gilt als sexueller Missbrauch Jugendlicher.

Die berufliche Existenz als Lehrer hängt dran

Staatsanwalt und der Richter am Amtsgericht Dippoldiswalde gewichteten den Fall nicht ganz so schlimm und hatten dem Mann einen Strafbefehl über 120 Tagessätze geschickt. Das gilt als Urteil, und dagegen ist er in Widerspruch gegangen. Denn für ihn als Lehrer hängt seine berufliche Existenz daran. Derzeit läuft ein Entlassungsverfahren gegen ihn.

Er hat auch eine Spezialanwältin engagiert. Anne Patsch aus Frankfurt ist auf die Verteidigung in Sexualstrafsachen spezialisiert.

Kontakte jeder Art gesucht

Der Angeklagte war vor zwei Jahren in einer schwierigen Situation, wie er darlegte. Die Beziehung zu seiner Freundin war in die Brüche gegangen und er hatte seine Referendarsausbildung beendet. Er hat zum einen sich nach beruflichen Möglichkeiten umgesehen. Dafür war er auch in die Region Dresden gekommen.

"Klar, dabei geht es meist um Sex gegen Geld."

Zum anderen wollte er Sextreffen. „Ich habe damals sexuelle Kontakte jeder Art gesucht“, sagte er. Das fing bei üblichen Partnerportalen im Internet an und ging weiter auf außergewöhnlicheren Seiten, wie eben dem Portal „My Sugardaddy“. Dort suchen in der Regel wohlhabende ältere Männer junge Frauen. „Es ist klar, dabei geht es meist um Sex gegen Geld“, sagte der Angeklagte.

Vor dem Sex den Ausweis zeigen

So lernte er eine junge Frau aus dem Osterzgebirge kennen, hielt mir ihr auch eine Weile übers Internet Kontakt, ehe es schließlich zu dem einen Treffen kam. Die Frage, an der sich das weitere Verfahren entscheidet, ist: Hat er gewusst, dass die Frau, die er für Sex bezahlt hat, noch keine 18 Jahre alt ist?

Er argumentierte, dass man sich auf dem Portal überhaupt nur anmelden könne, wenn man mindestens 18 Jahre alt ist. Davon sei er ausgegangen. Der Staatsanwalt warf die Frage auf, ob er sich den Ausweis seiner Sexpartnerin hätte ansehen müssen. Die Situation sei nicht danach gewesen, antwortete der Angeklagte.

Die Grenze zur Strafbarkeit überschritten

Seine Sexpartnerin hätte ihm dann nach dem Akt erzählt, dass sie erst 17 sei. Wobei ihm im ersten Moment noch gar nicht klar gewesen sei, dass er damit die Grenze zur Strafbarkeit überschritten hat. Das Strafgesetz hat kein Problem, wenn Erwachsene Sex mit Jugendlichen ab 16 Jahre haben. Anders sieht das aus, wenn die Jugendlichen von den Erwachsenen abhängig sind oder wenn Geld bezahlt wird.

Die entscheidende Zeugin fehlt vor Gericht

Wie die Polizei davon erfahren hat, wurde vor Gericht nicht deutlich. Jedenfalls begannen Ermittlungen, und es folgte die Entlassung. Als Lehrer arbeitet er jetzt nicht mehr. Er verdient sich Geld in einem Minijob als Organist in einer Kirche.

Die entscheidende Zeugin, die junge Frau, die sich damals für Sex bezahlen ließ, ist aber vor Gericht nicht erschienen. Sie hatte zwar ein Schreiben geschickt, dass eine Aussage sie belasten würde. Aber das reicht als Entschuldigung nicht, erklärte der Richter. Deswegen wird das Verfahren Ende März neu aufgerollt, mit ihr als Zeugin.