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Die letzten Reichstädter Brücken bald fertig

Nach dem Hochwasser 2013 war die Stadtverwaltung Dipps überfordert. Aber mit Hilfe von Fachleuten hat sie doch alles bewältigt. Es ging dabei um viel Geld.

Eines der letzten Bauvorhaben entlang des Reichstädter Bachs ist die neue Brücke an der Obercarsdorfer Straße. Ihr Bau kostete rund 400.000 Euro.
Eines der letzten Bauvorhaben entlang des Reichstädter Bachs ist die neue Brücke an der Obercarsdorfer Straße. Ihr Bau kostete rund 400.000 Euro. © Karl-Ludwig Oberthür

Ein Jahr nach dem Juni-Hochwasser 2013 war Dippoldiswalde das Sorgenkind im Landkreis. Die Stadt kam nicht hinterher, ihre Schäden zu erfassen und anzumelden. Dabei gab es die einmalige Chance, die Kosten für die Reparaturen und Instandsetzungen komplett von Bund und Land ersetzt zu bekommen. Sogar das Landratsamt schaltete sich ein, um der Dippser Verwaltung in die Spur zu helfen. Dipps drohte, Millionen Euro zu verlieren.

Ziemliches Verwaltungschaos

Heute lässt sich sagen, dass die Hochwasserarbeiten bis auf letzte Reste erfolgreich abgeschlossen sind. Wie hat die Stadt die Kurve gekriegt? Sie hat das Ingenieurbüro ICL engagiert, damit es die Bauarbeiten steuert. Seine Mitarbeiter haben im Frühjahr 2014 erst einmal ein "ziemliches Verwaltungschaos" vorgefunden und monatelang Akten zusammengesucht und geordnet, berichtet Stefan Kadler, der für das Dippser Projekt verantwortlich ist. ICL hatte zeitweise sieben Mitarbeiter in Dippoldiswalde eingesetzt. Diese hatten im Rathaus eigene Räume bezogen. Die Stadt hat auch ihre internen Abläufe so umgestellt, dass der Oberbürgermeister Aufträge direkt und ohne Zeitverlust unterschreiben konnte.

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Marco Görner vom Ingenieurbüro ICL zog vor dem Dippser Stadtrat Bilanz der Aktion. 162 Hochwasserschäden hat Dippoldiswalde insgesamt verzeichnet. Davon sind 158 heute abgeschlossen. Zwei sind noch in Arbeit und bei Zweien hängt es noch an der Genehmigung, weil hier ein aufwendiges Planfeststellungsverfahren läuft.

An der Stadt selbst blieben nur wenig Kosten hängen

Insgesamt geht es dabei um einen Wert von 32,7 Millionen Euro. Diese Summe haben die Aufsichtsbehörden der Stadt als Fördermittel in Aussicht gestellt. 27,9 Millionen hat sie bereits bekommen. Der Rest ist noch in Arbeit. Vor allem beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr herrscht ein Stau bei der Bearbeitung. Denn Dipps war ja nicht die einzige Stadt, die 2013 vom Hochwasser heimgesucht worden ist. Von dort müsste also auch noch Geld kommen.

Auf einen Punkt sind die Bearbeiter stolz. Bei solchen Arbeiten bleibt immer ein Anteil der Kosten am Auftraggeber hängen, weil einzelne Arbeiten nicht den Förderrichtlinien entsprechen. Nach den Erfahrungswerten haben die Bearbeiter vom Büro ICL in Dipps mit 1,6 Millionen Euro gerechnet. Aber sie haben es besser hinbekommen. Dippoldiswalde muss rund 100.000 Euro Eigenmittel bezahlen. Das ist viel weniger als erwartet. Die Stadt hat dafür aber eine ganze Reihe von Brücken, Stützwänden, Wegen und Bachläufen, die nach heutigem Stand der Technik ausgebaut sind.

Diese Bogenbrücke im Unterdorf von Reichstädt ist derzeit noch in Bau. Sie bleibt in ihrer historischen Form erhalten, wird aber verstärkt.
Diese Bogenbrücke im Unterdorf von Reichstädt ist derzeit noch in Bau. Sie bleibt in ihrer historischen Form erhalten, wird aber verstärkt. © Egbert Kamprath

Reichstädt war eine besondere Herausforderung

Besonders schwierig war diese Aufgabe in Reichstädt. Dort hatte das Unwetter am 9. Juni 2013 besonders schlimm gewütet. Und in Reichstädt waren aber auch viele Anwohner skeptisch, weil der Wiederaufbau nach dem Augusthochwasser 2002 nicht zufriedenstellend gelaufen ist. Mit viel Überzeugungsarbeit gelang es aber doch, die Anwohner vom Ausbau des Reichstädter Bachs zu überzeugen. So kamen die Arbeiten in Gang.

Rund 4,9 Millionen Euro wurden allein am Reichstädter Bach verbaut. Dazu kommen 6,9 Millionen für Brücken und Straßen in dem Ort, die in Verantwortung der Stadt liegen. Der Ausbau der Hauptstraße durch Reichstädt, für den das Landesamt für Straßenbau und Verkehr zuständig ist, kostet noch einmal rund 6,2 Millionen Euro. Das Bachbett in Reichstädt ist jetzt so erweitert, die Brücken so groß ausgelegt, dass ein Hochwasser, wie es im Schnitt alle hundert Jahre vorkommt, hindurchfließen kann, ohne über die Ufer zu treten.

Bachausbau in Dipps stieß an Grenzen

Dieser Stand wurde in der Kernstadt beim Kreuzbach nicht erreicht. Dafür ist die Bebauung entlang des Gewässerlaufs zu eng. Aber auch der Kreuzbach erhielt ein neues Bett und vergrößerte Durchläufe. Kurz nach seiner Quelle wurden drei Teiche am Ortsausgang von Dippoldiswalde in Richtung Reinholdshain neu aufgebaut und flutsicher gestaltet.

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In Reichstädt wird die Brücke über den Dorfbach in Ordnung gebracht. Eine der letzten Hochwassermaßnahmen der Stadt Dippoldiswalde.

Jetzt laufen die letzten Abrechnungen. Die Unterlagen werden archiviert. Stefan Kadler von ICL sagte den Dippser Stadträten: „Vielen Dank für das tolle Projekt.“ Der Stadtrat seinerseits antwortete mit Beifall.

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