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Dipps baut Lager zum Bevölkerungsschutz

150 Betten, eine Anlage zum Füllen von Sandsäcken, eine Gulaschkanone und ein Schlauchboot. All das steht bereit für den Fall einer großen Katastrophe.

Dirk Massi,  Lars Werthmann,  Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Michael Ebert stehen im neuen Bevölkerungsschutzlager.
Dirk Massi, Lars Werthmann, Oberbürgermeisterin Kerstin Körner und Michael Ebert stehen im neuen Bevölkerungsschutzlager. © Karl-Ludwig Oberthür

Auf den ersten Blick ist es nur eine Garage für Lkws mit zwei großen Toren. Aber was dort lagert, kann für viele Menschen lebenswichtig werden. Die Stadt Dippoldiswalde hat in Schmiedeberg zusammen mit ihrer Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk (THW) und dem Roten Kreuz ein Vorratslager zum Bevölkerungsschutz für den Fall einer Großkatastrophe eingerichtet. Oberbürgermeisterin Kerstin Körner (CDU), Stadtwehrleiter Michael Ebert, Lars Werthmann, Ortsbeauftragter des THW und Krisenmanager beim Deutschen Roten Kreuz, sowie Dirk Massi, Ortsvorsteher von Dippoldiswalde und Fachberater beim THW, stellten dieses Bevölkerungsschutzlager vor.

Notunterkunft für länger als ein paar Stunden

Dort steht die Anlage des Technischen Hilfswerks, mit der die Helfer in einer Stunde 16.000 Sandsäcke füllen können – bei Hochwasser sehr gefragt. Daneben sind große graue Boxen übermannshoch aufgestapelt. Sie enthalten 150 Feldbetten, die dazu passenden Decken und Zelte, um Menschen auch über Tage oder Wochen unterbringen und verpflegen zu können. „Wir reden da nicht von drei, vier Stunden, sondern von einem längeren Zeitraum“, sagt Werthmann. Die Gulaschkanone, die dort steht, könnte Essen kochen, und ein Schlauchboot liegt auf einem Hänger bereit für einen Notfalleinsatz.

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Stadtwehrleiter Ebert, der das Konzept dafür mit ausgearbeitet hat, nennt Beispiele, wofür das neue Bevölkerungsschutzlager gedacht ist. „Situationen wie das Augusthochwasser 2002 fallen einem sofort ein. Aber es gibt ja auch andere Gefahren für einen Blackout, in dem nichts mehr funktioniert.“ Dieses Jahr stand Europa kurz vor einem internationalen Stromausfall. Ohne Elektrizitätsversorgung funktioniert kaum noch eine Heizung, bricht die Kommunikation zusammen, stocken die Lebensmittellieferungen. „Wenn so etwas in einer Gemeinde passiert, kommt schnell Hilfe von Nachbarn. Wenn aber flächendeckend Not herrscht, ist jeder auf sich alleine angewiesen“, erklärt Werthmann.

"Mit unserem eigenen Lager sind wir vorbereitet"

Das hat auch die Oberbürgermeisterin überzeugt. Deswegen stellt die Stadt die Lkw-Garage bereit und unterstützt das Vorhaben, um die Unabhängigkeit der Stadt auch im Katastrophenfall zu sichern.

Werthmann nennt ein Beispiel für die Unabhängigkeit: Beim THW stehen zwei große Notstromaggregate, ein drittes kommt noch dazu. Zwei sind über den Helferverein des THW besorgt worden und gehören nach Dippoldiswalde. Das dritte gehört zur Katastrophenschutzausrüstung des Landkreises und kann im Notfall auch in andere Orte abgezogen werden, wenn dort die Not größer ist. Deswegen ist der eigene Vorrat zum Bevölkerungsschutz sehr wertvoll. Den kann niemand abziehen. Eine Notstromversorgung ist beispielsweise nötig, um den Betrieb einer Tankstelle absichern. Darauf sind alle Einsatzfahrzeuge angewiesen.

Das kostet jetzt zwar Geld, welches im ersten Moment als totes Kapital herumliegt. Im Notfall kann es aber eine große Ersparnis bringen. Werthmann nennt ein Beispiel: „Für Zelte, die in normalen Zeiten 25 Euro kosten, müssen wir in Notzeiten 110 Euro bezahlen – falls wir überhaupt welche bekommen. Mit unserem eigenen Lager sind wir vorbereitet.“

Der Vorrat zum Bevölkerungsschutz wird schrittweise erweitert. So soll demnächst noch eine Palette mit 10.000 leeren Säcken bereitgestellt werden, die bei Bedarf mit Sand gefüllt werden.

Arbeitskreis zum Thema Sicherheit in Dippoldiswalde

Über den Einsatz der Vorräte entscheidet im Ernstfall die Oberbürgermeisterin. Dipps kann mit seinem Vorrat auch in Nachbargemeinden helfen. Aber Körner wird dabei von Fachleuten beraten. Sie hat vor einem Jahr, als die ersten Corona-Anzeichen näherkamen, einen Arbeitskreis zum Thema Sicherheit ins Leben gerufen, an dem sich auch das Krankenhaus, Landes- und Bundespolizei sowie Mediziner und Pflegeeinrichtungen beteiligen. Der trifft sich derzeit alle zwei Wochen in einer Videokonferenz. „Vor Kurzem war dort beispielsweise ein Vertreter der Landestalsperrenverwaltung mit dabei. Mit dem haben wir das Thema Hochwasser diskutiert“, berichtet Körner.

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