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75 Meter tief in einem alten Dippoldiswalder Bergwerk

Vor drei Jahren tat sich ein Tagesbruch auf einem Acker oberhalb der Stadt auf. Was sich darunter verbarg, überraschte selbst die Fachleute beim Oberbergamt.

Thomas Witzke, Mitarbeiter der Bergsicherung Freital, steht hier an der in den Fels gehauenen Tafel, die an dem Fund eines Erzgangs 1798 erinnert.
Thomas Witzke, Mitarbeiter der Bergsicherung Freital, steht hier an der in den Fels gehauenen Tafel, die an dem Fund eines Erzgangs 1798 erinnert. © Egbert Kamprath

Wer von Oberhäslich nach Dipps fährt, sieht im Südwesten über der Stadt mitten auf dem Acker eine Baustelle. Weiß ragt das Mörtelsilo in den Himmel, daneben eine hölzerne Hütte. Darunter führt ein Schacht 75 Meter in die Tiefe. Sächsische.de hat sich dort umgesehen.

Der Bergbau geht bis ins Mittelalter zurück

Kurz nach Weihnachten 2017 hat sich ein Tagesbruch auf dem Acker oberhalb der Wohnsiedlung am Firstenweg in Dippoldiswalde geöffnet. „Für das, was wir sonst kennen in Dippoldiswalde, war er relativ groß“, sagt Volkmar Scholz. Vier Meter in der Tiefe und sechs Meter im Durchmesser hatte das Loch in der Erde, das dann gleich ans Oberbergamt nach Freiberg gemeldet wurde. Dort ist Scholz für den Altbergbau zuständig. Er kümmert sich seitdem um die Sicherung in Dippoldiswalde. Doch die lief anders, als er erwartet hatte.

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Große Hohlräume tun sich untertage bei Dipps auf. Nur noch klein ist Volkmar Scholz vom Oberbergamt darin zu sehen.
Große Hohlräume tun sich untertage bei Dipps auf. Nur noch klein ist Volkmar Scholz vom Oberbergamt darin zu sehen. © Egbert Kamprath
Grünlich schimmert das oxidierte Kupfer im Heilige-Drei-König-Stollen bei Dipps.
Grünlich schimmert das oxidierte Kupfer im Heilige-Drei-König-Stollen bei Dipps. © Egbert Kamprath
Kuriose Gebilde sind unter Tage auch zu beobachten, wie hier Mangantropfsteine.
Kuriose Gebilde sind unter Tage auch zu beobachten, wie hier Mangantropfsteine. © Egbert Kamprath
Unter dieser Hütte geht ein Schacht 75 Meter in die Tiefe.
Unter dieser Hütte geht ein Schacht 75 Meter in die Tiefe. © Egbert Kamprath
Das sind Reste des Bergbaus, der vor 220 Jahren hier geendet hat.
Das sind Reste des Bergbaus, der vor 220 Jahren hier geendet hat. © Egbert Kamprath
Damit fing die Sicherungsaktion an. Am Neujahrtag 2018 hatte sich dieses Loch auf dem Acker bei Dippoldiswalde aufgetan.
Damit fing die Sicherungsaktion an. Am Neujahrtag 2018 hatte sich dieses Loch auf dem Acker bei Dippoldiswalde aufgetan. © Egbert Kamprath

Das Oberbergamt kannte die Stelle, den Heilige-Drei-König-Erbstollen. Es gibt alte Risse von 1798, wo diese Schächte und Stollen verzeichnet sind - aber nicht vollständig. Deswegen warteten dann untertage einige Überraschungen.

Wasser stand acht Meter über dem Mundloch

Von der Stelle führt ein Stollen in Richtung Stadt, aus dem früher die Wäscherei Reichel ihr Betriebswasser bekam. Der hat sich dann aber zugesetzt, ist versiegt, und die Wäscherei hat sich einen eigenen Brunnen gebohrt.

© SZ Grafik

Geplant war nach dem Tagesbruch, den Stollen in Ordnung zu bringen und den eingefallenen Schacht zu sichern. Den Auftrag dafür bekam die Bergsicherung Freital GmbH. Deren Mitarbeiter begannen vorsichtig mit der Arbeit. Sie begannen gleichzeitig am Mundloch des Stollens und am Tagesbruch auf dem Acker zu arbeiten. Im Schacht stand aber Wasser. Erste Vermessungen haben ergeben, dass der Wasserspiegel acht Meter über dem Mundloch des Stollens war.

