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Colmnitzer Möbelfabrik wird doch nicht zwangsversteigert

Die Gemeinde Klingenberg hatte einen Termin beim Amtsgericht Dresden erwirkt. Doch dann kam alles anders.

Von Anja Ehrhartsmann
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Die Ruine in der Colmnitzer Ortsmitte verfällt zusehends.
Die Ruine in der Colmnitzer Ortsmitte verfällt zusehends. © Egbert Kamprath

Die ehemalige Stuhl- und Möbelfabrik in der Colmnitzer Ortsmitte - heute eine Industriebrache, die zunehmend verfällt - sollte am Mittwoch eigentlich erneut unter den Hammer kommen: "Wir haben den Zwangsversteigerungstermin zurückgezogen, weil die rückständige Zahlung überraschenderweise Anfang der Woche bei uns eingegangen ist", sagt Klingenbergs Hauptamtsleiterin Heike Neuber.

Ausstände gab es, da bisher noch nicht einmal die 7.100 Euro, für die das sanierungsbedürftige Objekt im Januar 2020 von der Zweite K+B Projekt UG mit Sitz in Zossen ersteigert wurde, bezahlt worden waren. Hinzu kam noch die Grundsteuer, die seitens der Gemeinde vierteljährlich erhoben wird. "Die Gemeinde hat nun keine offenen Forderungen mehr", so Heike Neuber.

Gebäude mit bewegter Geschichte

Die ehemalige Stuhl- und Möbelfabrik Hoffmann & Kittel in der Unteren Hauptstraße 23 in Colmnitz blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Die Immobilie mit rund 310 Quadratmetern Wohn- und 3.520 Quadratmetern Gewerbefläche und großem Grundstück war einst florierendes Unternehmen und größter Arbeitgeber im Ort. Die Stuhl- und Möbelfabrik Hoffmann & Kittel nahm 1913 den Betrieb auf, bis zur Enteignung 1948. Angeblich waren dort im Zweiten Weltkrieg Munitionskisten gebaut worden. Etwa bis 1963 wurden in der Firma dann ausschließlich Möbel hergestellt. Ab 1964 war der Volkseigene Betrieb (VEB) Möbelfabrik Colmnitz dann Betriebsteil der VEB Bodenbearbeitungsgeräte Leipzig. Nach den Wende-Jahren wurde es dann ruhig um die Fabrik am Colmnitzbach. Irgendwann hatte eine Firma Marek wohl noch einige Räume gepachtet, vor der Versteigerung 2009 stand das Gebäude allerdings schon jahrelang leer.

Bei der Internetversteigerung der Deutschen Grundstücksauktionen AG 2009 bekam damals "Germany 100" - so der online Nutzer-Name des Käufers - den Zuschlag, für 3.600 Euro. Der Besitzer kümmert sich nicht um das Haus, weshalb die Gemeinde Klingenberg Anfang 2020 schon einmal eine Zwangsversteigerung erwirkte hatte.