merken
PLUS Dippoldiswalde

Der traurige Rest vom Gasthof Seifersdorf

Mit einem Knall begann vor einem Jahr das jähe Ende des Anwesens. Dann kam's zum Abriss und jetzt weiß keiner, wie es weitergehen soll.

Diese alte Postkarte zeigt, was das Erbgericht in Seifersdorf für ein schmucker Gasthof war.
Diese alte Postkarte zeigt, was das Erbgericht in Seifersdorf für ein schmucker Gasthof war. © Archiv Uto Böhme

Einst war es ein stolzer Gasthof, das Erbgericht im Dippoldiswalder Ortsteil Seifersdorf. Heute ist davon nur noch ein trauriger Rest übrig, und der hat das Zeug, sich zu einem Sorgenkind zu entwickeln. Das Seifersdorfer Erbgericht stand einst mitten im Ort, auf der anderen Straßenseite gegenüber der Kirche. Heute liegt dort nur noch ein Haufen Bauschutt. Mehr ist von dem Anwesen nicht mehr übrig. Der Seifersdorfer Ortsvorsteher Uto Böhme (Wählervereinigung) sprach auf der Stadtratssitzung am Mittwoch Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU) auf das Problem an. „Der Abriss des Gasthofs liegt jetzt ein Jahr zurück. Wie lange dauert es noch, bis das Gelände beräumt wird?“

Mehr war nach dem Abriss im vergangenen Jahr nicht mehr übrig vom Gasthof Erbgericht in Seifersdorf. Und dieser Rest hat das Zeug, sich zum Problemfall zu entwickeln.
Mehr war nach dem Abriss im vergangenen Jahr nicht mehr übrig vom Gasthof Erbgericht in Seifersdorf. Und dieser Rest hat das Zeug, sich zum Problemfall zu entwickeln. © Frank Baldauf

Der Gasthof stand schon seit vielen Jahren leer. Sein Eigentümer hatte begonnen, das Haus zu renovieren, ist aber in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten. Der Gasthof verfiel. Decken fielen ein. Ende Juli 2019 hörten Nachbarn einen lauten Knall. Und es machte den Eindruck, dass die Giebelwand einstürzen könnte. Daran führt aber die öffentliche Zufahrt für die Häuser dahinter vorbei. Die Stadt sperrte die Straße und setzte dem Eigentümer eine Frist, um die Gefahr zu beseitigen. Jedoch geschah nichts. Schließlich hat die Stadt ein Fachunternehmen beauftragt, den Gasthof soweit abzureißen, dass davon keine Gefahr mehr ausgeht. Ringsherum ließ sie einen Bauzaun aufstellen. Abriss und Zaun haben rund 11.000 Euro gekostet.

TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen
TOP Veranstaltungen

Was ist los in Sachsen und Umland? Wo gibt es was zu erleben? Unsere Top-Veranstaltungen der Woche!

Ortsvorsteher fordert Stadtverwaltung zum Handeln auf

Die Stadt hat sich gekümmert, um die akute Gefahr zu beseitigen. Alles Weitere wäre eigentlich wieder Sache des Eigentümers. Doch von seiner Seite aus sind keine Aktivitäten zu beobachten. Daher sprach der Ortsvorsteher das Problem im Stadtrat an. Die Oberbürgermeisterin erklärte die Rechtslage und dass es keinen neuen Sachstand dazu gebe. Doch damit ist der Vertreter von Seifersdorf nicht zufrieden. Er will nicht auf Dauer einen Schutthaufen mitten im Ort haben. „Hier wird nichts, wenn sich die Stadt nicht reinhängt. Sie muss hier handeln“, ist seine Forderung.

Gute Erinnerung an Willy Kunath

Für Seifersdorf ist die Geschichte bedauerlich. Das Erbgericht war einst zentraler Treffpunkt im Dorf und bot auch Herberge für Besucher. Alte Postkarten beweisen, dass hier keine armen Leute abgestiegen sind. Und der Saal bot die Möglichkeit zu vielerlei Treffen und Unterhaltung. Woran sich viele noch erinnern, sind die Tanzveranstaltungen in den 1960er- und 1970er-Jahren. Damals hat Willy Kunath das Haus bewirtschaftet. Er war eine Institution im Dorf. Man ging zum Willy. Und er hat auch bekannte Gruppen nach Seifersdorf geholt. Die Puhdys, Elektra oder Panta Rhei haben in dem Haus gespielt. Ihre Fans kamen aus der ganzen Umgebung.

Nach Willy Kunaths Tod änderte sich das. Seine Erben haben das Erbgericht an die Großhandelsgesellschaft Magdeburg verkauft, die daraus ein Ferienheim für ihre Mitarbeiter gemacht hat. Die Gaststätte war weiter in Betrieb und wurde in Seifersdorf auch geschätzt. Der Saal war jedoch ab 1974 für öffentliche Veranstaltungen gesperrt.

Weiterführende Artikel

Das traurige Ende eines beliebten Gasthofs

Das traurige Ende eines beliebten Gasthofs

Bis 1974 lebte in Seifersdorf der Saal im Erbgericht. Später ging es stetig bergab. Jetzt hat es richtig geknallt.

Nach der Wende ging das Anwesen an die Treuhand. Verschiedene Wirte haben dort gearbeitet, aber immer nur kurze Zeit. Schließlich hatte die Treuhand einen Käufer aus einem Nachbarort gefunden. Der hatte sich auch um die Renovierung bemüht. Aber als er in wirtschaftliche Probleme kam, war das auch vorbei. Heute wäre die Aufgabe des Eigentümers, den Schutt zu beräumen und eine neue Nutzung für das Grundstück zu finden. 

Mehr Nachrichten aus Dippoldiswalde und Umgebung lesen Sie hier. 

Mehr zum Thema Dippoldiswalde