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Hochwasser-Generalprobe im Pöbeltal

Am Sonntag wird der höchste Wasserstand erwartet beim Probestau des neuen Damms bei Schmiedeberg. Der Stausee ist aber ein höchst gefährliches Gewässer.

Birgit Lange von der Landestalsperrenverwaltung steht vor dem angestauten Hochwasserrückhaltebecken im Pöbeltal.
Birgit Lange von der Landestalsperrenverwaltung steht vor dem angestauten Hochwasserrückhaltebecken im Pöbeltal. © Karl-Ludwig Oberthür

15 Meter tief ist der Stausee im Pöbeltal bei Schmiedeberg am Freitagnachmittag. Die Schneeschmelze hat ihn gut gefüllt. Bis Sonntag soll der Wasserspiegel noch weiter steigen. Dann wird es an der tiefsten Stelle 18 Meter in die Tiefe gehen und gut 500.000 Kubikmeter Wasser im Pöbeltal stehen, rechnet Staumeister Michael Kloppisch vor. „Diesen Stand erreichen wir hoffentlich am Sonntagnachmittag“, sagt Birgit Lange, Betriebsleiterin Oberes Elbtal bei der Landestalsperrenverwaltung. Der jetzige Anstau ist sozusagen die Generalprobe für eine Premiere, von der alle hoffen, dass sie lange nicht stattfindet: Das erste Hochwasser, bei dem der Damm angestaut wird. Das soll eine Entlastung vor allem für Schmiedeberg aber im ganzen Weißeritztal bis Dippoldiswalde und Freital bringen.

Die besonderen Risiken des ersten Anstaus

Rein technisch ist Lange mit dem bisherigen Ablauf zufrieden. Aber dennoch hat sie Sorgen. Denn der Stausee hat sich inzwischen zu einer kleinen Attraktion entwickelt. Ja es wurden schon Kanus und Schlauchboote darauf gesichtet. „Die Leute wissen gar nicht, wie gefährlich das ist. Das Tal steht ja zum ersten Mal unter Wasser, niemand weiß wie der Untergrund reagiert“, sagt Lange. Lockeres Gestein an den Seiten kann abrutschen, nachdem es jetzt durchnässt wurde. Das kann jemand mitreißen und hohe Wellen verursachen. Auch weiß niemand, wie stabil die Bäume stehen. Gerade Fichten, die nur flach wurzeln, können im aufgeweichten Boden an Halt verlieren und schon von leichtem Wind oder Wellen umgeweht werden. Und in diesem Gewässer lauern auch Gefahren, die es anderswo unter der Wasseroberfläche nicht gibt, wie Verkehrsschilder oder Bäume. Deswegen haben die Mitarbeiter der Talsperrenverwaltung ringsherum Warnschilder aufgestellt, damit nicht am Wochenende noch etwas passiert. Das würde gar nicht zum bisher guten Verlauf des Probestaus passen.

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Diese tonnenschwere Stahlplatte verschließt den Autodurchlass am Hochwasserschutzdamm im Pöbeltal. Funktioniert sie auch unter dem Wasserdruck. Das zeigt der Probestau.
Diese tonnenschwere Stahlplatte verschließt den Autodurchlass am Hochwasserschutzdamm im Pöbeltal. Funktioniert sie auch unter dem Wasserdruck. Das zeigt der Probestau. © Karl-Ludwig Oberthür
Staumeister Michael Kloppisch steigt in einen Schacht zur Kontrolle des Damms. Das gehört zu seinen regelmäßigen Messrunden, die er während des Probestaus am neuen Damm im Pöbeltal macht.
Staumeister Michael Kloppisch steigt in einen Schacht zur Kontrolle des Damms. Das gehört zu seinen regelmäßigen Messrunden, die er während des Probestaus am neuen Damm im Pöbeltal macht. © Karl-Ludwig Oberthür

Regelmäßig machen die Staumeister ihr Runden und kontrollieren eine Reihe von Messstellen, beispielsweise werden Grundwasser und Sickerwasser kontrolliert. Der Damm steht ja im Altbergbaugebiet. Mit großen Aufwand hat die Bergsicherung hier alte Stollen gesucht und mit Beton verfüllt. Was aber ist, falls doch irgendwo ein Hohlraum übersehen wurde? Das würde sich bei den Grundwassermessungen zeigen. „Dafür haben wir aber keinerlei Anzeichen“, sagt Lange.

Sie sitzt dreimal die Woche zusammen mit Fachleuten der Landesdirektion, den Planern des Damms, den Gutachtern für den Baugrund, der Stadtverwaltung Dippoldiswalde, der Straßenmeisterei und mehreren Kollegen aus der Landestalsperrenverwaltung in der sogenannten Probestaukommission. Diese Runde analysiert den Fortgang des Probestaus genau und analysiert die Messwerte. „Bisher lagen die alle im erwartbaren Bereich“, sagt Kloppisch.

Bei einem Hochwasser geht es 40-mal schneller

Der Staudamm ist ein höchst komplexes Bauwerk, das über 50 Millionen Euro gekostet hat. Jetzt muss der Damm selbst, aber auch die installierte Technik unter Belastung zeigen, dass alles so funktioniert wie geplant. Eine Reihe von Absperrungen sind installiert. Die müssen nicht absolut dicht sein. Wenn ein bisschen durchläuft, ist das kein Problem. Aber es gibt Grenzen, die nicht überschritten werden dürfen. Sonst gibt es ein Sicherheitsproblem.

Jetzt ist genug Luft, um so etwas zu kontrollieren. Der Wasserstand steigt langsam an. Am Freitag flossen rund 900 Liter Wasser pro Sekunde in den neuen Stausee. Bei einem Hochwasser, so wie es im Schnitt alle hundert Jahre erwartet wird, rechnen die Wasserbauer mit dem Vierzigfachen in der gleichen Zeit. Da bleibt dann keine Luft mehr, die Technik zu kontrollieren. Alles muss planmäßig funktionieren.

Straßenöffnung ist für Ende nächster Woche geplant

Die Messprogramme laufen auch am Wochenende. Wenn, wie angestrebt, eine halbe Million Kubikmeter Wasser im Becken sind, bleiben die zwei Tage stehen, um zu verfolgen, wie der Wasserdruck sich auswirkt, ob beispielsweise der Staudamm sich senkt, wenn er im Wasser steht. Wenn sich dabei irgendwelche Mängel zeigen, müsste die Baufirma noch einmal anrücken.

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Danach öffnet der Staumeister die Auslässe wieder und das Wasser wird kontrolliert abgelassen. Anschließend muss er den Stauraum kontrollieren, angeschwemmten Dreck von der Straße räumen, nachsehen, ob der Untergrund noch fest ist und alle Bäume sicher stehen. Dann kann voraussichtlich Ende der kommenden Woche die Pöbeltalstraße wieder für den Verkehr freigegeben werden. Die Generalprobe des Pöbeltaldamms wäre damit beendet.

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