Erste Dokumente stammen von 1558

Sofort wurden die Arbeiten am Stollenmundloch gestoppt. Wenn es dort einen Durchbruch gegeben hätte, wäre das Wasser mit enormem Druck rausgespritzt. Mehrere tausend Kubikmeter standen in den alten Hohlräumen, schätzt Scholz. Es war ja ein Glück für Dipps, dass vorher nie so etwas passiert ist. Die Bergleute haben dann den Stollen von oben angebohrt und eineinhalb Wochen lang das Wasser abgepumpt. Bis hinunter auf die Höhe, wo der Entwässerungsstollen abzweigt, können sie jetzt arbeiten.

Mehrere Leitern, Bergleute sprechen von Fahrten, führen in die Tiefe und in das Herz des alten Bergwerks. Schriftliche Quellen gibt es dafür seit 1558. Scholz geht davon aus, dass die alten Dippser hier auch im Mittelalter schon Erz abgebaut haben. „Nur können wir das nicht nachweisen“, bedauert er. Denn die Bergwerke in der Innenstadt sind nach der ersten Bergbauphase unberührt liegengeblieben. Daher haben sich dort Hölzer erhalten, die beweisen, dass sie schon im 12. Jahrhundert geschlagen wurden.

Silber war fast alle, zuletzt wurde noch Kupfer gefördert

Im Heilige-Drei-König-Erbstollen lebte der Bergbau immer wieder auf. Nach 1558 wurde Silber gefördert. Dafür sind schriftliche Quellen überliefert. „Vermutlich ist das im 30-jährigen Krieg zum Erliegen gekommen“, sagt Scholz. 1701 ging das Bergwerk wieder in Betrieb, das ganze 18. Jahrhundert hindurch. Dann wurde mehr Kupfer gefördert. Die Silbervorräte sind wohl vorher schon weitgehend ausgebeutet worden. Für die Zeit von 1710 bis 1733 sind Unterlagen überliefert, nach denen etwas Silber gefördert wurden. Dem stehen im selben Zeitraum rund 160 Dezitonnen Kupfer entgegen, berichtet Scholz. Kupferverbindungen sind heute noch an den Wänden zu sehen. Grünlich schimmert Malachit, bläulich Azurit. Was hell silbern glänzt, ist leider kein Silber, sondern nur Feuchtigkeit, in der sich das Licht der Grubenlampe spiegelt.

Bergwerk gelöscht und versteigert

1801 haben die Arbeiter mit Streik gedroht, weil ihnen Löhne nicht gezahlt wurden. Es haben sich nicht mehr genügend Geldgeber gefunden und der Bergbau wurde eingestellt. 1807 findet sich in den Dokumenten der Vermerk, dass das Bergwerk gelöscht, die zugehörige Pochmühle versteigert wurde, um Schulen zu bezahlen. Die Halden wurden abgefahren, womöglich zum Wegebau verwendet, berichtet Scholz. Die Fläche ist seitdem wieder Acker.

Die unterirdischen Hohlräume darunter sind immer noch vorhanden. Insgesamt führt der Schacht des Drei-König-Bergwerks rund 75 Meter in die Tiefe. Aber so tief ist seit 200 Jahren niemand mehr hinabgestiegen. Auch jetzt steht die untere Hälfte unter Wasser, und das bleibt auch so. Davon geht keine Gefahr aus.

Etwa auf halber Höhe zweigt dann der Stollen ab, der das Wasser in Richtung Stadt ableitet. Von ihm ist nicht allzu viel Wasser zu erwarten, deswegen wird er an die Dippser Regenentwässerung angeschlossen. In dieser Tiefe wird der Schacht mit seinen Seitengängen offenbleiben.

Hohlräume nur wenige Meter unterm Feld

Erst weiter oben, 15 Meter unter der Oberfläche, beginnt die Sicherung. „Hier suchen wir einen geeigneten Verwahrhorizont“, erklärt Martin Pfütze, Prokurist bei der Bergsicherung. Verwahren bedeutet, dass dort eine Betondecke eingezogen und der komplette Hohlraum darüber mit Beton verfüllt wird.

Denn die alten Bergleute haben jede kleine Erzader verfolgt. Es ist also nicht nur der Schacht, von dem Gefahr ausgehen kann. Auch andere Hohlräume haben sie vorangetrieben, teilweise von unten bis drei, vier Meter unter die Erdoberfläche. Das kann dann schon gefährlich werden, wenn ein schwerer Traktor drüberfährt. Das soll für die Zukunft ausgeschlossen werden.

Dass sich diese Arbeiten so ausweiten, damit hat nach dem Tagesbruch vor dreieinhalb Jahren niemand gerechnet. „Normalerweise wird ein Tagesbruch auf dem Feld eingezäunt und gesichert“, sagt Scholz. „Aber hier war deutlich, dass mehr erforderlich ist.“

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