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Corona: Als das Virus nach Sachsen kam

Vor genau einem Jahr wurde der erste Corona-Fall im Freistaat bekannt. Ein Rentner aus dem Osterzgebirge hatte sich auf einer Reise nach Südtirol angesteckt.

Raimund Kunze aus Naundorf war selbst nicht infiziert. Als Mitglied der Reisegruppe gehörte er aber zu den ersten Sachsen, die in Quarantäne mussten.
Raimund Kunze aus Naundorf war selbst nicht infiziert. Als Mitglied der Reisegruppe gehörte er aber zu den ersten Sachsen, die in Quarantäne mussten. © Archivfoto: Egbert Kamprath

Das Corona-Virus war Anfang 2020 etwas, das die meisten Deutschen nur aus den Nachrichten kannten - aus dem fernen China. Aber vor genau einem Jahr kam das Virus zum ersten Mal auch in Sachsen an - im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge.

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Die ersten Betroffenen waren die Teilnehmer einer Reisegruppe aus dem Osterzgebirge. Ein Schmiedeberger Veranstalter organisierte jedes Jahr eine Bustour nach Antholz in Südtirol. Dort ist um diese Zeit normalerweise herrliches Winterwetter, und es finden Biathlon-Wettkämpfe statt, Weltcups und im vergangenen Jahr sogar die Weltmeisterschaft.

Zehn Tage strenger Hausarrest

In der Reisegruppe kennt man sich. „Manche sind regelmäßig dabei, andere nur alle zwei oder drei Jahre“, erzählt Peter Hofmann aus Schmiedeberg, der im vergangenen Jahr schöne Tage in Antholz erlebt hat. Aber die nahmen ein abruptes Ende.

Den Südtirol-Urlaubern aus Sachsen hatten sich weitere sechs Teilnehmer aus Niedersachsen angeschlossen. Einer von ihnen wurde nach der Rückkehr in Hannover positiv auf das Virus Sars-CoV-2 getestet. Die Meldung darüber ging anschließend an das Gesundheitsamt in Pirna. Sämtliche Teilnehmer der Reisegruppe mussten daraufhin sofort in Quarantäne.

„Am Sonntag ist das genau ein Jahr her“, erinnert sich Hofmann. „Für uns hieß das kompletter Hausarrest. Unsere Tochter kaufte für uns ein und stellte das Essen vor die Türe“, sagt er. Auch mussten die Betroffenen regelmäßig ihre Temperatur messen und ihre Gesundheit beobachten.

Heute ist ganz Italien Risikogebiet

Am Sonntag, dem 1. März 2020, war die Nachricht von der Infektion des niedersächsischen Mitreisenden gekommen. Am Montag musste die ganze Busbesatzung zum Test antreten. Es kam heraus, dass sich ein Rentner aus dem Dippoldiswalder Ortsteil Obercarsdorf ebenfalls angesteckt hatte. Das Virus war damit angekommen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge - und in Sachsen.

„Beim ersten Test ging es noch etwas durcheinander“, erinnert sich Raimund Kunze, ein weiterer Teilnehmer der Reisegruppe. Das musste sich erst einspielen. Beim zweiten Test lief es schon besser. Nachdem dieser bei seiner Frau und ihm Entwarnung gebracht hatte, durfte Kunze nach neun Tagen wieder aus der Quarantäne raus. Weitere zehn Tage später galt auch der infizierte Mann aus Obercarsdorf wieder als genesen, wie das Landratsamt mitteilte.

Peter Hofmann hofft nun, dass die Pandemie bald überwunden wird. „Sie wissen doch, wie das bei Rentnern ist. Wir verreisen gerne“, sagt er. Die traditionelle Südtirolreise musste dieses Jahr komplett ausfallen. Die Biathlonwettbewerbe in Antholz fanden zwar statt, aber komplett ohne Publikum. Ganz Italien ist heute Risikogebiet. Im Februar 2020 hingegen hatte noch niemand Bedenken, als die Gruppe mit Teilnehmern aus Schmiedeberg, Dippoldiswalde, Altenberg, Hartmannsdorf-Reichenau oder Kreischa in Südtirol unterwegs war.

Erste Bedenken wegen einer Massenveranstaltung

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Damals war ohnehin eine spannende Situation im Osterzgebirge. Genau an dem Wochenende, als der erste Corona-Alarm wegen der Südtirol-Reisenden ausgelöst wurde, gingen die Bob-Weltmeisterschaften in Altenberg mit rund 25.000 Besuchern zu Ende. „Wir machten uns da schon Sorgen. Wenn dort etwas passiert“, sagt Dippoldiswaldes Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU). Sie rief daraufhin einen Sicherheitsstab ins Leben, um reagieren zu können. Diese Gruppe, zu der auch das Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk, die Feuerwehr, Krankenhaus oder Pflegeeinrichtungen gehören, besteht bis heute. Inzwischen treffen sich die Mitglieder regelmäßig in Videokonferenzen, um über die aktuelle Lage zu beraten.

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