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Bärlauch pflücken kann teuer werden

Der Heimatverein Schlottwitz will nicht hinnehmen, dass ein beliebtes Wandergebiet weiter geplündert wird.

Jürgen Morgenstern bringt mit Neo, Nils, Noel und Jonathan Tafeln an, die darauf hinweisen, dass das Sammeln von Bärlauch im Trebnitzgrund verboten ist.
Jürgen Morgenstern bringt mit Neo, Nils, Noel und Jonathan Tafeln an, die darauf hinweisen, dass das Sammeln von Bärlauch im Trebnitzgrund verboten ist. © Karl-Ludwig Oberthür

Wieder einmal hat Jürgen Morgenstern seine Wanderstiefel geschnürt. Diesmal möchte er einen seiner Lieblingsplätze ablaufen: den Trebnitzgrund. Das wildromantische Tal zwischen Schlottwitz und Liebenau hat es dem Schlottwitzer Wegewart angetan. Deshalb ist er hier oft unterwegs. Diesmal wird er von einer kleinen Schar Kinder begleitet, denen er die Schönheiten der Natur vor Ort zeigen möchte. Ein Service, den der Schlottwitzer Heimatverein gern anbietet.

Im Rucksack hat der Schlottwitzer aber diesmal auch einen Akkuschrauber, ein paar Schräubchen und Hinweisschilder. Mit den Kindern möchte er die Schilder anbringen. Es sind Hinweise für andere Wanderer. Die Tafeln sind leider nötig, sagt der Wegewart. Denn immer wieder halten sich einige nicht an die Regeln.

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Der Trebnitzgrund ist nicht nur ein abgeschiedenes Tal, sondern auch ein Naturschutzgebiet. Hier ist einiges verboten. "Das Verlassen von Wegen und das Sammeln von Pflanzen und Pflanzenteilen ist hier generell untersagt", erklärt Morgenstern.

Gewürzpflanze wird immer beliebter

Dass er diese Regeln gerade jetzt so betonen muss, liegt am Bärlauch, einer in jüngster Zeit immer beliebter gewordenen Gewürzpflanze. Diese wächst hier im Tal. Und das wissen viele. "In den vergangenen Jahren wurde der Bärlauch im Trebnitzgrund extensiv gesammelt und dadurch schon großflächig ausgerottet", sagt der 67-Jährige, der seit zwei Jahren ehrenamtlich als Wegewart arbeitet.

"Mir wurde auch schon zugetragen, dass es Personen gab, die ganze Pflanzen ausgegraben und mitgenommen haben." Mehr als einmal habe er Sammler angetroffen, die mit großen Beuteln und Körben unterwegs waren. In den meisten Fällen ließen sie nach dem Hinweis auf die Regeln im Naturschutzgebiet vom Sammeln ab. Doch nicht alle zeigen sich einsichtig.

Ein Pärchen sei seiner Anforderung nicht gefolgt, erzählt er von einer Begegnung im letzten Jahr. Die beiden hatten "Pech". Denn beim Verlassen des Trebnitzgrundes kam gerade eine Polizeistreife angefahren. Jürgen Morgenstern hielt die Beamten an und erklärte ihnen, was passiert ist.

"Die Polizisten haben daraufhin die Personalien der Sammler aufgenommen." Das dürfte ein Nachspiel gegeben haben, ist sich Morgenstern sicher. Nach dem sächsischen Naturschutzgesetz können immerhin Strafen bis zu 50.000 Euro ausgesprochen werden.

Der etwa zwölf Kilometer lange Trebnitzgrund zwischen Schlottwitz und Liebenau ist ein beliebtes Wandergebiet.
Der etwa zwölf Kilometer lange Trebnitzgrund zwischen Schlottwitz und Liebenau ist ein beliebtes Wandergebiet. © Karl-Ludwig Oberthür

So weit möchte er es nicht kommen lassen. Deshalb schraubt Jürgen Morgenstern mit Neo, Nils, Noel und Jonathan am unteren Zugang zum Trebnitzgrund ein Schild in A-4-Größe gut sichtbar an einen Mast. Zwei weitere werden an anderen Eingängen zum Tal folgen.

"Vorsicht! Bärlauch-Pflücken kann teuer werden" steht über dem Text, der die Hintergründe erklärt. Morgenstern weiß, dass frischer Bärlauch mit seinem markanten Duft in die Nase steigt und zum Mitnehmen einlädt. "Er dient als Knoblauch-Ersatz. Auch ich esse mit Bärlauch verfeinerte Speisen und ein Bärlauch-Süppchen ganz gern", gibt der Schlottwitzer zu.

Auch andere Pflanzen brauchen Schutz

Doch die frische Gewürzpflanze holt er sich an anderen Stellen. Bärlauch wächst auch im Müglitztal, so unterhalb von Mühlbach und oberhalb des Weesensteiner Schlossgartens, sagt er. Er und seine Mitstreiter im Heimatverein hoffen, dass alle Wanderer die Hinweise beherzigen. Trotzdem werde man immer wieder unterwegs sein, um zu schauen, ob die Besucher die Regeln auch einhalten. Denn es geht nicht nur um Bärlauch, sondern auch um andere Pflanzen, die geschützt werden müssen.

"Im Trebnitzgrund wachsen viele früh blühende Pflanzen, die unter Schutz stehen, und die von Bärlauch-Sammlern zertreten und im Wachstum gehindert werden können", erklärt Morgenstern und zählt einige auf: Schüsselblumen, Leberblümchen, Knabenkraut, Lungenkraut, Lärchensporn, weiße und gelbe Buschwindröschen.

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Jürgen Morgenstern hofft, dass er und seine Mitstreiter noch retten können, was zu retten ist. Deshalb appelliert er an seine Mitbürger, die auch gerne wandern - und Bärlauch mögen: "Schützen wir die Natur, damit wir sie für unsere Nachkommen erhalten. Auch sie haben ein Recht auf Freude und Erholung in der Natur!" Kurzum: Vergreift euch nicht am Bärlauch im Naturschutzgebiet!

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